Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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T37 Supplemente
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ALLGEMEINEN
1 I T ERAT UR - ZEIT UNG
vom Jahre 1736.
Numero i8>

GOTTESGELAHRTHEIT.
Braunschweig, im Verlag der Waysenhaus-
Buchhandlung: Das Hohelied begleitet mit ei-
nem vollftändigen Commentarundhißorifch kriti-
fchen Unterfuchungen von Johann Cafpar Uelt-
hufen. 17.86. 526 S. gr. 8..
Der Amethiiß. Beytrag hissorisch kritifcher Unter-
suchungen über das Hohelied in näherer Bezie-
hung auf die Gefdiichte der Menfchheit von
£soh. Casp. Uelthufen. 1786, 130 S. 8»
|hCeide Schristen gehören zusammen; wie denn
auch das gemeinschaftliche Register, das sehr
nothwendig war, aber zu sparsam ausgefallen ist,
sich bey der letztem befindet. Die Einrichtung ist
cliese: Zuerst die Einleitung; hierauf eine poeti-
sche Uebersetzung oder Paraphrase des Hohenlie-
des, welche ungemein viel dichterisches Verdienst
hat, aber zuverlässig mehr Wirkung thun würde ,
wenn sie vor der Einleitung vorangieng ; und nun
historisch kritische Untersuch ungen nach Anlass und
Ordnung der Kapitel und Versabtheilungen, d. i.
der Commentar mit häusigen Digressionen auf na-
turhistorische und antiquarische Gegenstände, Der
Amethyst enthält Excurie zu Kap. VIII, 3 und Kap.
VIII, 11, desgleichen allgemeine Bemerkungen,
l) über die Wortspiele der Hebräer, 2) über den
Beduinendialect, 3) über das Alter und den Ver-
lader dies Gedichts , 4) von dem göttlichen An-
teilen des Hohenlieds, 5) rein historisches Resul-
tat aus allen vorhergehenden Untersuchungen. Die
eigenthumliche Vorstellung, welche sich der Hr.
Abt, nach einem von Hrn. Jacobi (das durch eine
leichte Erklärung von seinen Vorwürfen gerettete
Hohelied 1771.) angegebenen Gesichtspunkt, von
dem Hohenliede macht, ist folgende; Eine junge
Braut, die Tochter eines freyen Mannes, der eine
V ittwe geheurathet , welche schon aus der ersten.
Ehe Söhne hatte, wird nach dem Tode ihres Va-
ters, nachdem sie sich mit Genehmigung der Mut-
ter mit einem Engeddlschen Hirten verlobt hatte,
von den Stiesbrüdern, die sich eine hausväterliche
A, L.Z. 17^6. Supplementband.

Gewalt über die jüngere Schwerter änmasstett, uni
200 Sekel in Salomo’s Harem verhandelt. Der Ver-
faßen des Lieds versetzt seine Leser oder Zuhörer»
nach dem Horazischen, in medias res — so fort nach
Jerusalem in den Harem, wo die ihrem Bräutigam
treue Trostlose ihre Sehnsucht nach dem geliebten
Hirten bald in Antithesen gegen die prunkvolle Lie-
beserklärungen des verliebten Königs , oder die
Lobpreisungen anderer Schönen des Harems, bald in
Traumliedern u. d. so lange äussert, bis sie durch
eine, etwas plötzliche, Katartrophe (Kap. VIII, 5.)
wieder an dem Arme des Geliebten auf dein En-
geddischen Balsamgebirgen erscheint,und die Schwü-
re ewiger Liebe erneuert. — Der Schlüffel des Gan-
zen finde sich K. VIII, 8—12, wo der Schwertern-
handel jener unmenschlichen Stiefbrüder, als Päch-
ter eines Salomonischen Weinbergs bey Baalbec,
deutlich angegeben werde. Der Schluss des Lie-
des, in den 2 letzten Versen, enthalte die Lehre
delTelben: Warnung an die Landmädchen vor dem
städtischen Versührer. Nach S. 285 war der letzte
Zweck des Gedichts, die Nation vomSonnendienst
und den damit verknüpften Ideen zu natürlichen
Sitten und Begriffen zurück zu bringen. — Nach
dieser Hypothese nun theilt sich der Hr. Abt das
Ganze in XI Gelange, Und die schwere Aufgabe»
die einzelne Stücke , dem angenommenen Plane
gemäss, in Zusammenhang zu bringen, zu einem
ununterbrochenen fortsehreitenden Ganzen an ein-
ander zu sügen, ist in der That mit einem Auf-
wand von Witz, Scharfsinn, Erfindungs - und Ver-
bind ungs - Geist behandelt, der bewundert werden
nniss, aber nur, bey dem Rec, wenigstens, nicht
Ueberzeugung bewirkt. Es würde ermüdend seyn,
bey jedem einzelnen Schritt stille zu liehen, um
eine Prüfung anzustellen, da ohnehin die Entschei-
dung meistens nicht von Beweisgründen abhängen
müsste, sondern von dem Geschmack und der Em-
pfindung , wovon kein zuverlälliger Massstab vor-
handen ist. Vornemlich wird man aus die Beschaf-
seuheit des Schlüjfels begierig sey müßen, Dieser
also liegt in den Worten, K. VIII, 8 — 12. Der
8 und 9 Vers enthalte Worte der Stiesbrüder; der
10 Worte der Schwerter ; der ute, Erzählung ei-
S nes
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