Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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Numero 7.

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Münchtn, bey Strobl: G. A-Dietls Predig-
ten an feine Pfarrgen leiude/n 1787. 1 Alphab.
8. C 20 gr. )
| liese Predigten sind ganz gut, vernünstig und
durch und durch praktisch ; überall dringt
der Vs. auf thätiges Christenthum , herzliche An-
dacht und vernünftiges Nachdenken, und in sei-
nen Fellpredigten aus die Heiligen gelingt ihn auch
nichts Legendenhastiges. Dadurch gerieth Rec.
auf den Verdacht, der Vf. dürfte wohl ein ver-
slechtet Protestant, oder doch wenigstens ein ka-
tholischer, nachdenkender Laye sey.n, der es den
katholischen Predigern hätte zeigen wollen, wie-lie
predigen müssten, wenn ihre Vorträge chrißlich
seyn seilten. Dass er kein katholischer Prediger
in Baiern seyn kann, lässt sich aus jeder Seite mit
Händen greifen, es wäre denn, dass er seinen Bün-
del schon vor dem Drucke geschniirt und seinen
Wanderstab in der Hand gehabt hätte, aus dem Ge-
biethe der geldlichen Hn. Frank, Gruber etconfor-
irn zu entweichen: Wir wollen unsr.e Muthmassung
belegen S. 32. „Fürwahr wir würden einen sehr un-
vollkommenen Begrisf von Gottes Verehrung haben,
„wenn wir dächten, die ganze Sache bestündeblos
„in gewißen äusseriiehen gottesdienstlichen Verrich-
„tungen , — in mündlichen Gebethern , Hände-
salten, Brustklopfen und Verbeugungen“ u. s, w.
In der dritten Predige am Felle des heil. Benno ,
Schutzpatronen von Baiern , Hellt sich der Vf.
zwar aus Wohlilande ein wenig orthodox an; al-
lein er fällt gleich wieder durch, slicht gemein-
nützige Tugenden an seinem Heiligen auf, und
sleht ihn zum Muller der Treue in seinem Berufs-
Hande dar. Am Felle Joh. des Täusers redet er
über Luc. 1, 58 vom Neide, und in der zweyten
Predigt über eben diesen Joh. d. T. über die Erzie-
hung. Am Felle der Apollei Petri und Pauli ist
die Wohlthätigkeit der christl. Religion sein The-
ma , und nur im dritten Theile lieht er lieh ein
wenig katholisch an. Am Felle des h. Jacobs be-
w.eilet er nach Math, 20, 22 dass Leiden uns vor-
Ho L. 1787. Supplcmentband,

■thellhaft sey, und am Fede der Himmelfahrt Maria«
schildert er sie nach Luc. 10, 42 als eine arbeitsa-
me, gottselige Hausmutter. Freylich lind die Be-
weise etwas weit hergeholet, und das ist auch das
einzige katholische in der ganzen, sonst vortressi-
cheiTPredigt. Am Felle der Geburt Mariae sucht
er ihre Tugenden auf, und bestimmt ihre Vereh-
rung in Nacheiferung dieser Tugenden. S. 129
heisst es: “So belicht denn die Andacht zu Maria
„nicht £0 faß: (wohl) in Worten, als in Handlungen,
„nicht bloss in Gebetssormeln, sonderri vorzüglich
„in der Ausübung ähnlicher Tugenden. Dies ist
„nun ganz ein anderes Wesen, als die gewöhnli-
che Idee, die man sich von einem Verehrer Mari-
dens macht. In einer Hand den Rosenkranz in der
„andern die Bruderschaftssorme-1 und um den Hals
„das Skapulier — so ist der Verehrer Mariens fer-
, ,tig.„ Aus das Kirchweihsest predigt er nach 2 Chr.
7, V2 im ersten Theile katholisch vom Messopfer,
doch nicht crass , im zweyten Theile aber vom Ge-
bete. S. 160 giebt er eine sehr akatholische, An-
weisung zum Gebete. „Redet wenig, aber den-
„ket und empfindet viel. Es kömmt hier nicht aus
„die Worte an, die der Mund spricht, die Em-
pfindungen des Herzens lind es, die Gott ansieht.
„Laßen sich diele aber wohl aus einem Gebetbuche
„herauslesen? Müßen sie nicht von euch selber
„in eurer Seele erwecket und unterhalten werden?
„Das gedruckte Gebet, das Werk eines andern
„Menschen, dellen Herz ganz anders, als das eu-
„rige gestimmt war, dellen Einsichten und Lebens-
„umllände von den eurigen verschieden waren-!-'
„wie könnte es immer mit dem eurigen harmoni-
„ren? wie eurer Lage gerade anpassen? und wie
„oft könnte man euch mit den Worten fragen,
„mit welchen einst Philip jenen Hössing fragte:
„verstehll du auch wohl, was du liesert? Wie,
„ihr verlieht es nicht ganz? ihr redet mit Gott»
„ohne recht zu wißen5 was? und dies nennt ihr
„Gebeth? “ Dann folgt noch eine Predigt aufdaä
Kirchweihsest über Luc. 19 , 2 wo der Vf. von deut
Missbrauche der Reichthümer, Ehrenstellen u. s. w.
sehr gut redeti ob ihm gleich das Fell gar keine
und der Text nur durch AccQinmodation Gelegen-
em fieit
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