Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente
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ALLGEMEINEN
L I T E R A T U R - ZEIT U ’N G
vom Jahre 178 5·
Nurnero 67*

GOTTESGELAHRTHEIT.
hjerlin : Natürliche Religion nach Ursprung,
Befchassenheit und Schickfalen- 1/84· 238 S.
Weder Gutes noch Böses möchte dieSes Buch
stiften: nicht Gutes, zur Beförderung des Werths
und der Achtung der natürlichen Religion; denn die
Untersuchungen sind so oberssächlich, die Urthei-
le so gemein, und die neuen HypotheSen so aben-
theuerlich, dass wir dem nach forschenden Leser
keine Befriedigung versprechen können; und nicht
Böses , wider die geoffenbarte Religion , so viel
auch zu ihrer Herabwürdigung vorgebracht ist, denn
es ist Schon so oft gesagt,was hier wiederholt wird,
und, wenn man prüsen wollte > so würde man den
scheinbarsten Theil der Einwendungen des Verfas-
sers wider die christliche Osfenbarung durch die
einzige GegenbeschuldigungSchwächen, dass er die
Bibel Selbst nicht gelesen hat, ihr Behauptungen
unterschiebt, die lieh nur bey den theologischen
Auslegern finden , und System der Religion von
System der Theologie nicht unterscheidet. Er
macht vier Abteilungen. Die erße hat die Ueber-
schrist: Der erße Menfch, und zum Inhalt ein gan-
zes SchauSpiel von HypotheSen über die Entstehung
der Dinge und der MenSchen, Die Verschieden-
heit der organisirten und unorganisirten Körper
setzt (S. 23) eine Verschiedenheit der Saamen
voraus, nach welcher Sie von dem alles bewegen-
den Weltgeiß, oder Gott, mehr oder weniger in
sich fassen, oder bald mehr, bald weniger davon
aufzunehmen empfänglich sind. —- Unter allen
war der ursprüngliche Saame der Menschheit der
edelste Saame: in ihm erhebt sich der Geist Gottes
zu der der irrdiSchen Materie möglichen höchsten
Vollkommenheit. UrSprünglich waren zwey Kei-
me, ein männlicher und ein weiblicher, geschaffen.
Denn die moSaiSche (Sinnliche) Erzählung, dass
Gott eine menschliche Figur aus Thon zusammen-
gesetzt , und ihr nach vollendeter Bildung Leben
und Odem eingeblasen, ist eines allmächtigen Gei-
stes unwürdig, als der in die Keime Schon die An-
lage zu einer bestimmten Geilalt und Form, und
Kraft zur allmählichen Entwickelung legte, Die
A. L. Z, 1785. Supplementband,

Zwey erden Menschen waren also, wie wir, Em-
bryonen, Säuglinge u. s. w. „Ich behaupte, (S.
30 ) dass es hochßwahrfcheinlich, und mehr als- Hy·
pothefe sey , dass der erile embryonifche Mensch,
durch den Weg der Nabelfchnur , seine Nahrung
und die Mittel zu seiner Fortpssanzung und Wachs-
thum aus der mütterlichen Erde erhalten.“ Kurz,
der Mensch wuchs wie ein Schwamm aus der Erde,
aber vermutlich dauerte dieser Pssanzenähnliche
Zustand des erden Menschen nicht lange; das Band,
das ihn an den Boden gefesselt hielt, vertrocknete
und er gieng in den thierischen Zustand über, in
welchem er die Sorgfalt der gütigen jungfräulichen
Natur, die ihn geboren hat, fand, da sie ihm
unsehlbar auch einen reichen Vorrath an wohlthä-
tigen Kräutern und Früchten, die das zarte Kind
leicht aussaugen und zermalmen konnte, zuführ-
te. (Der Weg wäre ja noch natürlicher, einen Bä-
ren erscheinen zu lassen, an welchem die erden aus
Pssanzen zu Thieren metamorphosirten Menschen
Saugten. — Und von Solchen Träumen zu Sagen,
dass sie mehr als Hypothese seyn!) — II.) Offen-
barung. Bloss die gewöhnlichen Einwendungen ge-
gen die Nothwendigkeit der Offenbarung, weil die
Lehren derselben Schon in der Natur gefunden wer-
den ; und gegen ihre Wahrscheinlichkeit, weil
sich die Art der innern Mittheilung von Wahr-
heiten nicht begreifen oder beschreiben lassen. Son-
derbar theilt er die äußere Offenbarung Gottes in
drey Arten; Engel, aber Erscheinungen der Engel
sind nicht gedenkbar, (wäre der Verf. mit Erklä-
rungen neuerer Theologen bekannter, als mit dem
alten dogmatischen System, So würde er hier sich
leichter haben erklären können); Die Menfch-
werdung Gottes in Chrißo : wobey die Philosophie
des Verf. sich jämmerlich geberdet, um zu bewei-
sen, was doch jetzt nicht leicht jemand mehr läug-
nen wird , dass- das WeSen der Gottheit nicht in
dem Körper Christi gewohnt habe ; und die Schö-
psung der Welt, aus welcher Gottes DaSeyn und
Eigenschaften fehr leicht erkannt werden können.
III.) Urfprüngliche Religion und Urfprung desDeis-
mus. Nicht Geschichte, Sondern HypotheSen nach
Hume, daSs Polytheismus früher als Monotheismus
gewesen. Man "habe die ßopne vergöttert; den
Xxx ° Mond
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