Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

Page: 229
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1785/0245
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
22p

E N

N

I

E


I

•T

T τ
Ä2 1

ΊΓ
©
X

X-4

PHILOSOPHIE.
LEirziG, bey Dyck: Versttch über dieKenntnifs
des Menschen. Erster Theil. 1784· 269 S. 2’lh.
1/85· 33ό S. 8-
Dies Werk süllte, nach der Einleitung, das ganze
System der KenntnilTe des Verf., Hn. IPezel, der lieh
am Ende des zweyten Bandes nennt, werden;
die Lehre von dem Menschen nahm aber den Raum
ein, der das ganze Gebäude enthalten sollte. Der
erste Band untersucht den Mechanismus des Men-
schen, insofern er auf die Seelenwirkungen Ein-
ssuts hat. Der 2te betrifft die Empfindungen. —
Der Verf. verspricht einen dritten, über die Ideen;
einen vierten, über Wollen und Thun , und über das
ganze menschliche Triebwerk, nebstBetrachtungen
über gewisse anomalische Zustände, Träume, .Narr-
heit, Schwärmerey, u. a. m. Der $te wird mit
problematilchen Untersuchungen über solche Ge-
genstände aus der menschlichen Natur, die wir
nicht wißen können, und mit der Geschichte der
Hypothesen, die man über diesen Theil der Philo-
sophie ersonnen hat, beschliessen, Der Verf. fängt
seine Anthropologie mit einer allgemeinen Ueber-
sicht der Ingredienzen des menschlichen Körper-
baues an, kommt nachher auf die Wirkungen des
ganzen Menschen, unterscheidet vier Arten dersel-
ben: 1) den mechanischen, die er auch automati-
fche nennt; 2) die sinnlichen Empfindungen ; 3) die
Vorstellungen und 4) die Wirkungen des Wüllens.
Die Ursachen aller dieser Wirkungen findet er
erstlich in den äusserlichen Dingen; sagt dabey
viel Lesenswiirdiges von Klima, Luft, Nahrung,
Beschästigung, Lebensart; und meint, dass es, ver-
möge des Einflußes aller dieser Dinge auf den
Charakter und das Betragen des Menschen, lehr
Vortheilhaft wäre, wenn man darauf bey der Er-
ziehung sorgfältiger und mit mehr Kenntniss Rück-
licht nähme; spricht uns aber die Hofnung ab»
je darin einige Vollkommenheit zu erreichen. Die
zweyte Ursach der Wirkungen menschlicher Kräste
ist; das Spiel, oder wie es der Vf. auch nennt,
das zusällige Spiel des Mechanismus» Diess, als ein
neuer und dem Vf. eigner Gedanke, (wenn Rec.
/i. L. Z. 17 85. Supplementband.

nicht sehr irrt,) verdient hier ins Licht gesetzt zu
werden. ,,Ich nenne es so,“ sagt der Vf. S. 104,
I05, „weil es dem Spiel der Feder und der Räder
„in einer Uhr gleich ist, wo durch Reiben, Drü-
„cken, durch das Erschlaffen und Spannen der Fe-
„der Langsamkeit ©der Schnelligkeit in der Bewe-
gung entlieht. Vorzüglich meine ich damit solche
„Veränderungen in den Säften und Lebensgeistern,
„die nicht unnrttelbar von äufserlichen Ursachere
„entliehen, und die daraus erfolgenden Wirkungen,
„in den Nerven: zweytens, die unwillkürlichen
„Bewegungen der Seelenorganen, die durch ih-
„ren eignen Mechanismus \ orstellungen erregen„
„wenn weder unser Wille noch äusserliche Ursachen
„es thun “ S. 164. ff. bemerkt der Vf., wie die
mechanischen Bewegungen auf das geistige Leben
wirken. Das Athemholen macht Eindruck auf das
Gehirn. Die Säfte, sagt er, sind Reize, welche
die seilen Theile in Bewegung setzen. Es lässt sich
denken, dass sie, vornehmlich in einem ausseror-
deutlichen Zustände, Eindrücke auf die Nerven ma-
chen. Diese erzeugen Empfindungen, rufen Bil-
der hervor. Diele Hypothele hat Rec. immer die
belle geschienen, um die Träume zu erklären, da
vornehmlich jede Unordnung in dem Blute und Ma-
gen Träume hervorzubringen pssegt. Zur Bestäti-
gung seiner Hypothele führt der Verf. seine Beob-
achtungen während einer Krankheit an, ('S. 177 ff.)
Er. hatte sehr lebhafte und immer übertriebene Vor-
stellungen, die bald» ernsthaft, bald komiseh waren 5
er wunderte sich manche Ideen zu haben, die er
nicht zu haben glaubte. Der Gang der Vorstellun-
gen war unwillkührlich, „In dielem ganzen Zu-
„stande, fagt er, laßen sich genau zweyDingeun-
„terscheiden, —· etwas, das durch die stärkere Be-
legung der Nerven gleichfalls in stärkere Bewe-
gung gerieth, und daher geschwinder und häufi-
„ger solche Wirkungen hervorbrachte, wie in uns
„geschehen müßen, wenn wir Ideen haben sollen;
„dellen Bewegungen mit den Graden der Hitze zu-
„nahm,“ — (Man weiss ja, dafe die Becher, und
auch die Leidenschaften den Menschen beredt ma-
chen. ) — „und bey ihrem höchllen Grade mit
„der allgemeinen Mattigkeit des ganzen Körpers
M m m „mat-
loading ...