Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente
zur

Numero 49.

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GOTTESGELAHRTHEIT.
i -itera, bey Beckmann: Materialien sür Got-
tesgelahrtheit und Religion. Erften Bandes 3te
und 4te Sammlung. Jede 12 ßog. (jede 9 gr.)
An Gehalt den ersten Sammlungen gleich.
Theologie, und Religion werden keine grosse
Ausbeute aus ihnen machen können, ob wir wohl
glauben, dass die sanfteArt, manche Vorstellungen
zu bestreiten oder zu berichtigen, für eine gewis-
se ClaiTe von Lesern ihr Gutes haben und die Bil-
ligkeit, womit die in ihren Meinungen sonst nicht
zu dreisten Verfasser freyere Behauptungen be-
urtheilen, auch andre billig machen kan. DieAuf-
sätze find (ich übrigens nicht gleich. Der erde
handelt von dem zeitlichen Seegen als Motis zur Gott-
seligkeit betrachtet. Er wird in der vierten Samm-
lung fortgesetzt. — Sehr viel wahres und gedach-
tes. Nur scheint.es doch dem Verfasser schwer zu
werden, sich von gewißen hergebrachten Vorstel-
lungen loszuwinden, um die Frage ganz tressend
beantworten zu können. Was über Gebetser&örung
bey dieser Gelegenheit gesagt wird, hat uns am
wenigsten befriedigt. Sonst ist der Zusammenhang
der Gottsel-igkeit mit ' dem äusseren Wohlstande
recht gut gezeigt worden. —■ Der zweyte Auflatz
über Luc. XXI ,25-36 „von der Wiederkunst des
„Herrn zu seinem Reich“ soll beweifen, dass nicht
von der Zerstörung Jerusalems die Rede sey. Der
dritte Aussatz ist medicinisch theologisch über die
Auszehrung einzelner Theile (des menschl. Cörpers)
zur Erklärung einiger Schrist ft eilen nebft einigen Aus-
sichten die Art zu erklären, wie die Heilung diefer
Krankheit bewirkt wurde. Wir haben bisher noch
nie gesunden, dass solche Versuche, Dinge zu er-
klären , zu denen uns die Data so sehr fehlen, von
grossem Nutzen gewesen wären. — Das vierte
Stück enthält ausser der Fortsetzung der ersten Ab-
handlung vom zeitlichen Segen, einige Charaktere
von biblifchen Perfonen, welche in der Niemeyerifchen
Characteristik nicht enthalten find, von H.~R. Mül-
ler in Schlaitz. Der Verf. gab schon ehedem Nach-
träge zu jenem Werke heraus. Hier redet er von
den Soldaten unter dem Creuz Chrifti, von dem rö-
wsischen Hauptmann, und von Simon von Cyrene.
A. L. Z. 1/85. Supplementband.^

Vermuthlich überging Hr. Niemeyer diese, weil
nichts von ihnen zu sagen war. Der Verf. hat
aber doch fast einen Bogen darüber zu sprechenge-
wusst· — Noch folgen Betsav^tzingeu über die Ge-
fchichten der TodtenerweckungenimA. und N. Teftci-
ment vonff. Hr. Ackermann, auch halb physiologisch.
Zuletzt etwas über H. Husnagels Unterricht nach
den zehn Geboten.
MATHEMATIK.
Münster und Osnabrück, bey Perrenon:
Christian Ludolph Reinhold I). JIT H. etc. Archite-
ctura sorenfis, oder die aufs Recht angewandte Bau-
kunft\ zweiter Theil, welcher das Staats-Lehn-und
Bauwesen, ferner das Rechtliche, Politische, Ca-
meralistische und Oekonomische in sich enthält, mit
9 K. 1785· 803 S. 8. (1 Rthlr. 16 gr.)
Auch in diesem Theil ist sich der schreibselige
Verf. vollkommen gleich geblieben. Wer hier die
rechtlichen Erörterungen der beym Bauwesen vor-
kommenden Fragen und Streitigkeiten in einer
systematischen Ordnung aus den mathematischen
und physischen Grundsätzen der Baukunst erwar-
tet, der wird sich nicht wenig getäuscht sehen,
wenn er statt d ossen einen ungeheuren Schwall von
Geschichte, Antiquitäten, Gesetzen, Auslegun-
gen derselben mit den Zwistigkeiten der Ausleger
untereinander selbst, einzelne Privatrechte dieser
und jener Städte und dergl., in so fern sie nur ei-
nigermaassen Beziehung auf Bauwesen haben, —-
mit vielerWeitschweifigkeit übereinandergehäuft fin-
det. Dass hier nicht viel gutes und bey Baustrei-
tigkeiten mit grossem Nutzen zu gebrauchendes
untergesteckt sey, wird freylich jeder Leser bald
auch entdecken und Rec. ist weit entsernt, dieses
zu leugnen oder Herrn Reinhold sein Verdienst um
diesen Zweig der Rechtsgelehrsamkeit abzuspre-
chen. Aber doch so alles ohne Wahl und Ord-
nung untereinander zu mengen; keinen Nebenein-
fall r sey er auch gleich nur ip.ashaft, zu unterdrü-
cken; alles, was einem vor die Augen kommt,
gleich in Extenso mit abdrucken zu lassen u. s. w.
dies ist doch, wenigstens in unsern Zeiten, ganz
unverzeihlich. Wer würde z. B. in demKapitel von
C c c öffent-
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