Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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ZUR A. L.
Sammlung des Verlegers würdiger ist, als des Her-
ausgebers.
EsRDBESCHREIB UNG.
Bjrlin, bey Friedr. Maurer: ssohästn Georg
Sulzers Uorlefungen über die Geographie der
vomehmften Lander und Reiche in Europa,
Nach des Verfassers Tode bis aus unsere Zei-
ten fortgesetzt , berichtigt und herausgege-
ben von Carl Daniel Traue, Professor am kö-
nigl. Joachimsthälischen Gymnasium zu Ber-
lin. Zwote Abtheilung. 1786. 218 S. 8-
Die hier abgehandelten Staaten sind: das Os-
mannische und Rüssische Reich, ingleichen Polen,
Ungarn, Dännemark (und Norwegen, ) Schweden
und Preussen. Die Ordnung ist hier, wie'in der
ersten Abtheilung ; alles aber viel richtiger und
mit besserer Auswahl.- Bey dem Osmamjischen
Reiche hat Hr. Tr. den gegenwärtigen Zußctnd des
Osmannischen Reichs von Elias Habefci sseissig
gebraucht. Nur in manchen Stücken sind Ab-
weichungen, die nicht gar zu richtig sind; z. B.
von Konstaptinopel giebt er die Zahl der Häusen
400,000 und die der Medscheds aus 3^0 an. Jene
Zahl hat zwar Fünst Kantemir; sie ist aber für höch-
stens eine Million Einwohner viel zu gross, Med-
scheds hingegen zählt Habefci an 900. Von den
Janitscharen macht er auch eine weit vortheilhafte-
re Schilderung, als dieser, der sie, seitdem die
Officiere das Werbegeschäfc haben, die schlechte-
llen Hefen des Volks, einen Schandsseck des Reichs
und das veröchtlichste Fussvolk unter allen Euro-
päischen Nationen nennt. Schlecht gekleidet, oh-
ne Flinte und Säbel, und keiner Kriegszucht unter-
worfen , sind sie bloss bereit, die elende Hammel-
sseischsuppe zu verschlingen, die ihnen der Sultan
zu ihrem täglichen Unterhalte schickt. — Ihre
Zahl beträgt nicht, wie hier sleht, 30,000, son-
dern 40,000. IhreBesoldung steigt auch nicht bis
auf 15 Asper des Tages , sondern bis aus 7.
Mehr bekömmt selbst der Grosssultan, als Janit-
schar, nicht; denn dieser lässt sich bekanntlich im-
mer in eine von den 162 Odas oder Kammern (wor-
in das ganze Corps eingetheilt ist,) einschreiben.
Uebrigens ist die ganze Beschreibung des Kriegse-
tats lehr gut , und enthält vieles , das in andern
bekannten Lehrbüchern fehlt. Eben das kann man
von den übrigen historisch - statistischen Nachrich-
ten rühmen.
Das Rüssische Reich ist aus 330,000 Quadrat-
meilen, also wert grösser, als bey andern, ange-
geben. Es wird aber nicht in 40, sondern 43 be-
kannte Statthalterschaften eingetheilt, und vermuth-
lich ist jetzt ihre Zahl schon grösser. Der Orden
der Jesuiten fängt nicht erst an, in Russland gedul-
det zu werden, sondern er ist daselbst wieder her-
gestellt und geschützt. ■
Die Einkünfte des Reichs bestanden im Jahre
J7S3? so viel man weiss, nicht in 40, sondern 35

Z. 17 S 6. ift®
Millionen. Dass die Staatsschulden damals schon
60 Millionen Rubel betrugen, hat Rec. nirgends
als hier gesunden. Die Zahl der russischen Land«
soldaten, ausser den leichten Truppen, setzt er
nur 260,000 Mann, welches beynahe um ein Drit-
tel zu wenig ist. Moskau hat nicht 400,000, son-
dern nach Coxe nur 277,000 und nach andern nur
150,000 Einwohner.
Für Polen rechnet er nicht über 5 bis <5 Mil-
lionen Menschen, welches doch wohl um ein paar
Millionen zu wenig seyn möchte. Der letzte Piast
war nicht Caßrnir I, sondern III.
Für Ungarn scheint er zubesorgt zu seyn. Er
meynt , dass unter der österreichischen Beherr-
schung dies freye Volk unterdrückt werde, wel-
ches die traurigsten Folgen' haben müsste. Wel-
ches ist denn das sreye Volk, das, nicht unterdrückt,
sondern in belsere Schranken zurückgeführt wird?
Der Adel, der das Volk unterdrückte. Möchten
doch Polen und andere Staaten , wo das Volk
noch sklavisch behandelt wird, nur solche Unter-
drückungen ersahren, es würde ein Glück sür sie
seyn!
Zu Ungarn rechnet er auch Gallizien und Lu-
domirien , nebst der Bukowina. Das ist ja ein
Reich für sich > so gut wie Böhmen und Ungarn.
Das der dänische Handel nach Ostindien schon
halb so greis sey, als der Englische, ist erschreck«
lieh übertrieben.
In schwedisch Finnland ist die Eintheilung
jetzt anders. Statt Sawolaxe und Kijmmenegärds-
Lehen mussten jetzt die Landeshauptmannschaften
Heinola und Kuopio genannt werden.
GESCHICHTE.
Goettingen , bey Bossiegel : Gefchichte des
Herzogs Otto I mit dem Beynamen das Kind,
von Braunfchweig , von Georg Heinrich Oe-
ßerley, Doctor der Rechte. 1786. 184 S. 8-
Bey so vortressichen Quellen und Hiilssmitteln,
als man in der Braunschweigischen Geschichte hat,
beruht das ganze Verdienst eines Verfassers auf ei-
ner guten Wahl der Materialien, und kritischen Be-
nutzung der Quellen. Man kann unserm Hn. Verf.
dies Verdienst nicht absprechen. Die Geschichte
Otto’s des Kindes ist vollständig, und die dabey
gebrauchten Quellen sind die besten, die wir ha-
ben, Sie sind aber so gebraucht, dass man daskri-
sche Talent des Hn. Vf. unmöglich dabey verkennen
kann. Gleich ansangs rechtfertigt er das Todesjahr
IKUhelms gegen Gruber, der wegen einer Urkunde
vom Jahre 1213, darin seine Gemahlin Helena nicht
reliHa, sondern noch uxor heisst, dalselbe ins Jahr
1214 setzt, mit einer Stelle der Lüneburgischen Chro-
nik beymLeibnitzMNcnps.ivr. Brunfvic.T. 3 p. 174,
nach welcher er am St. Lucientag, folglich den 3ten
oder i3tenDecebr. 1213 gestorben ist. Dergleichen
Untersuchungen kommen sehr häusig vor, wobey
Aas auch
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