Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

Page: 231
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1785/0247
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ZUR A,
keine Bewegung; kann also keine geben. — §.241.
Das Blut in der Mutter communicirt mit dem Blute
in dem Embryo, theilt also letzterem die Bewegun-
gen der Mutter mit; die Eindrücke in dem Gehirn
■ der Mutter erzeugen in dem Embryo Dispositionen
ZU gewiffen Vorilellungen und Empfindungen. Nur
wird diefe Communication noch bezweifelt. Diese
Materie ist noch immer fehr unvollkommen bear-
beitet. — S. 258, Man kann in dem Temperamente
und der Organisation eines jeden Menlchen drey
Theile unterscheiden. Einige Beschassenheiten ent«
springen aus dem Clima, und sind ihm daher mis
seinen Landesleuten gemein« Andre hat er der Fa-
milie zu verdanken. Drittens hat jeder etwas per-
sönliches. ·—■ Ziveyter Band. — Von den Empfin-
dungen. Vorerst setzt der Verf, den Unterschied
zwilchen automatischen Wirkungen, Empfindungen
und Ideen feil. Erileres ist der Eindruck der Ge-
genstände auf die Organen , und die Bewegung der
letzteren; wir haben davon kein Bewuilseyn, Be-
hagen oder Misbehagen sind Empfindungen. Die-
le unterscheiden sich von den Ideen, unter andern
dadurch, dass wir letztere in Abwesenheit des Ge-
genilandes haben können ; Empfindungen aber
nicht; (wenigstens haben wir davon nur sehr dun-
kle, oder blosse symbolische Vorstellungen.) Die
automatifchen Wirkungen geschehen nach phyfi-
schen Gesetzen; die Empfindungen nach ganz an-
dern Gesetzen. Nach diefen vorläufigen Erklärun-
gen kommt der Vs. 1) auf die äulseren Empfindun-
gen — Senfatumen, körperliche Gesühle, Hunger,
Schwäche, Gesundheit etc. Er nennt sie äussere
Empfindungen, weil die Eindrücke und Organen
ausser dem Gehirne find. 2) auf innere Empfindun-
gen— Asfeffe, Leidenschasten, die er aber nicht al-
le abhandelt, weil er die Bände nicht allzu ungleich
machen, und also die übrigen Gefühle in einem fol-
genden Bande abhandeln will. Ein weiteres Detail
des Plans wäre hier überfltissig, Bee. will also nur
einige zerstreute vorzügliche Züge ausheben. Der
Verf. bemerkt, dafs man die Eindrücke des Geruchs,
Gefühls und Gefchmacks nicht im Gedächtnis behält,
und sich nie anders wieder vorstellen kann, als durch
die Wiederholung ähnlicher Eindrücke in die Orga-
nen. (S. 78·) „Obgleich manche TfiFere den Men-
Öschen an der Schärfe Einer Sinnes übertreffen, viel-
leicht auch manche an der Schärfe aller; so kann
„doch keines mit seinen fchärfsten Sinnen so viel
„umfaßen, als er. Die Thiere haben den Vorzug
„der Intension, die Mensdhen eine grössere Exten-
„fioiu Der Gelchmack der Thiere, z. B. die von
».Vegetabilien leben,, ist nicht vollkommener, son-
„dern eingefchränkter als der unsre« “ etc. Die
Leerheit des Magens und der Hunger macht die Vor-
stellungen lebhaster. Daher falten Zauberer, Pro-
pheten , Geisterseher. S. 99, zeigt er , wie lehr
der physifche Zustand des Körpers auf die Moralität
wirkt. ,,Geschehen alle Verrichtungen in dem Kör-
per mit Stärke > so fühlen wir in unsern Nerven ei»

L. Z. ιγξξ, 23i
„nen Trieb zur Thätigkeit. Der fcnabe balgt fich^
,,der Mann arbeitet oder geht fpazieren. Ist in je-
„nen Verrichtungen Ungestiim, Härte, fo ist der
•„Mensch zu grossen Unternehmungen entschlossen,
„erhebt sich mit Stolz. Diese Gefühle regen fich be/
„jedem Mensehen an dem Theile vorzüglich , wo-
„mit er am meisten geschäftig ist, und wohin fich
„also deF Fluss der Säfte am meiften gelenkt hat.‘e
(S. i22j Der Verf, erklärt das Entliehen einer in-
nern Empfindung folgendermassen , gibt aber die
Idee für einen blossen Einfall aus, Ich will sie in
den Worten des Verf. hierher fetzens „Die An-
schwellung des Zeugungsgliedes schreibt Haller
„der Anhäufung des Blutes zu; und die Empfin-
dung der Wärme dabey rührt offenbar von den
zulammengedrängten warmen Bluttheilen her,
,,die sich in dem kleinen Geäder unter der Ober-
„haut sammeln, und auf die zahllofen Nerven wir-
„ken, die an diesem Orte liegen« Der ganze Mecha-
„nismus des venerischen Reitzes » wenn er aus ei-
gner Vorstellung erfolgt, könnte also dieser feyn:
„Der Anblick eines Gegenstandes, der ihn erweckt*
„bringt durch das Auge eine Vorstellung im Ge-
„hirn hervor. Diese Vorstellung wirkt auf die En-
den einiger oder aller Nerven, die nach dem Her«
„zen gehn, und sein Schlag Beschleunigt sich. Es
„sprützt folglich mehr Blut, als gewöhnlich, in die
„Schlagadern des Gliedes, wovon wir reden. Da
„die zurückführenden Aederchen zum Theil sehr
„dünne Röhren haben, und deswegen mehr Blut
„aus dem .Herzen durch die weiten Pulsadern zu-
„strömt, als durch die engen und sehr verfchlun-
„genen zurückführenden Kanälchen abfliessen kann ;
„so rnuss es sich gewaltig anhäufen, in den Ner-
„ven eine Bewegung erregen, nach dem Gehirn hin«
„auf, die wir Empfindung der Hitze nennen. Did
„Nervenverändrung, die auf die reitzende Vorstelh
„lung nach dem Herzen hingeht, empfinden wir nichts
„sondern nur jene Wärme« Wrie ? wenn dies bey
„allen innern Empfindungen der Fall wäre.·—- Die-*
„ses angenommen, so ist jeder Afiect nichts als
„der Stoss einer Idee aut etliche oder alleNervenen^
„den im Gehirne“ —· (Ree. ist fchon lang auf die
Idee versallen, dass die Empfindungs - und Vor--
stellungsnerven mit den Nerven in Verbindung lie-
hen, welche die Organe reitzen, und die Bewe-
gungen hervorbringen, die mit jenen Vorstellun-
gen und Empfindungen harmoniren* so dafs die
Vorstellung und die Empfindung selbll, ohne Wil-
len und Bewullseyn, die analogische Ί hätigkeit er-
wecken.) — „Aus dieser Theorie läfst sich das
„Phänomen erklären , dass fette Leute feiten in
„Harken Asiect gerathem Das dicke Fett lässt die
„Bluthitze fehr langfam auf die Nerven wirken *
„sie werden also gewöhnlich bey einem Zanke roth
„und fangen an zu fchwitzen.- Solche arme Gefchö-"
„pfe, die das Fett zu Philosophen macht, mochten
„ost gern böse werden; aber es geht nicht; sie müfs«
„ten fich denn vorher mager schwWB*“ <— (Die-
M m m > fe
loading ...