Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente
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vom Jahre 1785·
N umero 17,

GOTTESGELAHRTHEIT.
s -sisssEN, bey Krieger dem altern: Predigten
von ffohann Michael Löbftein, der heil. Schrist
Doctor, InfpeHor und Oberpsarrer zu Butzbach.
1785. 392 S. 8- (14 gr-) .
Nach des Verfassers Versicherung hat leine Ge-
meine diese 17 Predigten als ein Andenken begehrt.
Unstreitig hat der Verfasser die bellen Absichten.
Sein brennendes Verlangen, alle, die ihn hören,
zu einem thätigen Chrillenthume zu erwecken, ist
in seinen Vorträgen unverkennbar; man sindet dar-
inn viele gemeinnützige Wahrheiten, sonderlich in
der Predigt vom Bücheriesen, oft eine recht herz-
liche Sprache, und starke Bibelkenntniss. Ersocht
die eigenthiimlichen chriillichen Lehren besonders
nach ihrer Wichtigkeit darzusteHen, "und dem Stro-
me einreissender Lasterhaftigkeit vorzubauen. Dass
aber sein System vieler Läuterung bedars, dais es
seinen Begriffen manchmal an Richtigkeit, wenig-
ilens an Bestimmtheit, und seinen Schlüssen an fe-
ilem Zusammenhange mangelt, dass seine Exegese
nicht immer die gründlichile, seine Sprache häufig
nicht corresl und oft bloss orientalisch iil > dass der
gute Mann seine Phantasie und Beredtsamkeit mög-
lichil anstrengt, durch schreckliche Schilderungen
zu erschüttern, und darüber Wahrheit und Ge-
schmack nicht seiten vergisst, diess kann freylich
seiner Arbeit nicht zur Empfehlung dienen. Zu
wie vielen Missdeutungen können dergleichen über-
triebene Behauptungen verleiten, als man S. 81 le-
sen muss .' „Folglich darf kein Gedanke in unsrer
Seele aufileigen , keine Begierde in unserm Herzen
erwachen, kein.Urtheil mit unserm Verstande ge-
fällt werden, kein Wort mit unsrer Zunge ausge-
sprochen werden, kein Fuss, keine Hand aufgehoben
werden, kein Blick mit unsern Augen gethan wer-
den, dass wir nicht den Herrn Jesum zu Rath
ziehen wollten, obsihm nicht mißfalle. ‘ Und wenn
S. S- die Sicherheit vor dem höllischen Würgengel,
der die Häuser vorbey geht, deren Poßen f Pfeilen j
mit dem Blute des Lammes beilrichen sind, unter
die-V ortheile des praktischenChriilenthums gerech-
net wird; so möchte man wijnschen, dass Herrn,
Lobßeins Zuhörer nicht so dringend gebeten, oder
dass ihr Lehrer die unüberlegte Bitte nicht mit so
AM- Z-178). Supplenieiitband-

vieler Nachgiebigkeit und so wenig strenger Prü-
fung bewilligt hätte.
Frankfurt am Mayn, bey den Eichenbergt-
schen Erben: Die Gottfeligkeit mit ihren feligen Fol-
gen in Zeit und Ewigkeit, erwiesen in einer am löten
Wintermonat 1785 vor derzu Bockenheim verfamm-
leten Frankfurter refermirten teutschen Gemeine
gehaltenen Predigt über 1 Tim. 4, 8. von Gerhard
Daniel Rettig, Psarrer zu Monzingen. 1785. 31
Seit. 8·
Ein eben so fruchtbares, als bekanntes Thema,
worüber Herr R. in dieler Gailpredigt zwar nichts
eigenes oder besonders auffallendes, aber viel schö-
nes und erweckliches gesagt hat. Zuerft werden
mancherley irrige Vorilellungen rus dem Wege ge-
räumt, um den Begriss'einer wahrhaftig christlichen
Gottseligkeit seilzusetzen; dann wird ihr wohlthäti-
ger Einsiuss auf Herz und Leben, sonderlich in ver.
schiedenen einzelnen Situationen überzeugend und
lebhaft dargethan. Am Schlusse werden die Zwei-
fel noch in gedrungener Kürze beantwortet, welche
die Erfahrung gegen den allgemeinen Nutzen reli-
giöser Gesinnungen zu erwecken und zu begiinili-
gen scheint. Nur ilösst man zuweilen auf kleine
Mängel: zum Exempel, S. 16 auf einen verunglück-
ten schiefen Gegensatz, indem der Verfasser Kir-
chengehen, Almosengeben, Ernährung der Seini-
gen, Hiilileiilungen u. s. w. > den Tugenden entge-
gen Hellt, wozu uns Vernunft und Offenbarung
verbinden,
OEKONOMIE.
Berlin, beyMylius: Gründlicher Unterricht
in der seinen Kochkunß, von Franz Otto Müller>
Fürstl. Koch in Dessau. 1785. 416 S. 8- (1 Rthlr. )
Die Zurichtung guter Speisen und die Anwei-
song dazu in Kochbüchern, wird in der Literatur,
gemeiniglich sehr zurückgesetzt, oder gar davon
ausgeschlossen. An sich .verdient sie diese Ver-
achtung gewiss nicht, denn sie iil ein wichtiger
Theil der Hauswirthschaft, von dessen guter
Ausübung, Gelundheit und Wohlstand der Fa-
milien abhängt, welche unter den Fehlern die
darinn begangen werden, leiden mussen. Der
Grund der Verachtung hegt also wohl vielmehr nur
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