Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 159
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alembert1787bd1/0163
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
zu wollen scheinet; sie hat uns, so zu sagen an
den Rand eines Abgrundes zwischen Schmerz und
Mangel hingesteüec.
Der grosse Grundsatz der Moral des Phi-
losophen ist demnach (so ist das beweinenswürdige
Looß der Menschheit) daß er beinahe ftacs auf
die Vergnügungen Verzicht thuc, wenn er die
Uibel vermeiden will, welche die gewöhnliche Fol-
ge daraus sind. Dieses freudenleere Dasein,
welches uns das Leben erträglich macht, ohne
uns daran zu heften , ist dennoch der Gegenstand
des Ehrgeizes, und der Bemühungen des Wei-
sen — und wahrlich ! alles genau abgewogen
ist dieses die Lage, die uns unser gegenwärtiger
Zustand am meisten erwünschllch machet. Es
sind auch die meisten Menschen zu beklagen, daß
sie es mit allen ihrem Bestreben nicht dahin
bringen können, sich diesen Zustand der Gleich-
gültigkeit, und des Friedens zu verschaffen. Taru-
send Ursachen vereinigen sich uns zu beunruhigen.
Einige davon z. B. der körperliche Schmerz,
hangen schlechterdings nicht von uns ab ; andre
als z. B. das Verlangen nach Hochachtung,
Ehre, und Ruhm haben ihre Quelle in der Mei-
nung andrer Menschen, die gleichfalls nicht in
unsrer Gewalt steht; noch andre endlich haben
ihren
loading ...