Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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„ ZUR A.
sehr gemeinnützigen Dinge , namentlich auch für
die deutsche Sprachlehre, bekämen! Es giebt
immer zehn gegen einen , die lieber ihren Donat
oder Rhenius durcharbeiten , als die Lehre ihrer
IVIuttersprache; ja diese verachten sie nicht seiten,
als unfruchtbares und seichtes Wesen, das einem
Gelehrten nicht ansteht! — Billig hätte der Verf.
doch seine Quellen, z. B. Adelung, Heinaz, Mo-
riz, Bolte (berlin. Briefftell.) nennen sollen, wenn
er sie gleich nicht überall abgeschrieben hat!
No. 3. Die Fortsetzung eines vortressichen
und gemeinnützigen Werkchens , das billig ein
Handbuch vieler Katecheten, sie seyn Prediger, oder
Schullehrer seyn seilte. Mit innigem Vergnügen
hat Rec. gelesen, wie vernünftig und freymüthig
der Verf.- seinen Gegenstand behandelt, überall
gesunde Begriffe von den biblischen Lehren und
Stellen zu geben bemüht ist, den ächten Socrati-
schen Ton meistens gut antrifft, und~~einen eben
so deutlichen, ordentlichen und bündigen Gang im
Denken geht, als sich fasslich, anziehend und edel
ausdrückt. Man lese nur z. B. seine kathechet.
Bearbeitung der fechßen Bitte , und sehe wie
fruchtbar er die schwierigen Materien von der Ver-
suchung , vom Teusel , vom Sündenfall u. s. w.
behandelt ! 0 möchte Gott doch der christlichen
Kirche bald viele Katecheten von dem Geist ver-
leihen ! Möchte dies lehrreiche Buch recht viele
Leser und Nachahmer finden ! — Diese beyden
Theile endigen die Hauptstücke des lutherischen Ka-
techismus j indessen wird der Verf., von mehrern
Seiten aufgefodert, noch einen Anhang über die
Haustasel und einige biblische Stellen hinzuzufü-
gen. Die lesenswürdige Vorrede des sechsten Bänd-
chens legt dem Religionslehrer insonderheit über
den Gründsatz: Man muß zum Beweife einer Wahr-
heit nicht alle und jede Gründe herbeyziehen, fon-
dern nur die einleuchtendßen und bündigßen gebrau-
chen — herrliche Wahrheiten ans Herz.
No. 4. Ein Religionssystem ! Unter diesem
hochtönenden Titel giebt der ungenannte Versaß,
noch dazu in tragen und Antworten , die aber
nirgends socratischen Geist athmen , ein zusam-
mengesetztes Produkt aus sehr ungleichartigen Be-
standtheilen, aus Leibnitz - Wolfischer Metaphysik
und gemeiner Dogmatik , die aber keinesweges
durch jene aufgeklärt und veredelt ist. Er stand
nemlich (nach der Vorrede) in dem Wahn, dass
wir noch kein Lehrbuch der Religion hätten, wor-
in die Gründe der natürlichen Gotteskenntniss in
schicklicher Verbindung mit den eigentlich geof-
fenbarten Glaubenslehren vorgetragen wären , wel-
ches doch, z. E. in dem eben so bekannten, als
tressichen, uieterienfehen Buche auf eine Art und
in einer Vollkommenheit geschehen ist, von wel-
cher dei \ erf. gar nicht einmal die Idee zu haben
scheint. Indelien glaubt er, dass dieser Mangel ei-
ne Hauptquelle der vielen Religionsspaltungen sey,

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und hofft durch sein Buch die Christen einander
näher zu bringen, indem nun die Vereinigungs-
punkte, wohin er mit Recht die Hauptlehren der
natürlichen Religion rechnet, kläret ins Auge fal-
len müssten, woraus denn auch dieUeberzeugung
bewirkt werden würde, dass jene Trennungen oft
um ausserwesentlicherMeynungen willen entstanden
wären. In diesen Gedanken liegt allerdings etwas
wahres; denn wenn ein näheres Zusämmentreten
in Glaubensmeynungen geschehen soll , so darf
man es vorzüglich von der wechselseitigen Simpli-
ficirung der Lehrbegriffe hoffen. Dazu ist aber
längst der Weg durch grosse und verdiente Got-
tesgelehrte unsrer Zeit gebahnet worden, und unser
Verf. möchte schwerlich, so wie er die Sache an-
gegriffen hat, viel Wirkung hervorbringen. Das
Eigenthiimliche seines Buches besteht bloss darin,
dass er im ersten Abschnitt die Lehren der natiirl.
Theologie, nicht für den Menschenverstand, son-
dern mit allen Abstraktionen und Subtilitäten der
Schule, ganz isolirt vorträgt ; im zweyten Ab-
schnitt aber eben so für sleh die eigentlichen Of-
fenbarungslehren sreylich nach seinem Erkenntniss-
maasse. Diese Trennung dünkt uns nun sehr un-
zweckmässig und nachtheilig , was hier nicht aus-
führlicher gezeigt werden kann. Die Schulmeta-
physik des Verf. macht bisweilen einen sonderba-
ren Contrast mit den Fragen und Antworten. Auch
liebt er die abstracte wissenschaftliche Terminolo-
gie unter die biblischen Ausdrücke zu mischen,
und meint wohl nun mit philosophischem Geist ge-
schrieben zu haben. Aus allen dem musste denn
freylich ein Sonderbares Compositum entliehen !
Hier smd einige Proben, zuerst von der natürlichen
Theologie des Verf.: Wie wird der Wille Gottes
eingetheilt? — In den zuneigenden, nach welchem
„Gott eine Neigung zu allen Vollkommenheiten der
,,Dinge hat; ■— in den mittleren, nach welchem
,,er zu der erkannten grössern Vollkommenheit ei-
„ne grössere Neigung, als zu der kleinern hat; —
,,in den folgenden oder beschliessenden, nach wel-
„chem er zu der grössten Vollkommenheit auch die
„grösste Neigung hat. “ Welch leeres Ideen-oder'
vielmehr Wortgespinnst ! *•- ,, Worin besteht das
„Wesen Gottes ? In der Dreyeinigke.it; “ (die
Hernunstbeweife (etwa die Silberfchlagfchen? ~) da-
von sind aber, laut der Vorrede , wegen ihrer
Tiefsmnigkeit weggelassen. ) — Die Eigenschaften
Gottes theilt er unter andern „in phyßfche, wenn
„sie als wirkender Grund betrachtet werden —und
„ßttliche, in sofern man sie lieh aus der Erkennt-
„niss des Guten und Bösen vorstellt. “ ■— „Was
„ist schasfen ? Wenn ein einfaches Ding von der
„blossen Möglichkeit zur Wirklichkeit gebracht
,,wird; “ u. s. w. —• Nun etwas von der geossen-
barten Glaubenslehre des Verf.: •— „Wie kömmt
„eigentlich die göttliche Natur der menschlichen
„zu? Nicht so wie die Gottheit ihr Wesen hat,
„(in actu primo), sondern wie sie sich durch die
„Kraft zu den Handlungen bestimmt, (z/i actu fe-
A 2 " tun*
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