Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente

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5.

Numero 65.

PHILOSOPHIE.
IV | ’(KCKEN ’ bey Strobl: Vernunstlehre sür Men-
·*" fchen, wie etc.
Beschluss des in Nro. 61 abgebrochenen Artikels.
C. Wie die Erkenntniß.quellen Ueberzeugung bewir-
ken. Hier ist der V’erf. etwas mysteriös. Kein Wort
vom Wie der Ueberzeugung. Er fodert Grund-
sätze von der Klarheit und Gewissheit, wie der
Satz: Zweymal zwey iß vier·, und giebt ein Ver-
zeichniss solcher Sätze ; z. B. „Wenn das Saamen-
korn nicht in der Erde stirbt , kanns nicht zur
Aerndte aufleben.“ — (Ob dieser Grundsatz die
verlangte Richtigkeit habe, wird derLeser urthei-
len.) -— „ Was die Allwahrheit offenbaret , ist
wahr.“ — (was aus diesem Satze zu lernen ist,
iieht Rec. nicht. Denn man muss erst beweisen,
daß und war die Allwahrheit offenbaret. Das ist
die Erage. Wenn dieses ausgemacht ist, folgt das
Uebrige von selbst, ohne allen Aufwand von Be-
weisen.) ·— „Tag ist Tag, wenn gleich der Blin-
de behauptet , es sey Nacht. “ — Eine schöne
Sentenz; die aber Jeder sür lieh brauchen und mis-
brauchen kann. — Von der Weisheit; gehört ei-
gentlich in die Moral. In dieser Abhandlung dringt
der Verf. wieder sehr auf Glauben. Die Weisheit,
sagt er, beruht nur auf Thatsachen , welche nur
durch Erfahrung und Glauben erkannt werden kön-
nen. Gut — es ist nichts in der Vorstellung, das
nicht vorher in den Sinnen gewesen. — Was hat
aber dieser Glaube mit dem kirchlichen gemein ?—
Der Verf. verbindet nur das Wort : Glauben ; mit
Worte: Weisheit·, in einem Sinn, der Geh verthei-
digen lässt. Daraus folgt: Unglaube iß Thorheit.
Denn wird der Glaube ausReligion und Kirchthum
angewandt, der Ungeübte Geht so genau darauf
nicht, und hälts für Weisheit za glauben, — was
man ihm sagt, dass er glauben muss. — Viertes
Hauptßück. Gebrauch der Erkenntniisquellen. —
a. In Erfindung. „Für den Erfinder giebt es keine
Logik, “ sagt der Verf. (Wir dächten doch, um
.seine Erfindungen zu prüfen ; denn um zu fin-
den giebt es keine. Asmus sagt sehr treffend.
„So gehts mit unsern Ersindungen; wir finden sie
J. L. Z. 178)· Supplement band.

nicht; Ge finden uns.“)— Wie kommt aber hier
die Logik für den Anekdotenhäscher ? Hier giebt
D. S. den Journalen und der Publicität einen Hieb
im Vorbeygehen. Freylich, es ist zuweilen darum
ein mislich Ding. —- Logik für den Demonflra.-
tionsfüchtigen.—- (Die leidige Demonstrationssucht!
Glaube ist bequemer — für Lehrer und Lernen-
de. ) — für den Hqpothefenfreund , den Abfichten-
richter— μη χξίνετε etc. — den Resormator, den
Metapherfreund. Man wundert Geh , diese ganze
Abhandlung unter der Rubrik; —■ Für Erfinder·,
zu finden. — b. In Prüsung. — Logik sür den
Hörer. — „Wer dem Worte Gottes nicht mütreuer
Herzenseinsalt zuhört, (—doch wohl nicht ohne
Prüfung, ob es wirklich Gotteswort ist, und was
es bedeute? ) — auf den fällt das Gericht der
Wahrheit, daß er mit hörenden Ohren nimmer höre.“
— für den Lefer — „Es giebt Fälle, wo der Glau-
be an die Reichhaltigkeit des Inhalts eines Buches,
Wahrheit, Weisheit und so gar Pflicht ist. “ — (Wel-
che sind denn diese Fälle und diese Bücher?) —■
Logik für den Ausleger,— sür den Prüfer, — für
den angehenden Selbßdenker. Der Vers. scheint
den Denker zuweilen mit dem Lernenden , mit
dem Nichtdenker zu verwechseln.— für den. Zweis-
ler. — „Die Versuchungen zum Unglauben entlie-
hen, heisst es, erstlich (und also auch wohLhaupt-
sächlich) aus dem fortsehreitenden Gange eigner
Ausklärung. “ Lieber Hr. D., was ist das sür eip.
Glauben, der die Aufklärung, die eigne Ausklä-
rung, scheuen muss? Meinen Sie etwas anders,
als wahre Aufklärung, so sagen Sie es und-spre-
chen bestimmt. Und da Ge in diesem Stück alles
aus religiösen Glauben und Unglauben anwenden,
möchte man Sie sragen, ob Sie denn so sehr vor
der Religion fürchten, ob Sie Ge denn so schwach
gegründet finden? — Entweder steht sie sest;
dann scheut sie keine Untersuchung; oder sie steht
nicht fest; dann ist sie nicht gewisse Wahrheit. Al-
so wollen wir immer prüsen und aufk-lären, um
an die Religion — recht fft zu glauben , so sern sie
wahr ist; oder sie zu verwerfen, sofern sie Irrthum
ist; denn, was sollen wir mit Irrthum? Der Le-
ser wird in dem Artikel von Resormatoren, und
von den Vorurtheilen derKinderstuben finden, dass
T 11 der
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