Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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SUPPLEMENTE ZUR A. L Z.

ternehmert. W rathen, äufeer andern dem Verf.
ohne Zweifel bekannten Schriften , Haubers im
Jahr 1724 gedruckten, jetzt schon etwas seiten
gewordenen Ferfuch einer umßändlichen Hißorie
der Landkarten u. s. w. nebst den 1725 herausge-
kommenen Aus ätzen und Ferbeßerungen dazu,
nicht dabey aus der Acht zu laßen. Zum Be-
schluß sagt der Verfaßer , „dass gegenwärtiges
W'erkchen nicht geschrieben sey , Männern von
vielen Kenntnißen einigen Unterricht zu ertheilen,
sondern um einen grossen Theil des nicht wißen-
den Publikums eine Schrift in die Hände zu ge-
ben, die des Preises wegen von Jedermann ge-
kauft (werden kann und) den gegenwärtigen Zu-
stand Deutschlands und der benachbarten Staaten
einigermassen vor Augen stellet. ‘‘ Freylich nur
sehr einigermaßen ist gedachter Zustand erörtert;
inzwischen kann das Buch den Lesern, welchen
es der Verfaß', bestimmt, und in Ansehung einzel-
ner nun einmal in daßelbe aufgenommenen, wenn
gleich nicht immer hinein gehörigen, Artikel auch
anderen nützlich werden. Für beide Gattungen
vonLesern aber, zumal für die, welche der Verf.
selbst sielt wählte, war das Auskramen so vieler
Belesenheit unnöthig. Hier findet man Sallußius,
Wols, Montesquieu, Adlerseld, Mofer, Terra/fon,
Bieleseld, ßßißi, Hutchefon, Wraxall, Puffendorf,
Kantemir, Frey er , und viele andere, von welchen
manche in einem Buche dieser Art stcherlich nicht
gesucht werden, in bunter Reihe durch einander
citiret. Wollte der Verfaß', hiedurch darthun, dass
er viele Bücher kenne, so hat er seinen Zweck
vollkommen erreicht. Seine Schreibart übrigens
erhellt aus den angezogenen Stellen deutlich.
SCHOENE WISSENSCHAFTEN.
Wien, beyKurzbek: Irrthum aus allen Ecken.
Lußspiel in süns Aufzügen nach dem Englifchen des
I). Goldsmith. Aufgeführt im kaiserl. königl.
Jsationalhoftheater. 1784* IJ8S, 8. (4grf)
Ebendaselbst: Die philofophisehe Dame, oder
Gist und Gegengist. Lußspiel in süns Aufzügen
nach dem Itahensschen des Go. Gozzi srey bearbeitet
von S. F. Schlotter. Ί-734· *32 S. 8. (4Sr·)
Gewöhnliche Wiener Umarbeitungen, die sich
sehr leicht und schell fertigen laßen, weil ihrgröss-
tes Verdienst in Veränderung der Namen, nicht
aber in Verbeßerung der Fehler des Plans, oder
der Ausführung des Originals besteht. Wozu sol-
che Zwitter - Schauspieie, wo bloss die Namen
deutseh, die Sitten und das Ganze aber auslän-
disch lind, unsrer Bühne nutzen sollen, bleibt Re-
cens. ein Problem. Das erstere ist bereits vor Meßen
Jahren, unter dem Titel: dielrrthümer einer Nacht,

von Wittenberg übersetizt worden, und Wittenbergs
Dony Lumpkin ist dem Hanfei des W'iener Umar-
beiters gar sehr vorzuziehn. — Im zweyten Stücke
spielt ein Kammerdiener eine grosse Rolle, mischt
überall das Wort Philosophie ein, und macht eine
Art von Witzling; Phiiosophische Beßialitäten —
Regt ßch die Liebe in seinem Herzen nicht, so muß
er von Stroh zusammengeflickt feyn — Die Welt so
ganz in der Stille, wie ein ausgebranntes Oellämp-
chen, auslöfchen zu machen — Himmel, Erde, Lust
und Feuer müßen ihren Seegen zu differ Ferbindung
gehen etc. etc. sind das nicht allerliebste, naive Ein-
fälle? Hier und da stösst man auch auf Ausdrücke,
wie z. B. „geweßten Wohlthäters, “ welche bewei-
sen,wie sehr der Verdeutscher seiner Muttersprache
mächtig ist.
FERMISCHTE SCHRIFTEN.
Nürnberg, bey Grattenauer: Akademische?
Lehrbuch sür ßu dir ende Jünglinge aus allen Fakul-
täten , von ßoh. Chrißoph König, d. W. Magißer.
178S. 440 S. in 8- (1 Rthl.)
Der Verfaßer gab schon im Jahr 1781 den er?
sten Theil einer Schrift über das akademische Stu*
dium und akademische Leben heraus, mit der Ab»
sicht einen zweytenTheil folgen zu laßen, in wel-
chem eine allgemeine Methodologie geliefert werden
süllte. Diese letztere auszuarbeiten fehlte es ihm
bisher an Zeit; er entschloss sich also, jenen er?
sten Theil, von welchem eine neue Aussage nö-
thig war, umzuarbeiten, mit einigen erheblichen
Zusätzen zu vermehren, und ihn unter dem oben
angeführten Titel, als ein eigenes Ganze, heraus
zu geben. Es wird darin zuerst von den wichtig-
sten Dingen geredet, die ein Jüngling zu prüfen
hat, ehe er die Universität bezieht, und dann wird
gelehrt, was er in Ansehung seines Verhaltens auf
der Akademie beobachten müße. Wrer es weiss,
wie sehr alles dies fall: allgemein vernachlässigt
wird, kann wohl nicht anders wünsehen, als dass
auch diese Arbeit des Verfa'l. dazu beytragen mö?
ge, bey vielen Studirenden den Zweck, warum
sie sich den Wisienschasten widmen, zu befördern.
Vielleicht geschähe dies in einem noch ausgebrei-
teteren Maafee, wenn der Verfaß', bey seinem Vor-
trage noch mehr Rücksicht darauf genommen häo
te, dass gerade die Jünglinge, die seines Rathes
am meisten bedürsen, am schwersten zu einer Le-
düre zu bringen find, die sich bloss durch ihre
Nützlichkeit empfiehlt. Manchen Abschnitten hät-
te so leicht ein weit grösseres Interesse können ge?
geben werden. Unter andern ist die Abhandlung
über die Prüfung der Fähigkeiten gar zu mager
und oben abgeschöpft.
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