Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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75 SUPPLEMENTE 76

„Augenblicken gleich ihm, mit Todtenblässe be-
„deckt, darnieder geschmettert wird etc. “ S. 275
wird von einer Erkenntniss Gottes gesprochen ,
„die in dem Trugfeuer der Schwärmerey glühet,
3,und von ihren blendenden Blitzen umkreutzet
„wird. “ Herr Oehler befürchtet selbst in der Zu-
eignungsschrift, die dem ersten Theil vorgeletzt iß",
man werde ihm die Erinnerung machen, dass eini-
ge dieser Reden für seine Zuhörer zu schwer seyn
dürften. Wenn er sich aber unter andern damit
entschuldigt, dass er ja das Glück gehabt habe,
auch viele aufgeklärte Zuhörer zu haben, die auch
unterhalten seyn wollten ; so macht er dem Ge-
schmack seiner aufgeklärten Zuhörer kein grosses
Kompliment. Solche Floskeln befördern die Er-
bauung nicht, u. haben den wahren Rednervortrag
nie gekleidet. Dass Hr. Oehler auch sasslich und
gemeinverständlich sprechen könne, wenn er will,
das beweiset die 4te Predigt des zweyten Bandes,
von fchädlichen Zorurtheilen und Irrthümern in Ab-
ficht auf das Abendmahl des Herrn, welche Recens.
vorzüglich gesallen hat. Wenn er fo predigt, so
wird er wirklich aufgeklärten Zuhörern eben so sehr
gefallen als seinen Landleuten, und weit mehr Er-
bauung stiften als durch Zierereyen, eitles Wortge-
pränge und verunglückte poetische Bilder.
Salzburg, in der Hof-und akad. Waisenhaus-
buchhandlung: Auslegung der Haupttheile des
heiligen Mefsopfers gezogen aus der heiligen
Schrist und aus den Gebethen der Kirchen. Aus
dem Franzöfischen des Herrn Abts Mefangui.
Ins Deutsche übersetzt von G. M. K. s.7^6.
86 S. 8.
Die Uebersetzung dieser Schrift ist, wie wir aus
der Note S. 66 sehen zu Wien gemacht worden.
Ob es gerade nothwendig gewesen sey, dieses Werk-
ehen , dessen Inhalt bloss für den Ungelehrten von
Wichtigkeit seyn kann, insDeutschezu iibersetzen,
und ob es nicht belser würde gewesen seyn, eine
ursprüngliche deutsche Schrift für die Laien über
die Meile zu liefern ; das wollen wir nicht untersu-
chen. Aber gewiinsent hätten wir doch, dass die
Uebersetzung an manchen Stellen deutfeher wäre, als
wir Ee gefunden haben. Man llösst allenthalben auf
Gallicismen und andere undeutsehe Redensarten, z.
B. S» 11: Meldung gemacht habe-, 14: das Mess-
opfer entrichtete, anllatt darbrächte; 16: die Prie-
fter und Diakonen trugen die Communion rei-
henweise aus 19 : die meinen Lesern verhilflick
seyn können; 47: welche flüchtige Gedanken nach
ihrer Bekehrung haben, anllatt, welche ssüchtig an
ihre Bekehrung denken. Mehrmalen lässt auch der
Uebersetzer, wie S. 32 den Prieller in dem Gebet
an Gott sagen: dafs er fleh, änstatt ihn, würdigen
wolle, u. s. w.
Leipzig, beySommer: Gefchichte Und Befchrei-
bung aller Cwmonim der römischen Kirche in

einer Reihe von Briesen mit Kupfern vormals
angefangen von D. Ferdinand Ambrofius Fid-
ler , und fortgesetzt von einem Liebhaber der
Kirchengebräuche. Zweyter Band. 1785« 491
S. 8. (iThlr. 8gr.)
Dieser Band enthält die ausführlichste Beschrel-
bung von allen römischen Ceremonien , welche bey
der Einkleidung und Gelübde - Ablegung der Non-
nen , bey der' Insulation und Einsegnung eines Ab-
tes oder einer Aebtissin , der Wahl und ^Krönung
eines Pabstes, der Krönung und Salbung eines Kö-
nigs, einer Königin und eines Mitregenten , bey
der Fabrizirung des sogenannten heiligen Oehls
und Chrisma, der Ueberreicbung des Pallium und
der Fronleichnams-Procession in katholischenStaa-
ten gewöhnlich sind. Der Verfasser hat bloss das
römische Ritual buchfläblich iibersetzt, und nur hie
und da einige Erläuterungen katholischer Schrift-
Heller, und verschiedene protestantische ganz gut
gemeinte Anmerkungen hinzugesügt. Die Ueber-
setzung ist richtig, aber etwas schleppend. S. 428
lesen wir, dass der Verfaß', glaubt, der Kaiser laße
deutfche Meße lesen. So viel uns bekannt ist, wird
die Meße vom Priester noch lateinisch gelesen,und
nur das Volk singt deutsche Lieder. Einigemal
hat auch der Verf. Tabernakel statt Monstranz oder
Sacrameritshäuschen iibersetzt.
GESCHICHTE.
Berlin, bey Maurer: Gefchichte des heutigen
Europa vom sünsten bis zum achtzehnten Jahr-
hunderte. — Aus dem Englisehen iibersetzt
mit Anmerkungen von Job. Friedr. Zöllner.—•
Zweyter Theil. 1786. 374 S. 8.
Dieser Theil gehet vom I9ten bis zum 34sten
Briese. Die ersten 13 beschäftigen sich abwechselnd
mit der Geschichte Deutschlands und Italiens, von
K. Conrad II bis zu Ende des Interregnums; Eng-
lands von Wilhelms Eroberung bis auf den Tod K.
Heinrichs III. Frankreichs >• von Ludwig VI bis
zum Tod Ludwigs IX und Spaniens von der Mitte
des eilsten bis zum Ende des dreyzehnden Jahrhun-
derts, wo, unter andern,'die Thaten des Cid vor-
kommen, der seine Celebrität mehr dem Dichter
Corneille, als den Geschichtschreibern zu danken
hat. Die in diese Periode fallende Geschichte der
Kreuzzüge wird überall , an ihrem Orte, zweck-
mäßig mit eingerückt. Im 32sten Briefe wird der
Fortsehritt der Gesellschast in Europa , im I2ten
und 13ten Jahrhundert beschrieben. Die nützlichen
Folgen der Kreuzzüge, die Lehns verfasiung, das
Emporkommen des Biirgerstandes, die Einsührung
des Gottessriedens, die Verbreitung des römifchen
Rechts , und die dadurch verursachten Veränderun-
gen, und die wissenschastlichen Bemühungen der
damaligen Zeiten , machen die Hauptgegenstände
aus , welche hier vorkommen. Der 33ste Brief
enthält die Regierung K, Eduards X in England,
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