Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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und links tim einen grössern Schritt, als den von
2, oder als die Grölse {einer Fropte thun . und
doch keine Distanz verlieren, sondern seinen Fnss
neben den Fuss seines Vordermanns setzen. Wird
er aber alsdenn nicht in manchem Vorsall zurück-
fallen ? —
SCHOENE WISSSENSCHAFTEN.
Leipzig, bey Breitkopf: Friedrich mit der ge-
bißnen Wange. Zweyter Theil. 1786* 376 S. 8«
Dieter zweyte Theil begreift den Zeitraum von
1289 bis 1307, in welchem AlberFs Krieg mit sei-
nen Söhnen, Kaiser Adolfs Verheerungen in Thü-
ringen, Friedrichs vielfältige Gesahren und Leidem
eben desselben Siege und Heldenthaten, des Va-
ters Auslohnung mit seinen Söhnen , die Entfüh-
rung der Fräulein Elisabeth, der Tod des Apitz,
welcher die Veranlassung alles Zwistes gewesen
war , vorkommen ; den Schluss endlich dieses Theils
macht Friedrichs Achtserklärung. In der That ei-
ne Menge interessanter Begebenheiten , die, mit
mehr Phantasie und Affect bearbeitet , sehr viel
Anziehendes für den Leier haben miissten; beson-
der.s musste der Krieg des Vaters gegen seine eig-
nen Söhne, die Versöhnung mit ihnen , Apitzens
Zusammenkunft mit seinen Brüdern und sein Ster-
bebette grosse W'irkung thun, wenn sie krastvol-
ler ausgeführt wären, Die Darstellung der Bege-
benheiten in der historischen Ordnung, in der sie
lieh wirklich ereignet haben, ermüdet in die Län-
ge. Da bekanntlich die ganze Form dramatisch,
und im Grund dieses Werk ein grosses historisches
Schauspiel ist, so muss der Vers. theils wichtige
Scenen zu schnell abbrechen, theils oft durch un-
wichtige Gespräche den Vortrag zu weitläufig ma-
chen, da, wo der Leser bey der erzählenden Ein-
kleidung weit kürzer weggekommen wäre. Land-
gras Albert ist ein gar zu hartherziger Vater, und
seine schandervolle Graufamkeit macht leine nach-
herige Aussöhnung beynahe unglaublich. Interes-
santer ist die Rolle seiner Gemahlinn, die ihm im-
mer einredet. Kaiser Adolf ht zu schwarz geschil-
dert; S. 314 fpaltet er selbst einem den Kopf vor
unsern Augen. Als Gemälde betrachtet» haben
viele Austritte'('z- E. die Scene der Plünderungen
und kriegerischen Frevels ; einen hohen Grad von
Wahrheit, und das Costume jenes Zeitalters ist
recht gut beobachtet. Bey dem Dialog scheint der
Verf. den Umstand zu sehr benutzt zu haben, dass
sein Werk nicht für die Bühne bestimmt ist ; denn
sein Dialog ist ost zu declamatorisch und geschwä-
tzig.
Regensburg, bey Montag: Kleine Gefchichten
und Aufsatze vermifchten Inhalts , von Albr.
Chrißoph Kaifer, H. F. Thurn und Taxischen
Bibliothekar. Zweytes Bändchen. »786. 210
. S. 8. (10 Gr.)
Diese kleine Arbeiten sind dem Werthe nach

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unter einander verschieden, aber keine ist dabey.
die nicht von derjenigen Leserklasse , für die sie
zunächst bestimmt sind , mit Vergnügen gelesen
werden sollte. Hr. K. erzählt lebhaft, unge-
zwungen, und, einige nicht sehr auffallende Pro-
vincialismen abgerechnet, meist correct. Hier,
und da, besonders in den altern Aussätzen, die
hier zum zweytenmal abgedruckt sind , fällt er in
den Ton der empfindsamen Romane, den der Sieg-
wart angab , und von dem er lieh künftig gewiss
ganz losmachen wird.
Berlin und Stettin , bey Nicolai : Bibliothek
der Großfürßen Alexander und Conßantin, von
ss K. M. d. K a. R. Sechste.r'und Siebenter
Theil. 1786. lAlph. n Bog. (1 Rthlr. 12 gr.)
Die Manier der erlauchten Schriftstellerin ist
sättsam bekannt, und sie ist derselben auch in die-
len beiden Bändchen, die ein Stück aus der Rusiw
schen Geschichte, mit Simplicität , Ordnung und
Auswahl erzählt, liefern, vollkommen treu ge-
blieben.
Tübing, bey Cotta: Schwäbißher Mufenalmct-
nach fürs Jahr 178/ ; herausgegeben vpn.
Gotthold Friedr. Stäudlin. 185 S. 8-
Ausser dem Herausgeber und einigen Unge-
nannten Verfaß", haben die Herren Bührer , Conz ,
Friedrich, Haug, Hübner, Neuffer, Reinhardt,
Weißer, Beyträge geliefert. Bey weitem die mei-
sten drückt die bleyerne Mittelmäßigkeit ; unter
Hn. Haug’s Epigrammen sind einige, die die Pro-
be halten.
VERMISCHTE SCHRIFTEN.
Altenburg, beyRichter: lieber geh eime Wißen-
fchasten Initiationen und neuere Verbindun-
gen.. Erster Band. 186. 363 S. 8- Zweyter
Band. 1787. 320. S.
Das Werk hat keine Vorrede, man weiss also
nicht, was die Absic- t dieser Sammlung sey? wie
derTittel dazuentstand ? und wie viele Bände noch
rückständig sind ? Der ungenannte Herausgeber
lässt Auflatze wieder abdrucken , wovon einige
nur sehr entfernt mit dem 1 itel verwandt sind,
viele gar nicht,; so kann das Werk zu hundert und
mehrern Bänden anwachsen- Man weiss nicht leiten,
ob die einzelnen Stücke schon gedrückt sind, auch
nicht wo ? und die wenigen Noten des Herausge-
bers klären auch nur weniges aus. Wir wollen
nur ein paar der wichtigem Auslätze nennen. Die
erste Abhandlung von S- 17 ,,iiber die
„Magie der Alten.“ Anfangs scheint dies Stück
unverändert abgedruckt zu seyn, wie es ein Jacob
Böhm, Aegidius Gutmann oder Reg. Scott konnte
geichrieben haben, und der berichtigenden Noten
des Herausgebers sind wenige. Nachher wird der
Ton belfer , und man bemerkt die Umarbeitung
eines vernünftigen Mannes. Im Ganzen aber scheint

SUPPLEMENTE
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