Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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Numero 4»

■ ARZENETGELAHR THEIT.
Wien, bey Job.David HÖrling: ^o/iann
Schmidts Secretaire in k. k. medicinisch - chi-
rurgischen Militairgeschäften , Antigoulard in
/Wahrnehmungen über Mißbrauch und Unficher-
heit des Bleyextrakts, von österreichischen Feld-
chirurgen aufgestellt ; erster Versuch, 1785.
254 S. 8- ( 14 gr.)
Dass der Gebrauch der Bleymittel bald zweck-
widrig , bald wegen der Übeln Folgen ver-
dächtig sey, ist schon den altern Aerzten, Boer-
haaven und andern bekannt gewesen, noch mehr
aber durch neuere Wahrnehmungen eines White,
Percivals , Cullens und anderer bestärket worden.
Hr. Goulard hat gebucht durch Fälle, die er er-
zählt, darzuthun, dass in Entzündungen, Ansamm-
lung widernatürlicher Safte und Schärfen , Ge-
schwüren, fie mögen nun von der Lustseuche oder
sonst auf eine Art entstanden seyn, nichts wirksa-
mer sey, als die Bleymittel , der Bleyextrakt vor-
züglich, oder auch das vegetomineralische Wasser.
Ueberzeugt, dass an gewißen Orten die Bleymittel
überhaupt, grösstentheils aber das sogenannte ve-
getomineralische Wasser der meisten Barbierer ein
unentbehrliches gemeines Mittel sey, und dass der
gränzenlose, meistens unabsiehrliche und nur gar
zu oft sehr entbehrliche und immer als Bleygist
verdächtige Gebrauch des Bleyextrakts mehr Un-
heil anrichtet, als Nutzen stiftet, hat der Versasser
in seiner Abhandlung, denen die für die Bleymit-
tel eingenommen lind, den Irrthum darthun und
das Publikum vor dem Gebrauch dieser Arzeneyen
warnen wollen. Die Absicht ist zu zeigen, dass in
der Bereitung des Bleyessigs wahre metallische
schädliche Theilchen von dem Eilig aufgelösst wer-
den, und dass gewiße Bleypräparate äusserlich ge-
braucht nicht sounschuldig sür das Innere der thie-
rischen Haushaltung sind, als man noch hier und
da zu glauben geneigt ist. In der Einleitung be-
schreibt der Vers, den Charakter desHrn. Goulards
aus eine etwas auffallende und bittere Art, und
verschiedenes scheint ebendaselbst etwas zu weit-
A.L.Z. 1786. Supplementband.

läuftig gesagt zu seyn. Die Ordnung und Anwen-
dung, nut welcher die Beobachtungen wider den
Gebrauch des vegetomineralischen Wassers erzählt
werden, mussen wir billig loben. Sie sind theils
eigene und in Krankenspitälern von ihm selbst ge-
sammlete , theils solche die ihm von andern zur
Bekanntmachung überlaßen worden. Die erste Klas-
se , oder Reihe derselben, enthält die Essecte der
Bleymittel bey Entzündungen. Nach dem Gebrauch
derselben entstund in einer leichten Ophthalmie eine
Cirsophthalmie; in einer andern ein Eyterauge;
in der Bräune eine Paralysis der Schlundmuskeln;
in der Rose Gichtsehmerzen; in einer Entzündung
von äusserlichen Ursachen Convulssonen; in einer
Enzündung des Arms Atrophie; in einer mit Sil-
berglätteilig behandelten Verbrennung der Brand;
in einer andern Verbrennung eine Mundklemme;
eine andere hatte nach dem Gebrauch des Bleywas-
sers einen tödtlichen Ausgang ; eine Phlegmone
gieng nach dem Gebrauch des Bleywassers in den
Brand über; männliches Unvermögen war die Fol-
ge eines langen Gebrauchs solcher Gliedbäder und
Umschläge, die aus Bleywasser bestanden; goular-
dische Einspritzungen bey einem Tripper verursach-
ten eine chronische Dysurie. Die zweyte Klasse
handelt von den Wirkungen der Bleymittel bey
Quetschungen, Geschwüren, Flechtenausschlägen,
Krätze, Grindgeschwiiren , Beinbrüchen undschwa-
chem Gessehte. Gequetschte Theile wurden ent-
weder fühllos , oder verloren ihre Bewegung ;
Geschwüre wurden trocken, oder hinterliessen in-
nerliche traurige Folgen; aus eine durchBleyweiss
abgetrocknete Flechte erfolgte eine Colik; zurück-
getriebner Krätze folgten kurzer Odem und andere
Zufälle. In drey Fällen von Grindgeschwiiren
war der eine so unglücklich , dass das auf dem
Kopfe angebrachte Bleywasser eine völlige Blindheit
hervorbrachte ; in einem Beinbruche wurde die
Erzeugung des Gallus verhindert ; auf den Ge-
brauch des Bleywassers bey einer Schwäche der
Augen erfolgte eine Paralysis der Augenlieder. Drit-
te Reihe von den Effecten innerlich genommener
Bleymittel. Magerkeit von dem durch den Speichel
langsam eingeschlichenen Bleyweis ; Betäubung
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