Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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nicht schwer die eignen Aeusserungen des Vs. hier
von dem zu unterscheiden, was er den Ausspriichen.
bekannter und unbekannter deutscher Kundrichter
nachgeschrieben hat. Von seiner ßekanntschaft mit
dem Gegenstande, über welchen er schreibt, mag man
daraus urtheilen, dass er in der altern Geschichte
der deutschen Literatur der Schwäbischen Dichter,
oder sogenannten Minnesänger , nicht nur mit
keinem Worte gedenkt, sondern so gar zu bewei-
sen sucht, es könne in diesem Zeiträume durch-
aus keine Dichter in Deutschland gegeben haben,
dass er Hagedorn als Eerfajfer der Abhandlung des
de laNauze über die Lieder der Griechen angiebt;
dass er der deutschen Sprache ein klalsisches Wör-
terbuch wünfcht , und Heynatzens Sprachlehre
noch immer als die belle ansührt ; dass er von
Gottsched versichert „er habe die erste Dämme-
rung sür (in) die deutsche Literatur gebracht,
dass er als bewährte dramatische Kunstrichter —
Dyk und 'Wittenberg nennt; Wielanden komifche
Opern schreiben lässt“ u. s. w. Auf diele Ab-
handlung solgt II) kurzer Entwurf der (einer) Ge-
schichte der Handlung, (veranlasst durch den Um-
stand, dass ein grosser Theil der ßubscribentn die-
ser Monatsschrift aus Männern bestehen sbll, die
Lieh mit der Handlung beschästigen.) III) Sophie
von Fellenberg (eine moralische Erzählung, deren
Ansang bereits im 3ten Stuck eines im vorigen
Jahr zu Altona herausgekommenen Frauenzimmer-
Journals abgedruckt gewesen. IV) Nachricht von
Mofes Mendelssohns Tode (nur wenige anhängs-
weise beygesügte Zeilen.) Das zweyte Stuck ent-
hält I) Zimmermanns Geiß , oder Schönheiten des
Werks-. Ueber die Einfamkeit, von Herrn Joh. Georg
Zimmermann. II) Ottilia, eine moralischeErzäh-
lung. III) Bruchßiick eines Gespriichs, über die
Ursachen des nahe bevorstehenden jämmerlichen
Untergangs der kaiserlichen freyen Reichsstadt H.* *
im N. S. Kreise von Deutsdhlahd. (Ein Spieler,
eine Kupplerin, eia Lotto - Unternehmer und — ein
Pastor prophezeyhen einmüthig der Stadt Hamburg
den Untergang, weil ein unseliger Neuerungsgeiß
den Magistrat veranlasst hat, die Hazard - Spiele
und Zahlen - Lotterien zu verbieten, die Diensi-
sertigkeit gewißer Hausmütter , die es sich zum
Beruf machen für andrer Vergnügen zu sorgen,
mit den Staubbesen zu belohnen , und •— das
l’chrecklichste von allen — sremden Religio ns ver-
wandten die freye Ausübung des Gottes di enstes
zu gestatten. EI. Ihr,oder wie es heissen rollte, an
Sie" (ein bekanntes Gedicht mit einem srolligen
Anhänge von unbekannter Hand.) Das dritte Stück,
mit welchen sich der erste Band schliesst, liesert,
zwey aus einem Musenalmanache entlehnte Gedich-
te abgerechnet, bloss Fortsetzungen des vorherge-
henden.
Her Band, Istes Stück. Die ersten yq Seiten
dieses Heftes muss abermals ein Auszug aus Zim-

mermann füllen. Auf diesen folgt : Gefchichte des-
Freyherru von Feßenberg-, ein Brief an den Heraus-
geber, in welchem er von einem reichen Kaufmann,
dessen Nase und übrige Leibesbeschassenheit zu al-
lerley Muthmassungen Anlass giebt, um Spedition
einer Schöne aus Deutschland, verlieht sich gegen
Sicherstellung wegen Transport, Emballage und
J- Procent Provißon, ersocht wird , nebst darauf sich
beziehender Antwort; und endlich zwey Gedichte,
die noch weniger als unbedeutend sind. Utes Stück.
Abermalige bortletzung des Zimmermännischen
Geifies, nebst einer neuen Geschichte, überschrie-
ben: Erneßine und Sternfeld, oder die traurigen
Folgen der Unvorsichtigkeit im Sprechen ; (ja wohl
traurig! denn die Erzählung endigt mit nicht we-
niger als vier gewaltsamen Mordthaten ’ ) Illtes
Stuck. Unpartheyische Gedanken eines Kosmopoliten
über diejenige Regierungssorm, die fähig ist, ei-
nem reichen handelnden Freystaate, Freyheit und
Unabhängigkeit nnerschiittert und ungekränkt zu
erhalten, < ein noch unvollendeter Aussatz, desien
Beziehung sich leicht errathen lässt.) der Fels bey
Granada, oder die Edeln aus Kastilien. (dcrVers.
nennt es wie Trauergefchichte, um dadurch anzu-
deuten, dass das Stück LJoss zumLesen, nicht aber
für die Bühne bestimmt sey; eine ( sogenannte) Re-
cenßon des (bereits 1783 herausgekommenen)Eber-
hardfenen Zmyntors; zum Schlots einige dichtensch-
prolaische Zeichen, die vermuthlich der Herausge-
ber selbft in das Stammbuch eines Freundes ge-
ichrieben , und die auch nur dort an ihrer Steile
waren.
Nach dieser ausführlichen Inhalts-Anzeige brau-
chen wir wohl kaum noch zu erinnern , dass es dem
Herausgeber dieserMonatsschrist wohl mehr darum
zu thon seyn mag , einige Aufsätze von eigner Hand
an Mann zu bringen , als seine Leser mit den neue-
l'ten Werken der deutschen Literatur bekannt zu ma-
chen ; ein Geschäft, zu dem er ohnedies weder innern
noch äussern Beruf zu haben scheint. Denn auch sein
Ausdruck ist nichts weniger als reines Deutseh, son-
dern voll Fehler und Nachlässigkeitem Ramler
heilst ihm „ein Dichter des erhabnen Menfchenver-
blandes', “ und von Milton wird eine Schilderung ge-
macht, nach der man ihn eher für einen Schwrarz-
künfiler, als für einen Dichter halten könnte: „er
hattej'zsü einen unsterblichen Namen verdient; er sang
Fall und ßestrafung, und auf feinem zugleich erhab-
nen und unregelmässigen Gange zeichnete seine Mei-
fterhand bisher ganz unbekannte Charaktere u. s. w.
Man lieht es diesen Zeilen an , dass der Vf. da bey ir-
gend eine französische Steile vor Geh hatte, in deren
Verdeutschung er aber nun freylieh nicht glücklich
cewesen ist. Von sich selbstiagt er, in Beziehung aus
die gegenwärtige Scnrift, S. 9 »meine Begierden sind
reichlich geßillt, wenn meine eingestreuten Bemer-
kungen den Beyfall der Kenner erlangen ! Wir be-
dauern, dass wir ihm zu dieser Stillung seiner Be-
gierden wenig Hosnung machen können.

SUPPLEMENTE ZUR A. L. Z.
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