Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente
zur
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GOTTESGELAHRTHEIT.
gC astadt , in der Dornerschen Buchdruckerey,
Principia catholica Introductionis in univer-
sam Theologia.m chrißianam, methodo demonßrati-
ra Academicis pydeleißionibiis accommodata a fjo, A-
damo Brandmeyer. Insignis ecclesiae collegiatae
jyiarchio - Badensis ad B. V. Μ. in coelos assum-
ptam et SS. App. Petrum et Paulum Canonico,
Custode, eiusdemque Civitatis Parocho, Athenaei
Principalis Directore et theologiae Prof. P. 1785.
in 8. 482 S. (1 Rthlr. 12 gr.)
In zweyen Theilen handelt der Hr. VerfaiTer
von der geoffenbarten Religion und Kirche; von
den Quellen und Hilfsmitteln der christlichen The-
ologie; von der eigentlichen Beschaffenheit und
den Theilen derselben, und von der bellen Art,
sie zu lehren und zu lernen. Das belle im ganzen
Buch ist die Abhandlung vom römischen Papst und
von den Rechten der Bischöfe und Kirchenver-
sammlungen. Der VersaiTer'folgt den Grundsätzen
der französischen Schriftsteller, — und beruft lieh
auch oft ausdriicldich auf Natalis Alexander, Pe-
trus de Marca, Boßuet und Dupin. DesFebronius
finden wir nirgends gedacht, wovon lieh die Ur-
sachen leicht errathen laßen. So unangenehm
jibrigens dergleichen Aeusserungen dem römischen
Hose leyn mussen, Io wurde man doch sehr irren,
wenn man glauben wollte, dass sie auf die Ver-
besserung der katholilchen Kirchenlehre einen
merklichen Einssuss haben könnten. Wenn auch
dem Papst die Infallibilität abgesprochen wird, so
bleiben doch nach römischkatholischen Grundsä-
tzen die allgemeinen Kirchenversammlungen, die
die allgemeine Kirche vorstellen, stets infallibel.
Was auf solchen Versammlungen einmahl entsehie-
den und feilgesetzt worden ist, vornemlich in
Ansehung der .Dogmen, das ist und bleibt unverän-
derlich wahr ; das mussen alle Christen annehmen,
wenn sie Glieder der h. katholischen Kirche seyn
wollen, ausser welcher keine Seeligkeit zu hossen
ist. Herr Brandmeyer ist treuherzig genug mit Ca-
tnus und den FF. Wa.llemburgicis (S. 123 f.) zu
glauben, dass die Protestanten in Anfehung der
Lehre von der Schrift und Tradition leicht mit
£en Katholischen vereinigt werden könnten. Wenn
, , Λ· L. Z. 1785. Supplementband.

das ’freylich bewerkstelligt würde, so wäre das
grosse Werk der Vereinigung beider Kirchen auf
einmal vollendet. Wir Protestanten glaubten, was
die Kirche glaubt; und so wäre Ein Hirt und Ei-
ne Heerde. Wir wollen sehen 1 Es ist bekannt:,
dass die Römischkatholischen Lehrer hauptsächlich
dogmatische Tradition, und Disciplinar-Tradition
unterscheiden. Letztere ist nach Beschaffenheit
der Zeiten und Umstände mancherley Veränderun-
gen unterworfen. Aber die dogmatische Tradition
ist unveränderlich, und kann niemahls einer Ver-
fälschung oder Veränderung unterworfen seyn.
Es ist artig, wie dies Hr. Br. beweist, und der
Beweis ist zu merkwürdig, als dass wir ihn über-
gehenkönnten: „ Traditio dogmatica (heikt es §. 146)
nulli unquam corruptioni, aut mutationipoteft effeob-
noxia. Etenim Apostolorum successores sunt de-
positarii simul ac custodes traditionis dogmaticae ;
his autem specialiter adest et invigilat divina pro-
videntia, ne in ejusmodi negotiis aut ipsi decipi,
aut alios decipere possint. Porro traditio dogmati-
ca non uni Ecclesiae particulari, sed universae
per totum late orbem dissusae per multos testes
commendata est, et satis diu inculcata; impoßibile
vero eß, eam in ore omnium et ubique. quaß ßmul
ac femel, satfa mutilatione corrumpi“ Ein herr-
licher Beweis.1 Das Gegentheil kann zwar a poste-
riori, aus der Geschichte aller christlichen Jahrhun-
derte augenscheinlich dargethan werden; aber das
thut nichts zur Sache. Herr Br. hat ja a priori,
und noch oben -drein methodo demonstrativa, be-
wiesen, dass nie eine Veränderung oder Versäl-
schung der dogmatischen Tradition vorgehen
kann. Impoßibile eß etc. Und nun folgt (§. 147)
ebenfalls methodo demonßratira, ganz, natürlich ;
„Traditiones dogmaticae aequalem habent cum feri-
ptura f. authoritatem. Proffuunt enim ex eodem
fönte, nimirum ipsius Christi ore ab Apostolis ac-
ceptae, aut ab ipsis Apostolis, Spiritu S. dictan-
te, quasi per manus traditae (per deßn.") atque ab
Ecclesia una cum seriptura semper custoditae. (§.
praec.s* Was die Disciplinar-Traditionen betriff,
so gestehetzwar derVerf., dass sie nach den Zeit-
umständen ganz verändert, oder auch abgeschaft
werden können; aber mit der ClausuI; ipßs ta-
rnen 11 su vigentibur femper reverentia. ac obedientia
L H debetur.
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