Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Numero 23.
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ARZENETGELAHR theit.
eipzig, bey Weygand: Felix Fontanci's Beob-
achtungen und Ferfuche über die Natur der
thierischen Körper. Aus dem Italiänischen nebst ei-
nem Auszug aus desien Französischen Werke über
das Fiperngist und einigen eigenen phyßologischen
Aussitzen von Z). E. B. G. Hebenflreit. Mit einem
jKupfer. 1/85. 336 S. 8.
Der deutsche Herausgeber dieser Beobachtun-
gen fertigte seine Uebersetzung nach dem im Jah-
re 1775 zu Florenz herausgekommenen Werke:
Ricerche silofofiche foprala sistca animale di Felice
Fontana und nach seinem neuerlich erschiene-
nen Traäat sür le venin de la vipere, und diesen
fugte er seine gegründeten Zweifel in einigen eig-
nen Abhandlungen bey.
Unmöglich können wir den ganzen Inhalt
■«dieser wichtigen und grösstentheils neuen Bemer-
kungen unsern Lesern vollständig bekannt machen
und dennoch wird es auch schwer fallen einen
kurzen Auszug zu liefern, weil die hier vorgetra-
genen Sätze fast alle mit einander genau zusam-
men hängen, und sich der Verf. auch auf viele
neue Verslache, die er zugleich erzählt, bezieht;
doch wollen wir uns bemühen, unsre Recension
unsern Lesern so nützlich und angenehm, 'als mög-
lich, zu machen.
Im ersten Theile trägt Fontana fünf Grundge-
setze der thierischen Natur vor, von welchen das
erstere behauptet, jede Zusammenziehung der Mus-
kelsaser fodere einen neuen Reiz, der ihre Reiz-
barkeit von neuem thätig mache. Dieses Gesetz
unterschreibt der Verf. als wahr, ob ihm schon
die Bemerkungen mehrerer Gelehrten und die
Schwingungen elastischer Körper entgegen stehen.
Reiferes Nachdenken und eine lange Reihe von
Versuchen und Erfahrungen überzeugten ihn da-
von. Der Muskel zieht lieh vermöge der Reiz-
barkeit seiner Fasern zusammen , und erschlafft
vermöge ihrer Elasticität; die Reizbarkeit ist kei-
ne stetige Kraft, denn bey vielen geösfneten Thie-
ren zieht sich das Herz nicht gleich nach der Er-
schlaffung wieder zusammen, obgleich in den Hö«
A. L, Z. 1785« Siipplementband»

len Blut ist, welches reizen könnte. Man kann
die Reizbarkeit mit der Elasticität nicht verglei-
chen : die Muskelfaser zieht lieh gereizt zusam-
men, dann erschlaft? sie wieder, alsdann ist nichts
im Muskel enthalten , was ihn von neuem zusam-
menziehen könnte. Dies ist nicht der Fall mit der
Stahlfeder ; der Muskel dehnt sich bey der Er-
schlaffung niemals, über seine natürliche Länge
aus; bey vielen Thieren zieht sich das Herz nicht
gleich wieder zusammen. Es ist nicht Elasticität ,
was die Bewegung der Muskels wieder ansängt,
sondern ein neuer Reiz. Dies kann man bey Mus-
keln, die zur willkührlichen Bewegung dienen,
deutlich sehen. Das einmal gereizte Herz eines kalt-
blütigen Thieres sährt ganze Minuten lang fort,
sich zusammenzuziehen und auszudehnen. Dieses
könnte man für einen Einwurf gegen das behaup-
tete Grundgesetz halten, allein man muss beden-
ken , dass wir nicht immer alle Umstände und Ur-
sachen entdecken können, welche , ob sie schon
verborgen sind, doch vorhanden seyn können : z,
B. Luft , Wärme , ssiissige Theile des Muskels,
Gährungen etc. Ferner räumt er den Einwurs
aus dem Wege, dass der Muskel erschlaffe, wenn
der Reiz gleich fortdauere. Zweytes Grundgesetz:
Die Reizbarkeit ist nicht immer vorhanden, son-
dern wird erst nach einem gewiisen Zeitraum und
nach Verhältniss der Art und des Zustandes der
Muskelfasern wieder erneuert. Man nimmt ver-
schiedene Erscheinungen an den Muskeln wahr;
das Herz eines Frosches bewegt sich in einer Mi-
nute sieben und siebenzig mal, — eines Aals vier
und zwanzig mal , einer Schildkröte nur etwa
zehn mal, und eines Eichhorns fünfhundert mal.
Nach seinem Pulsschlage und vermittelst einer Pen-
deluhr bestimmte Hr. F. diese Beobachtung, und
zwar zählte er lieben hundert und fünfzig Schlä-
ge, allein weil er auf die Aengstlichkeit des Thie-
res Rücksicht nahm, so nahm er nur sünshundert
an. Ein erschlafftes Herz zog sich nicht zusam-
men, wenn es gleich gereizt wurde, es mangelte
den Faserp also* etwas; die Wiedererlangung der
Reizbarkeit nemlich -hängt von einem gewiisen be-
stinnnten Zustande der Muskelfasern ab. Die Mus-
kelsaser muss in dem Augenblicke, wenn der reu
Z zende
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