Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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193 Supplemente * 194
zur
allgemeinen
LITER ATU R -ZEITUNG
vom Jahre 178^

Numero 25.

GOT TESGE LAHRT FI EI T.
Halle, bey Curts Wittwe: Predigten über aus-
erlesene Stellen der heil. Schrift, nebst einer
Betrachtung über fchrifimiäfsige Predigten , von
G. T. Pauli , Hof-und Domprediger in Halle»
1786. XV und 301 S. gr, 8. (l6gr.)
8 ler H. Hofpr. hat schon so viel richtiges undprac-
tisches über die Kanzelberedsamkeit gesagt,--
lind in eigenen Beyspielen dargestellt, dass jede
Predigtsammlung von seiner Hand immer ein gün-
sliges Vorurtheil für sich haben muss. Auch die.
gegenwärtige Arbeit beftätigt die vortheilhafte"
Idee, die man fich schon längil von desVers. Pre-
digertalenten machte* Voran sleht statt der Vor-
rede eine Betrachtung über fchriftmässige Predig?
ten, die recht sehr verdient, wohl beherzigt jund
durchgängig in /Anwendung gebracht zu werden.
Wir heben das Wichtigste davon aus, odej- geben
es vielmehr in einem zusammengedrängten Auszu-
ge. „Zernunstmcißige und fchrtftmäfsige Predigten
lind nicht in dem Sinne zu unterscheideft; als ola.jene
nicht mit der Schrift, diele nicht minder Vernunft
iibereinstimmen müssten; sondern in-wie fern sich
der Prediger entweder hauptsächlich’der Vernunft-
gründe bedient, oder vorzüglich solcher Beweiss -
und Bewegungsgründe, die aus unsern heiligen Bü-
chern hergenommen sind. Im ganzen verdienen
die schriftmässigen den Vorzug. (Gehäufte Schrist-
Hellen, eine Sprache, die nur aus biblischen oft
unverständlichen Ausdrücken zusammengekettet
ist 5 umständliche Erläuterung jedes'Textwortes,
sorgfältige Vermeidung aller Vernunstgründe ma-
chen eine Predigt nicht schriftmässig.) Der Text
muss nicht etwa nur als Motto hergelesen, sondern
nach den Bedürfnissen der Zuhörer erklärt und
angewendet werden. Die Betrachtungen müßen
damit in einer merklichen Verbindung Rehen. Ob
man gleich die Vernunftmässigkei.t der christlichen
Glaubenslehren und die innere Vortrefflichkeit der

und den vollkommenem Unterweisungen des Evan-
geliums zu entlehnen. So predigt man gemein-
verständlicher, macht durch die Autorität der gött-
lichen Zeugnisse tiesem Eindruck, fördert den er-
baulichen Bibelgebrauch, u. s. w. „ Die 20 Pre-
digten, welche vor uns liegen , zeichnen sich durch
Interesse, Gründlichkeit, Ordnung und Deutlich-
keit aus. Man sindet da nichts von unsruchtba-
ren Speculationen, polemischem Eifer, mystischem
..JJnsinn, fader Geschwätzigkeit, gezierten Wort-
spielen. Alles ist reine, gesunde Speise. Nur sollte
' ’-der Vortrag allerdings mehr Leben haben, und
unterhaltender seyn, um die guten Wirkungen ei-
ner lichtvollen Üeberzeugung auch durch dieses
Mittel noch zu verstärken , und den Eingang zum
Herzen sicherer zu finden, dem man oft allzuviele
Abhängigkeit vom kalten Verstande zutrauet. Wir
fügen nur noch den Inhalt von einigen Predigten
bey. l) Neujahrspredigt über den priefterlichen
Segenswunsch 4 Mos. 6, 22 — 27. (Billig sollte
der jeder christlichen Gemeine erklärt werden, wo
er noch beybehalten wird.) 3) Wohlthat des Chri-
stenthums. 7) Vom geistlichen Stolze. 8) Hoff-
nung -des des ewigen Lebens als ein Eigenthum
Christen. 11) Gebrauch der Vernunft in der
Religion. 13) Falsche Selbstzusriedenheit, 18)
Nutzen ruhiger Betrachtungen über das Ende aller
Dinge. 19 ) Von dem letztem (?z) und bestem (/i)
Trolle frommer Christen,
Salzburg, in der fürstl. Waisenhaus-Buchdrtu
ckerey. Kurze Andachteübirngeii zum allge,
meinen chrißlichen Gebrauch, famt einem An.
hang von heiligen Gefangen- 1785. 7s Bogen,
So lange noch solche Andachtsübungen, als
die gegenwärtigen sind, öffentlich gedruckt wer-

Tugend aus Vernunftgründen kurzerweisen kann,
so sind doch die richtigsten Beweise aus .der Schrist
jEL Z, 1786. SuppiemerRband^

den, kann es wohl mit der Aufklärung im Salz-
burgischen , aller lobenswerthen Bemühungen des
Erzbischofs ohngeachtet, nicht weit gekommen
seyn. Denn ein ge wenige moralische Lieder aus-
genommen, die noch erträglich sind, schmeckt al-
les übrige ganz nach dem alten groben papistischen
Aberglauben. Man erwäge z. E. die erste Mor-
genandacht: „Gelobt und gebenedeyt sey Gott der
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