Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Numero 33.


GOTTESGELAHRTHEIT.
Ρ λ ag, bey Mangoldt: Kirchenamtspolitik nach den
allgemeinen Kerhiütniffeß der Kirchenftatiftik
und der Paftoralklugheit in der Anwendung aus die
Seelforgergefchäfre. Von Franz Christian Pittroff,
des ritterl. Kreuzordens mit dem rothen Sterne Prior,
der Pasloralwissenschasten k. k. offen tl. Lehrer,
1787. 9-6. S. 42 S. Vorrede. (2 Rthlr. 20 gr.)
Wir mussen Herrn P., der sich? schon in diesem
Fach zu seinem Vortheil bekannt gemacht, dieGerech-
tigkeitwiedersahren lassen, dass er sich auch hier als
einen denkenden und aufgeklärten Kopf gezeigt, der
mit einem edlen freymiithigen Ton Fehler und Ge-
brechen seiner Kirche rügt, und mit solider Gelehr-
samkeit praktische Menschen und Weltkenntniss ver-
bindet. Nur einiges erlaubt uns die Beschassenheit
des Buchs und unser Endzweck auszuzeichnen: S.
6 erwähnt Herr P. zu Gunllen der Hierarchie, den
neuersundenen Unterfchied zwischen dem römischen
Stuhl und römifchen Hof, wodurch verschiedene
Handgriffe der Kanzley und verschiedener Congre-
gen nicht aufRechnung des kirchlichen Oberhaupte
gesetzt werden seilen oder dürfen. Recensent will
sich diesen Unterschied, insofern er durch Thatsa-
chen erwiesen, gesallen lassen. Aber kann und will
denn Herr P. den erden Hierarchen auch da ent-
schuldigen, wenn er und seine Kanzley, wie solches
die Geichichte beweist, miteinander einverilanden,
Staatsllreiche und Kunilgrisse der feinem oder
gröbern Politik ausgehen lassen ? Hier hilft der neu-
erfundene Unterschied um das kirchliche Oberhaupt
zu retten nicht: und Luther, der im Jahr 1519 den
Unterfchied zwischen römischem Hos und römifcher
Kirche zuerst auf die Bahn brachte, hat die Sache sehl-
gut getroffen, indem er durch selbigen Fehler, Ge-
brechen, Staatsilreiche und Tyranneyen des römi-
schen Hofes nicht der Kirche selbst, sondern den
Ilierarchen, die Menschen wie andere Menschen sind,
zur Last legte. S. 48 ■—50 kommen tressiche Gedan-
ken über diegesetzl. Popularität und Vereinfachung
der Gesetzbücher vor. „Das einzige Naturrecht
und das Evangelium passet auf die ganze Grundla-
ge des Menschengeschlechts: wie man aber die
deutsehe Nation so lange mit den römischen Präto-
A. L. Z. J785· Supplementband.

rianedikten plagen und mit Beneficialdecreten aus
den Kanzleyregeln heimsuchen konnte, welche wohl
die Erwerbungs-Wege, keinesweges aber die Ver-
waltungs-Mittel zeigten, das ist schw-er zu begrei-
fen.'5 Er rügt sodann die Thorheit, dass man die
Ehehaften des gemeinen Volks aus alten lateinischen.
Decreten, über welche alte lateinische Glossen-
schmiede ganze Folianten geschmiert, beurtheilt, —·
wünseht, dass man die alten brauchbaren Kirchen-
satzungen aus den ungeheuren Bullarien, Decreten
und Kanonen-Sammlungen herausziehen, in die deut-
sehe Sprache einkleiden, und den Wu.il weglassen
möchte, damit jedermann vor Augen hätte, was
es mit den alten Zuchtgesetzen sür eine Bewandniss
habe, S. 60 wird Hohenl. Sah VI, 2-9 noch von
der Kirche erklärt: welche allegorische Erklärung
Herr P. ohne Zweifel den Vätern zu verdanken hat,
für deren Exegese er überall in seiner Schrift Prä-
dilection zeigt. S. 92 ganz gute Gedanken über
den mässigen Gebrauch des Bannes, die durch Ge-
schichte belegt werden: und doch soll noch neuer-
dings Ρύ/r VT auf den Bischof zu Piftoja wegen der
dort von der Geilllichkeit gehaltenen Synode seine
Bannstrahlen haben schiessen lassen. — S. 113. äus»
sert Herr P., wie die wahre Dogmatik der ariitoteli-
schen Philosophie und des andern sremden-Plunders
nicht bedürse. Wahr und richtig, obs gleich sehr
spät anerkannt wird. Denn auf dieser Stufe der
Erkenntniss Hand ichon Luther noch vor der Refor-
mation, ehe der Lärm mit Tetzel losbrach. $. 126
werden einige Fehler der Kulgate gerügt. S. 141
ein Ausfall auf Semmler, (Semler") welcher sich bey
Erklärung der Schrift alizusehr dem Schwung sei-·
nerEinbildungskraft überlasse, unduZZc Tr-Vfi-nach sei-
nem PnWyy/c/« dehne: welchem schiefen und über-
eilten Urtheil über dieserr#ürdigen Gottesgelehrten
wir unmöglich beypssichten können. S. 157 wird Olea,
rius geiillicheSeelenkur angeführt: aber die neuern
und belsern protestantischen Schriftsteller der Pallo-
raltheologie lcheint Herr P. nicht gekannt zu haben.
Dass er sich S. 144 gegen Dallaeus Buch de
usu Patrum und hingegen für dessen Gepner Scri*
vener erklärt, zeigt abermals von seiner^Vorliebe
gegen die Väter: wir haltens unbefangen mit der
goldnen Mittelstrasse, & 186 empfiehlt HerrP, den
Kk Theolo-
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