Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente


zur

ALLGEMEIN

vom Jahre 1785.,




N umei
GÖTTESGELAHRTHEIT.
Koeln und Achen, ini Guinbertischen Ver-
lage : Eie allerbeflen Gebeter, welche von Ih-
9Ό päbfllichen Heiligkeit Pius KI erklärt 'und ausge-
legt , aus dejfen Befehl im ganzen Kirchenflaat ver-
ehrt und ausgetheilet worden, zu nutzbarem Ge-
brauch der heiligen Meß und der heiligen Sakramen-
ten. Aus dem Italiänischen überfetzt. Cum per-
missu Superiorum. 1783. 71 S. 8· Nebst dem
Bildniße des Pabsts. (4 gr.)
Es ist wenigstens eine kleine literarische Merk-
würdigkeit , dass der Pabst Pius VI diese kurze
Erklärung einiger Gebete selbst aufgesetzt, und
durch den Druck hat bekannt machen laßen. Aus-
serdem unterscheiden sie sich nicht von andern
ähnlichen Erklärungen in der römischen Kirche.
Die hier erklärten , oder paraphrasirten Gebete
sind: das Kater Unser, der englische Gruß, und
das sogenannte apoftolische Glaubensbekenntmß > wel-
ches letztere durch die Paraphrase in ein Gebet
verwandelt ist. Zur Probe wollen wir nur einige
Erklärungen anfuhren. Die vierte Bitte des V. U.
erklärt der Hr. Verf. nicht bloss von den leibli-
chen Erhaltungmitteln,· sondern vornemlich von
dem Brodte der Seele, dem Worte Gottes und dem
Abendmahle. Die Worte im dritten Artikel des
apostolischen Glaubensbekenntnisses : Eine heilige,
allgemeine chrifiliche Kirche, Gemeinschast der Hei-
ligen , sind hier also paraphrasirt: „Ichglaube» dass
„auf dieser Welt eine wahre, allgemeine, allein
„seligmachende, von Christo gestiftete Kirche zu
„finden, das ist, eine allezeit sichtbare Versamm-
„lung rechtgläubiger Christen, unter einem Ober-
„haupte und Statthalter Christi: ich glaube , dass
„diese Kirche sey einig in der Glaubenslehre, in
„dem Gebrauche der Sacramenten. Heilig in ih-
„rem Stifter, in ihrer Sittenlehre, in vielen ihren
„Gliedern. Allgemein oder katholisch , der Zeit
;,und dem Orte nach. Ich glaube ebenfalls, dass
„in dieser Kirche sey eine gemeinschastliehe Theil-
„hastigkeit der Kerdieifle , heiligen Geheimniße und
„ des Gebetes, durch welche die liegenden Recht-
„glaubigen in dem Kimmel, die Leidenden in dem
„Fegseuer, die Streitenden auf Erden mit einander
A- L. A. 1785. Supplementband,

0 20»

„verbunden, gleichsam einen sittlichen Leib aus»
„machen. 0 welche ganz besondere Gnade ist es,
„dass du, o Gott! mich zur wahren katholischen
„Kirche berufen, und in solcher erhalten hast?
„In dieser Kirche will ich leben und sterben. 0!
„wie glückselig würde ich seyn, wenn ich mit
„Darstreckung meines Lebens etwas beytragen
„könnte, dass so viele Millionen der Irr-und Un-
gläubigen in den Schoos sothaner Kirche geführt
„würden? u. s. w. “ Den Paraphrasen der Gebe-
te sind sechs Litaneyen und eine Anweisung beyge-
fiigt, wie man diese Gebete bey der Meße ge-
brauchen soll. Am Ende steht noch ein Lobgefang
zum heiligen Apossel Petrus, nebst der Verkündi-
gung eines Ablaßes von iooTagen für diejenigen,
welche diesen Lobgesang singen, und eines Ab-
laßes auf ewige Zeiten für diejenigen , welche auf
die beiden Petersfeste eine Kirche, oder einen Al-
tar S. Peters betuchen, und daselbst eine Meße
hören werden. — Man muss sehr zweifeln, dass
dieses Werkchen in Ländern, wo es beginnt helle
zu werden , einiges Glück machen werde. Am
wenigsten lässt sich das von gegenwärtiger deut-
schen Uebersetzung erwarten, die an vielen Stellen
ganz undeutseh ist.
Wien, mit von SchÖnfeldischen Schriften-
Donat. Holzmanns, Priesters der frommen Schu-
len, Predigers an der kaiserl. königl. Theresia-
nisch - Savoischen Ritterakademie, Sammlung eini-
ger Predigten. 1784· 134 $· 8· <13 gr.)
Man darf in dieser Sammlung keine Predig-
ten in der gewöhnlichen Form sachen. Die be-
sondern Umstände, unter welchen Hr. H. diese
Predigten gehalten hat, rechtfertigen ihn voll-
kommen , dass er sich in denselben einer Lolchen
Sprache bedient, und solche Hauptsätze gewählt
hat, die man seiten in einer Predigt hört. Seine
Zuhörer waren Adeliche aus den ersten Käusern
der österreichischenStaaten, meistenthei'ls von rei-
ferem Alter , welche in der Ritterakademie den hö-
heren Wilsenschaften oblagen, und in den schön n
Wilsenschaften gut gebildet waren. Dies veran-
lasste den Verf. solche H .uptsätze zu wählen, die,
ohne die Fassiingskraft seiner Zuhörer zu überstei-
V gen.
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