Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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los ZUR A. L.
und Zeichen des Glaubens sind, seine Gewissens-
ruhe und Zufriedenheit gebauet hat. Denn der
Mensch ist einmal von Adam her verdorben; er
kann das Gesetz nicht halten, das ihm ins Herz ge-
schrieben und auf dem Berge Sinai wörtlich ausge-
sprochen ist; es ist ein zwfeyter Adam nöthig, der
den Schaden heile, wahrer Gott und Mensch. —
Auch hier nur, so viel zur Probe von des Versall',
halbverdauter Orthodoxie und manichäischer Hete-
rodoxie. Räthselhaft genug ist die Brofchüre ;
sie Geht aber doch den bey demselben Verleger
herauskommenden wöchentlichen Beyträgen zur
Besörderung der wahren Gottfeligkeit so ähnlich,
dass man schon rathen kann, aus welcher Schule
der Verf. seyn musse.
PHILOSOPHIE,
München, bey LenCner; Ueber dm Selbßmord.
Für Menfchen, die nicht fühlen den IKerth, ein
Menfch zu feyn, Von AI. Sailer, Lehrer der
Moralphilos. 1785- 222 S. 8.
Da wir aus diefem Werkchen nichts neues aus-
zeichnen können , so müßen wir uns begnügen,
den Inhalt desselben im allgemeinen anzugeben.
I. Abschnitt. Gründe wider den Selbstmord. II.
Abschn. Scheingründe für den Selbstrnord. III.
Abfchn. Von den Bewahrungsmitteln vor dem Selbst-
morde nebst andern Winken, Bitten, Warnungen,
Gemälden zur Ehre der Vernunst und ihrer Schwe-
iler der Offenbarung.
Uebrigens ist Hr. Sailerr Manier bekannt. Er
nennt sie in der Vorrede, oder der fogenannten Z/z-
ßruction für dies Büchlein, ein Mittelgewand zwi-
lchen dem steifen der Schule und dem leichten,
spielenden der Mode. Aber wahrlich dies Mittel-
gewand nach Hr. S. Ideal kann nur wenig sür die
Unglücklichen taugen, denen dies Werkchen be-
stirnmt seyn foll, da es weder an die Einbildungs-
kraft noch an den Verstand mit gehöriger Stärke
andringt. Nur die Beredsa.mkeit eines Roujfeau ,
oder der Tiefsinn eines Tetens oder Kants müssten
ein rechtmäfsiger Beruf seyn, als Lehrer der Mensch-
heit über dergleichen Gegenstände äuszutreten. Auch
slehen wir wirklich in einer Crise, wo nichts nach-
theiligeis seyn könnte, als empfindelnde, unbe-
stimmte, noch so gutgemeinte Philosophie und Re-
ligion,
PHYSIK
efenuäch am Mäyn , bey Ulrich Weils
und Carl Ludwig Brede; Anleitung iPetterlei-
ter an allen Gattungen von Gebäuden aus die
ßcherße Art anzulegen von fsacob Hemmert
Churpfälz. geistl. Rathe, ersten Hoskapl. etc,
mit einer Kupfertafel. 1786. 162 S. 8,- ( 12 gr.)'
Ein, bis auf die, in gewöhnlichere, veränder-
te' Rechtsehreibung , getreu veranstalteter Nach-
druck, der imnemlichen Jahre zu Mannheim,, ua-

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Z. 178G
ter eben dieser Aufschrift, herausgekommenen
Schrist, in welcher der Verfasser , der sich durch
überaus häufige Anlegung von Wetterleitern be-
reits als einen der tresiichsten Meister in dieser Kunst
ausgezeichnet hat, nach den nöthigsten Erklärungen
und Ersahrungen aus derElektricitätslehre , welche
nebst der Geschichte des Beobachtung, dass elektri-
sche und Gewittermaterie einerley sind, und nebst der
kurzen Beschreibung des anderwärts schon ange-
zeigten Wolkenelektricitätsrnessers den ersten oder
theoretischen Theil ausmachen, zuerst aus der Ge-
schichte ablichtlich und zufällig angebrachter Wet-
terleiter ihren unläugbaren Nutzen darthut, ohne
die Beyspiele zu verschw eigen, wo Wetterleiter,
weil sie, wie in der Folge gezeigt wird, fehlerhaft
angelegt waren, ihrer Absicht nicht entsprachen, und.
erweist, dass bey Anlegung eines fehlerfreyen Wet-
terleiters die Hauptsache daraus ankomme , alle
oben am Gebäude befindlichen Metalle, nebst den
besenders zu bewasfnenden Schorsteinen und an-
dern merklich hervorragenden Theilen , ingleichen
der ganze Eorst, und wenn das Gebäude inFreyen
sleht,- auch die Gräte an der Wetterseite durch ei-
ne metallene Leitung mit dem Hauptleiter in ge-
naue Verbindung zu bringen. Er betrachtet so-
dann einzeln, wie die Theile des Wetterleiters, als
die Wetterstange - der Ableiter,, und das Untertheil
desselben nach Lange, Dicke, Umfang und Mate-
rie gebildet, verbunden, vor Rost geschützet , ge-
richtet und nach Befchassenheit der verschiedenen
Bauart, an Hau sern • Kirchen, Gebäuden mit meh-
rern Flügeln , Pulverthür'mesi , Krahnen , Wind-’
rnühlen, Schisten, Schäferkarren ti. d. angebracht
werden mussen, zieht den dumpfen die spitzigeri ,
und die auf die Gebäude gefetzten den darneben
geslehten, einzelne unter einander verbundene Ab-
leites dem einen gemeinschaftlichen Ableiter mehre-
rer W etterstangen als sicherer vor; lehrt auf das
Genauefte, wie die Schorsteine, Forste, Dachgrä-
ten besonders zu bewafnen und alles zu einer ge-
meinschastlichen Verbindung zu leiten sey , und
widerlegt endlich die gewöhnlichen Einwürfe der
unwissend'en, abergläubischen , misstrauifchen Geg-
ner der Wetterleiter. Lutzens Unterricht von Blitz,
und Blitzableitern, die mit verdienten Beysail aus-
genommen worden ist, war mehr für den gemei-
nen Mann ; aber Hemmers Schrift , wird nächft
Reimarus, selbft der mit Nutzen lesen, der sich
mit Anlegung der Wetterleiter werktätig beschäf-
tigL

NA TUR GES CHI CH T K
Erlangen, bey Palm:' Blbliötheccl hehmnibotö*
gica. feu enumet atio auctöitiih qui de vennibüs
feilicet ci yptozois gymnodelis teßaceis atqüe phy-=-
tozoois tarn vivis quam petrificatis fcripf rimt
edita ab Adolpho' Aiedeer $ socieE reg. patr.
Svec. Secret; primär, etc.- — 1786. 222ftS'.v 8.
Dasjenige, was Lisine und die neuem Natur-
forscher unter Würmern verliehen, madit den Gn.
W 9
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