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162 Supplemente 1/0
zur
ALLGEMEINEN
L I T ERAT UR - ZEIT UNG
vom Jahre 178 6.
Numero 22.

GESCHICHTE.
Leipzig, bey Breitkopf: ss' B.BoJJuet, Bischoss
von Meaux, Einleitung in die Gefchichte der
Welt und' der Religion, fortgesetzet von D. JJ)
A. Cramer. — Siebenter Thejl. i/ßö. 920
S. 8. ( 1 Rthlr. 16 Gr.)
1 Jie mühsame und verdienstvolle Arbeit, wel-
ehe der Hr. Kanzler Übernommen hat, wird
in diesem Theile mit eben der Sorgsalt sortgesetzt,
mit der sie angesangen wurde. Er glaubt mit Recht,
eine grosse Lücke in derReligionsgeschichte, durch
Darstellung der Resultate der subtilsten scholasti-
schen Untersuchungen über wahre und eingebildete
Lehren der Religion , ausgefüllt zu haben. Aus
die Erinnerungen , die wegen des Mangels der
Allegationen gemacht wurden, hat er nicht nur in
dem Werke selbs^^P viel Rücksicht genommen, als
Zeit und Geschäfte ihm erlaubten, sondern auch
in der Vorrede sseh so erklärt, dass es unbillig
seyn würde, weiter etwas darüber zu sagen. Die-
ter Theil fängt mit den Scholastikern an, die zu-
nächst auf Peter den Lombarden folgten. Bey sol-
chen Materien, die von mehrern sind behandelt
worden, legt Hr. C. einen Hauptschriftsteller, z.E.
Alexander von Haies, oder Thomas von Aquino,
zum Grunde, und bemerkt sodann die Ueberein-
stimmung oder Abweichung anderer, die auch an-
sehnliche Lehrer zu ihrer Zeit waren. In Anse-
hung der Methode haben sie alle dieses mit einan-
der gemein, dass sie die Wirklichkeit einer Sache
beweisen, ehe sie erklären, was sie eigentlich ifl.
Manchmal bleibt auch die Erklärung ganz weg.
Dagegen sind sie unermüdet im Demonstriren, auch
bey solchen Dingen, die an lieh schon jedem klar
sind. Die hier vorkommenden Materien sind fol-
gende: 1) Hon der Ketzerey des Nihilianifmus, def-
sen Peter der Lombarde und Peter von Poitiers be-
schllldigt worden find, und von einigen andern den-
selben beygemejsenen irrigen Aseynungen. So ausge-
breitet der Bey füll war, den die erllgenannten Män-
ner fanden, io hätten sie doch, wenn sie länger
gelebt hätten, eben sclche Versolgungen, wie Abi-
Z, 1786. Supplementband,

lard und Gilbert von Poitiers, erfahren mussen;
Die hestigsten Gegner ihrer Lehren waren Johann
aus Cornwall und der Mönch Walter, aus dem
Kloster des heil. Victors. Der Nihilianismus, der
jenen zur Last gelegt wurde, süllte darinnen be-
gehen , dass sie behaupteten , Gott sey, als Mensch,
nicht Etwas, sondern Nichts-, und Christus sey,
als Gott und als Mensch betrachtet, Nichts und
Etwas, Hr. C. zeigt, dass diese Sätze den beiden
Lehrern nur durch Consequenzmacherey aufgebür-
det wurden , wozu sie in ihren Untersuchungen
über die Person und die Naturen Christi einigen An-
lass gegeben hatten. Der fromme Abt Joachim
wollte, in Lombards Sätzen vom göttlichen Wesen,
statt der Dreyeinigkeit eine Viereinigkeit sinden. 2)
Von dem Streite des Probßs Geruch von Reichersperg
mit dem Probße Eolmar von Traufeißein, über das
Abendmahl und die Herrlichkeit des Menfchensohns.
Der Streit betrifft die Art der Gegenwart Christi
im Abendmahl und die Erhöhung seiner Mensch-
heit, nebst einigen damit in Verbindung flehenden
Fragen. 3) Von einigen Sententiariern des erßen
fcholaßifchen Zeitalters , welche als Ausleger oder
als Freunde und Besörderer der Lombardifchen Lehr-
fätze berühmt gewordenßnd, Diese sind IVsrar Can-
tor, (dellen Werke Hr, C. nicht selbst zum Durch-
leben erhalten konnte , und also bloss nach ihren
Titeln urtheilen musste, denen zusolge er ihn mehr
für einen biblischen Theologen, als für einen Sen-
tentiarier, hält;) serner, der Bischof Wilhelm von
Seignelay, der Cardinal Robert von Corceon, der
Kanzler der Universität zu Paris, Präpofitivus, der
Bischof Wilhelm zu Paris und Robert Bischof von
Lincoln , von deren Lebensumständen und Lehren
hier das Wichtigfle erzählt wird. Der englische
Bischof zeichnete sich besonders aus durch seinen
standhaften Eifer wider den Pabst, der einen jun-
gen Italiener als Canonicus der Kirche von Lin-
coln ausdringen wollte. S. 95. f. kommt eine son-
derbare Demonstration vor, welche dieser Robert
noch auf seinem Sterbebette , in syllogistischer
Form, vortrug. Aus der Bedeutung des Worts
g'/;, ( das eine aut menschliche Meynung gegründe-
te, der Schrist widersprech'ende, und dabey össentlich
V vor-
 
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