Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

Page: 13
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1785/0021
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Supplemente
Γ3
A
L
L
LU Z
GEMEIN
E
N .
£ a 0 öH
Au JL Λ Λΰ
R
A
T U R - Z E
ΊΓ
0
JL
TUNG
vom Jahre 178$.

Numero 4.

GOTTESGELAHR THEI T.
Berlin und Stettin, bey Nicolai: Nachricht
r.-,n der wahren Befchassenheit des- Infiituts der
Jesuiten. Surgit cadendo. 1/85· 160 S. in gr. 8.
Jedermann weiss, dass der seinem Nahmen und
seiner äusserlichen Gestalt nach aufgehobene Je-
suiterorden, in den neuesten Jahren fall zu wichti-
gem Untersuchungen und Beobachtungen Gelegen-
heit gegeben hat, als da er noch in beiderley Rück-
sicht vorhanden war. Man hat nicht allein behaup-
tet, dass er im Grunde noch immer fortdaure, und
desto mächtiger in allen europäischen Ländern fort-
würke, je unbekannter nunmehr und unbemerkter
seine Mitglieder sind; sondern auch vornehmlich,
dass der ganze Entwurf dieses Ordens vom Anfänge
her einer der schädlichsten und schlimmsten für den
Staat, die Pieligion und den menschlichen Verstand
überhaupt gewesen sey. Beides wird in dieser sehl·
merkwürdigen Schrift bestatigt: das erstere in der
Vorrede, das andre in der Schrift selbst. Es wird
nemlich aus dem berühmten Buche: Histoire de la
naissance et des progres de la Compagnie de Jesus,
Amsterdam 1761. 4 Bände in 12. (welche aber im
Jahr 1767 noch mit zwey andern vermehrt worden
sind,) ein hinlänglicher Begrifs von dem Institut dieses
Ordens gegeben, der überall mit Stellen aus den eig-
nen Constitutionen desselben belegt worden ist. Nach
dieser Methode, der man den Vorwurf blosser gehässi-
ger Vermuthungen oder Folgerungen nicht machen
kann, wird gezeigt, der Hauptplan jenes Instituts gehe
dahin, sich eine Universalmonarchie zu bilden, über
welche der General des Ordens despotisch zu gebie-
ten habe; dass die Jesuiten einen hohen Begriss von
ihrer Gesellschaft geben, um alle Menschen anzulo-
cken ; dass ihr Institut ein Geheimniss sey, welches
fie sorgfältig verbergen; dass sie dasselbe nachWill-
kiihr abändern, und es immer so einrichten können,
wie es ihr Interesse erfordert, dass diese Gesellschaft,
nach der Natur ihres Instituts, Menschen aus allen
Ständen, vielleicht so gar aus allen Religionen,
Layen, Ehemänner, Bischöfe, Päbste, Kaiser und
Könige, aufnehmen könne; dass es verschiedene
Arten gebe, ein Jesuit zu seyn; dass das Gelübde
des Gehorsams bey ihnen ausgedehnt, und das Ge-
J. L. Z. 1785. Supplementband,

lübde der Armuth vereitelt werde; dass der Gene-
ral aus allen Gelübden des Ordens einen Scherz
machen könne, wenn es der Nutzen desselben mit
sich bringe ; endlich wie künstlich und schlau die
ganze innere Einrichtung des Ordens getroffen, be-
stimmt und erklärt worden sey. Um alles dieses
gleichsam anschauend darzustellen, hat der V. aus
dem äusserst seltenen Buche, (wiewohl es nicht völ-
lig so seiten ist, als er glaubt,) Imago primi Seculi
Soc. J. 1640. zu Antwerpen in Fol., worinne sie
viele wichtige Nachrichten von ihrem Orden gaben,
es aber hernach selbst, vermuthlich weil sie merk-
ten, etwas zu laut darinne geredet zu haben, unter-
drückten, dem Titel gegen über zwey Kupferstiche
setzen laßen, davon der eine die Leichtigkeit an-
deutet, mit welcher die Jesuiten die Welt in Bewe-
gung bringen; der andere ein Sinnbild ihres ge-
heimen Unterrichts abgiebt,
RECHTSGELAHRTHEIT.
Augsburg: Kayserl. Königl. Verordnungen
welche über Gegenssände in Materiis publico - eccleßa-
ßicis vom Jahr 1788 bis- 1784 erlaßen worden. Zwey?
te Fortsetzung. 1784. Fol. S. 11g.
Ueber die Erheblichkeit dieser Verordnungen,
die für die katholische Staatskunde überhaupt äus-
serst merkwürdig sind, haben wir wohl nicht nöthig
ein Wort zu sagen. Da aber diese Sammlung eben so
gut geordnet als vollständig, auch mit guten Regi-
stern versehen ist, so freuen wir uns, dass sie nicht
unterbrochen wird,
ARZENETGELAHRTHEIT.
Leipzig, in der Weygandschen Buchhand-
lung: Bibliothek der wichtigßen praktischen Aerzte
des fiebzehnt en Jahrhunderts, grösstentheils in kern-
hasten Auszügen mit den neueften Ersahrungen berei-
chert. Erster Band. 1785· 323 und 224 S. 8»
Ob es wirklich in unsernZeiten so wenig Aerzte
gebe, welche die gelehrten Sprachen verliehen, oder
ob nur die lateinisch geschriebnen Werke der Aerzte
aus den vorigen Jahrhunderten so seiten geworden
sind, und ob also überhaupt das Bediirfniss solcher
D Ueber-
loading ...