Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente


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78 5.



N u rn e r o 25.

RE CH TS G EL A HR THE\I T.
1 -j-Räz, bey Weingand und Forill: Frage', ob
der Halser das Recht habe, in seinen Erwan-
dern aus eigener Macht eine neue Diözeseneintheilung
vorzunehmen, die Gerichtsbarkeit der auswärtigen
Bischöse und Metropoliten auszuheben, und neue in-
ländifche Bischöse und Metropoliten zu machen, oh-
ne daß diese die Beßätigung des römischen Hoses
nöthig haben ? mit Ja beantwortet von Franz Xa-
vier Neupauer, d. R. D. Lehrer des Kirchenrechts
und der Landesges. 1784. 64 S. 8- (4 gr.)
Der Verfasser bejahes diese Frage in folgendem
Schluss: „Kaiser Joseph hat seine landesherrliche
»»Gewalt von Gott; der untrügliche Maasflab seiner
»dVlajestäts- Rechte iil das Bedürsniss seiner unter-
grabenden Staaten; das Wohl derselben fodert ei-
,,ne neue Diözeseneintheilung, fodert die Aushe-
s,bung auswärtiger Gerichtsbarkeiten, fodert die
„Ernennung neuer innländischer Bischöfe und Me-
tropoliten es iil also Pssicht und Recht für Joseph,
„dass er es unternehme; Er kann es um so mehr,
„und zwar eigenmächtig, thun, weil solche Neue-
rungen unstreitigbloss Disciplinarsaäien sind, und
„von Justinian, Carl dem Grossen und vielen an-
„dern Kaisern und Königen wirklich ohne die min-
»,dellen Widersprüche der damaligen Kirchenvor-
„steher eigenmächtig sind äusgeiibt worden.Zur
Ausführung der diesen Schlass unteriliitzendeu Be-
weise iil dem Verfasser in dieser ohnehin kleinen
Abhandlung wenig Raum übrig geblieben, da die
vorausgeschickte Ausführung des Satzes, dass
der Staat so gut wie die Kirche von Gott sey, im
Verhältniss zu weitläuftig gerathen iil.
Den wichtigen Einwurf, den die auswärtigen Bi-
schöfe und Metropolitanen auf das ihnen durch
Verträge erworbene und bisher ausgeübte Recht
gründen, hat der Verfasser zu kurzVbgefertiget.
Er erklärt zwar solche Verträge, als in den ehema-
ligen sinstern Zeiten gemachte Conventionen, für
ungültig, und wegen der veränderten Umilände
für unverbindlich, auch bemerkt er, dass eine sol-
che auswärtigen Bischöfen zustehende Gerichtsbar-
keit der ordentlichen Kirchenzucht und der Wirlc-
femiceit landesherrlicher Gesetze hinderlich sey.
L. Z, 17%$, Supplemmtband,

Dass aber diese Sätze bis zum Angreisen, Avie sich
der Verfasser ausdrückt,) erwiesen worden seyen,
möchte der prüfende Leser nicht leicht, wohl abev
häufige Declamationen und Schilderungen, finden,
die noch dazu nicht immer eine genaue Prüfung
aushalten. Man sehe z. B. das von dem Zustand
der Kirche des erden Jahrhunderts. (S. 17.) entwor-
fen« Gemählde, welches das Verhalten der Mit-
glieder als das friedlichile und liebevollsle darflellt.
Vermuthlich hat der Verfasser die Absicht nicht
gehabt, die Frage gelehrt zu untersuchen, son-
dern er wollte, wie es scheint, in einer populären
Darflellung dem grossen Hauffen zur Beurtheilung
dieser Staatsfrage einigen Unterricht geben, und,
dieser Absicht entspricht die Abhandlung so ziem-
lich.
Hildburghausen , bey Hanisch:Heinr.Elias
Gottl. Schwabens syßematisch vollßändige Verglei-
chung der bürgerlichen und adelichen ehelich n Ab-
intefiat erb folge, ncA_/? Collationen, Misbrauch und
Verwaltung > nach Römischen, Gemeinsächfchen und
Chursächfchen Rechten. Mit einer Einleitung: vom
Gebrauch dieses Buchs und von der gerichtlichen
Versiegelung, auch mit einem volliländigen Regt»
fier versehen. 1784. 22 B. in 8· (14 gr.)
Die Absicht des Verfassers war aus den zer-
streuten Abhandlungen oder Büchern und Schriften
der bellen Rechtsgelehrten» und aus denGesetzen
selbil zur Bequemlichkeit nicht nur in möglichß
pasfen wollender Ordnung das, was zur Lehre von
der Inteilaterbfolge der Eheleute gehört, concis
zufammenzutragen, sondern auch die zunachil hie«
her gehörigen Sachen, besonders die slreitigen.
Materien, beweislich und weitläuftig zu entscheideni
die entfernt einschlagenden Fragen aber nur zu be-
rühren. Das Römische Recht sey die Grundlinie
und letzte troßsuchende Zuflucht saß aller Art un-
serer rechtlichen deutschen Armfeligkeit, Der un-
partheyische Leser darf nur gegenwärtiges Buch
gegen alle andere Rechtsbücher über diese enthal·
tene Materie zusammen vergleichen, und er wird
dessen A’orzüglichkeit, (mit Erlaubniss gesagt) so«
gleich beym erilen Anblick finden.“ — Doch der
Verfasser verlangt, der geneigte Leser solle ihn,
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