Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente Ϊ4Ϊ
zur
allgemeinen
LITERAT UR-ZEITUNG
vom Jahre 1785·

N ume

GESCHICHTE.
München, bey Strobl: Geschichte von Baiern
sür die sugend und dar Volk. Auf höchsten
Befehl seiner Kurfiirstl. Durchlaucht herausgege-
ben von der baierschen Akademie der Wissen-
schaften. Erft er Band. I/85-,8. 432S. ohneVorr.
Inhalt und mehrere geneal. Tabellen. — (i Rthl.
4 gr·)
An sich schon rühmlich ists, dass ein Regent
feinem Volke die belle Lehrerin der Aufklärung,
die. Geschichte des Vaterlands, in die Hände ge-
ben will; und dass hier gerade die in diesem Fache
rühmlich bekannte Gesellschaft die Ausführung des
wahrhaft fürstlichen Gedankens zu besorgen hat,
muss von der anzuzeigenden Arbeit gute Begriffe
erregen. Die Vorrede, welche aus dem Herzen
geschrieben ist, und nachdrückliche Enpfehlungen
der Geschichtkunde enthält, treibt die Erwartung
noch höher , so , dass man nichts weniger , als
ein seines Gegenstpndes und des grossen Zweckes
vollkommen würdiges — ein solches Werk, der-
gleichen sonst weder unfre Jugend, noch unser
Volk aufzuweisen haben , hier zu finden glaubt.
Allein die Lektüre selbst vereitelt bald die frohen
Wünsche, und nicht seiten wird man unwillig über
den Abstand zwischen Vorrede und Arbeit. Doch
im weitern Fortgänge wird man wieder mit der
Arbeit zufriedener, und geneigter, die begangenen
Fehler mit der ausgemacht grossen Schwierigkeit
einer solchen Arbeit zu entschuldigen. So ist es
wenigstens dem Rec. ergangen. Warum denn aber
für sügend und Volk nur ein Werk? — Der
Plan des Werks ist sehr gut entworfen, aber nicht
so gut ausgeführt. Er ist so gezeichnet, dass Baiern
durch alle Zeiträume hindurch, als ein besonderes
Ganze erscaeint, und nie dem Auge entrückt se_yn
soll; dass aber doch zugleich auch die Regenten-
folge als Pfeiler angesehen werden, auf welche
sich die Nationalgeschichte stützet, das hat in der
Ausführung den Nachtheil bewirkt, dass die Ge-
schicnte der Nation weniger, als in einem solchen
Werke besonders erforderlich war, vorgestellt
worden. Sodenn hat man in der Ausführung
nicht immer Jagend und Volk vor Augen behaL
A. E.Z. 1785· Supplementband,

0 36.

ten. Daher hat man weder den wahren Volkston
getroffen, noch zweifelhafte, bloss gelehrte Mei-
nungen , von ausgemachten, gemeinnützigen Wahr-
heiten abgesondert und diese einzig vorzutragen
sich bessissen. Der Ausdruck ist viel zu schwer
und dabey ungleich, — wie man fast auf jedem
Blatte sehen kann, — indem er bald in poetische
Prosa, bald, wenngleich seltener, in eine niedrige
Sprache ausartet , sehr häufig aber grammatisch
unrichtig ist: Fehler, welche in einem Werke die-
ser Art unverzeihlich sind ! Nichts ist häufiger,·
als ein ganz undeutscher Gebrauch der ganz ver-
gangenen Zeit in den Zeitwörtern, und eine feh-
lerhafte Anordnung der Zeitwörter (consecutio tem-
porum'). Dann kommen sol'che Redensarten : bei/
seiner Abficht fchön seyn, statt guteA'bsicht haben ;
zeigte ihm aus die Gefilde'·, die Aufruhr, das Pro-
viant, abbitten st. verbitten u. a. Provinzialismen,
und ausnehmend viele Druck - und Schreibsehler vor.
In der Sache selbst sind viele Allotria, die nur
das Buch unnöthig vergrö'ssern, besonders in den
frühem Zeiträumen, mitgenommen,/woran aber
wohl der Plan und die Furcht, anderwärts hin
verweisen zu müssen, schuld sind. Verunglückter
Beurtheilungen, und bloss poetisch wahrer Cha-
raktere, an welchen es nicht fehlt, zu geschwei-
gen, so mussten doch solche Stellen, als S. 2$
„Arcadius und Honorius waren äusserst schwache
Köpfe, welche das fo vielfältig launicnte Schickfal im
Scherz zu Regenten schus— und S. 367 von den
Zeichen am Firmament bey bevorstehenden politi-
schen Revolutionen, aus einem Buche für Kinder
und Volk wegbleiben. In Baiern kann so eine Aeus-
serung zu viel Schaden stiftenGute Seiten des Bu-
ches aber sind, dass dieErzählungmeistens in einer
natürlichen Ordnung fortgeht, eine gute Denkart
unverkennbar ist, und eine gewiße Freymürhig-
keit, auch in Rücksicht der Clerisey und des Pap-
stes, sich äussert, wie man sie in wenigen katholi-
schen deutschen Schriften findetz- Solche Stellen,
als S. 296 etc. wo vcm Ursprung und Fort-
gang der Gewalt der Päpste etc. kurz und ver-
ständlich gehandelt wird, stehen am rechten Orte.
Doch eine Probe, ohne dass sie Rec. eben ausge-
sucht hat 1 S. 196 — „Arnulph hatte die Baier (n)
N n „mit
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