Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

Page: 157
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1785/0169
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
157

Supplemente
zur
allgemeinen
LITERATUR - ZEITUNG
vom Jahre 178
Numero 40.

STAATSWISSENSCHAFFE N.
Berlin: Ueber den Religionseid — veranlaiTet
durch des Hrn. Ord. K. G. von Winkler dis-
sert. jurid. de juraänento religionis — Der sämmtli-
chen lutherischen Geistlichkeit zugeeignet. 1/85-
70 S. 8.
Freylich war es jedem ^Aufgeklärten auffallend,
in der angeführten IHinklerischen Schrift noch die
Rechtmässigkeit des Religionseides vertheidigt zu
sehn, und die meisten M en sch en freunde werden mit
dem Verf. die Abstellung dieses widerrechtlichen,
selbst dem wahren Geilte der christlichen Religion
gerade entgegenlaufenden, Gewissenszwanges herz-
lich wünschen, der leidernichc bloss bey theolo-
gischen und andern Öfsentlichen Aemtern, sondern
sogar bey akademischen Promotionen in andern Fa-
cultäten als der theologischen, auf Universitäten,
wo man dies gerade gar nicht vermuthen süllte,
noch statt hat; aber ob sie die Gründe des Vf. fiir
die wichtigften , oder wenigstens ihre Ausführung
für überzeugend genug halten; ob sie die Angriffe
auf alle geofferibarte Religion als nöthig zu dem
Beweise dagegen ansehen und billigen, ob sie die
Härte, mit der der Vf. hierüber Thatsachen, von
denen freylich einige empörend genug lind , ur-
theilt, sür gut, wenigstens für rathsam ansehen
werden, das ist eine andre Frage. Vieles, was
der Vf. sagt, ist unstreitig wahr und gegründet;
aber die Art, wie er es sagt, könnte belser und
einleuchtender, und die Gründe selbst könnten aus
historischen und juristischen Quellen gehäuft und
verstärkt worden seyn. So wenig wir indessen
alles, was in diesem Buche gesagt iit, unterschrei-
ben möchten: so wollen wir doch eine Stelle,
weil sie ein gerechtes Lob eines sehr würdigen.
Mannes enthält^ ausheben, und dies um so mehr,
da akademische Vorlesurigen nicht häufig richtig
gewürdigt werden. „Wie seiten ist einPhilosoph,“
heisst es S. 36., „wie Plattier, dem (nichts daran
»liegt, dem Lehrling _/bzh<? Meinung, sondern nur,
„ihn irgend eine eigene Meinung faßen zu lassen 1 “
V ir können aus .selbstgemaehtenErfahrungen bestäti-
gen, dass dies Lob sehr verdient sey; denn uns ist kein
Lehrer bekannt, desien Vortrag eine grössere
A. L. Z. 1/85. Supplementband.

Kraft hätte, das Selbstdenken zu wecken,als der
Vortrag des Hrn. P. sie hat.
OE KO NO MAE.
Tübingen-, bey Cotta: Anfragen und Ant-
worten in Briesen über Gegenßände der Landwirth-
fchast. Zweyte Lieferung von sjohtmn Friedrich
Mauer, Pfarrer. 1/85· 262 S. und 3 B. Vorrede,
8. (12 gr.)
Der alte brave Oekonom zu Kupferzell giebt
uns hier seine Meinung über verschiedene land-
wirthschaftliche Dinge in seiner bekannten treu-
herzigen, eifrigen, und mehr um Sachen als uni
Sprache besorgten Manier zu lesen. Es betrifft
zwar meist nur alltägliche Fälle, über die man
auch zum Theil bisher gar viel zu lesen gehabt hat,
aber dennoch wird man den verdienten erfahrnen
Lehrer noch immer gern anhören, und sein Zeug-
nis ist wenigstens eine sehr bewährte Bestätigung
denen, was man etwa sonst woher schon weiss. In
der Vorrede werden einige Hohenlohische Landes-
verordnungen , die Aufhebung der Tristgerech-
tigkeiten betreffen, mitgetheilt. Wir wiinschten
wohl zu wißen, ob man dabey nicht auf Privatei-
genthum Rücksicht zu nehmen hatte, ob man dies
mit den hoderungen des gemeinen Besten zu ver-
einigen gewusst, oder, welches uns doch leid wä-
re, es bloss nicht geachtet hat. Der Briefwechsel
Nro. I. mit Hm. von Riefe zu Frankfurt am Main,
giebt diesem Rathschläge, sein neuerkauftes Gut in
der Wetterau einzurichten. Nro. 2. an Hm. von
GÖrne in der Altmark. Besonders von den Mitteln,
einem durch schlechte Wirthschaft in Verfall ge-
kommenen Gute wieder zu helfen; viel nützli-
ches und unterrichtendes von dem Mergel. Dass
zu einer vortheilhaften Betreibung der Landwirth-
schaft niemand tauge als der Bauer, bedarf doch
einer kleinen Einschränkung, die man inzwischen
leicht hinzudenken kann. Nro. 3. an Hrn. Μ. Bin-
der. Mittel zu Vertilgung der Ameisen und Inse-
Ren. Dabey werden einige sympathetische Heil-
mittel erwähnt, besonders eins, wofür der Hr. Vf.
aus eigner Ersahrung die Gewähr leistet, dessen.
Entlarvung wir daher um desto mehr wünschen.
Der Verf. protestirt dabey wider, allen Verdacht des
R r Aber-
loading ...