Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

Page: 117
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sie eher da zu flehen , unsern magischen Zeitge-
noßen Appetit zu machen, als sie abzuschrecken.
2. ,,Die neue Atlantis, ein unvollendetes-Werk des
„Canzler Bctco von Uerulcim.“ Dieser Traum ei-
nes grossen Mannes , gleich der Republik eines
Plato, der Utopia eines Morus, oder der Sonnen-
ftadt eines CampanellaT. gehört fchon nicht mehr
in ein Werk über geheime Wissenschasten , Initia-
tionen u. s. w., und das Salomonifche Haus gleicht
eher einer Gesellschast der Wissenschaften , als ir-
gend einem geheimen Orden« Wer so , wie Baco
wünlchte, die Natur studirt, iß sür tausend gehei-
me Thorheiten verdorben. 3) „Nachricht an
„Frankreich betresfend die wahre Geschichte der
,-Brüderschaft vom Rofencreuz. Aiisgesetzt von
„G. Naude, nach dem zu Paris 1623 gedruckten
„Original überse.tzt, und mit Anmerkungen be-
gleitet.“ Naude s Apologie pour les grafids Per-
soi.iages, qui ont ete sau/fement foupfonnes de Ma-
gie, die auch D. Reiche in seine Acta magicd/l'. II.
übersetzt, mit ausgenommen hat, iit sehr bekannt,
dies Stück aber seiten und sehr unbekannt geblie-
ben. Hr. Nicolai konnte es nicht austreiben , und
Hr. D. Semler scheint es gar nicht zu kennen. Un-
ser Hr. Herausgeber fand es in der Ersurtischen
Universitäts-Bibliothek, und verdient unsern Dank
für dessen Mittheilung. Naude’sStil ift unverkenn-
bar, er durchwebt alles mit Versen und Sentenzen
aus den alten Römern, und ist für einen Leser,
der kein Latein versteht, ungeniesbar« In derGe-
schichte der Rosencreuzer selbst aber kommen wir
durch Aussindung dieses Aufsatzes um nichts wei-
ter , Naude geht von der Ausgabe der
Fama und Confellion aus , kennt ältere Docu-
mente nicht, und ist ein Schwätzer, der zu seiner
Zeit vielleicht einigen Nutzen stiftete, jetzt aber
sehr entbehrlich ist. Seine Schilderung im ersten
Kapitel „über die Neigung der Franzosen, allerley
neue und lächerliche Meynungen anzunehmen,“ ist
indeffen noch immer brauchbar. 4) Einige Rofencreu-
zer Statuten. Die 6 Artikelaus der Fama, die Special-
Artikel aus Sperbers Echo der Fraternität, und die
Capitulatio aus der „Bereitung des philosophischen
Steins. 8- Breslau 1417. “ alle nicht unbekannt.
II. Band. Als Auszug aus Harenbergs Geschichte der
Jesuiterordens und andern Schristen ganz brauch-
bar, nur nicht genug ausgeführt. 2) „Entwicke-
,,lung einiger Grundsätze nach den geheimen Lehr-
,,begrifsen des Pythagoras und aller achter Liebha-
,,ber der Weisheit des Alterthums, nebstNachricht
„von einer analytischen geheimen Gesellschaft. “
Bereits einzeln gedruckt und Rec. nicht unbekannt.
Auch kennt Rec. wirklich mehrere, die aus Bon-
homme den Köder angeb’ssen haben, und glaubt,
dass diese geheime Gesellschast in so weit, als es
die unbekannten Obern wiinschten, zu Stande be-
kommen sey. Von Dauer wird und Toll sie ver-
niuthlich eben so wenig seyn, als die sogenannte
patriotifche, wovon Rec- die Einleitung zu einem

Planen, s. w., vor sseh hat; den unbekannten Un-
ternehmern ist es genug, den Leuten an den Zahn
gefühlt zu haben. Entwickelt sind die Ideen emes
Pythagoras eigentlich nicht, wohl aber umwickelt
weil sie dann siisser schmecken. Mejfieurs de la
Söciete analytique' de Ha.mbourg d Ekambourg wer-
dens ja wohl wißen , was sie wollen. 4) „Ueber die
Geisterlehre der Alten und deren Meynungen von
Gespenstern und dem Aufenthalt der Seele nach
dem Tod. (e) Eine Abhandlung des Hm. Simon,
aus den Memoires de üctcademie des Inscriptions ge-
zogen, und mit Berichtigungen und Anmerkun-
gen vermehit. “ Wer von der ganzen Sache noch
nichts weiss , kann aus dieser Abhandlung etwas
lernen; für die übrigen ist sie ein seichterLücken-
biisser. 5) „Die Sonnenftadt, oder Idee einer phi-
losophischen Republik ; aus dem Lateinischen des
Campanella Auszugsweise übersetzt.“ Hat weder
mit den geheinren Wissenschaften noch mit Initia-
tionen zu thun. Sich eine philosophische Repu-
blik träumen, können auch Profane. 6) „Etwas
über den Pythagoras und dessen Lehre nach
fjamblich und andern. “ Etwas vernünftiger»
als Nro. III. Aber im Eingänge spricht der
Heide Jamblich heidnisch, da man nur vermuthet,
dass uns ein Christ nach dem sscimblich etc. mit den
Lehren des Pythagoras bekannt machen will. Soll-
te der Herausgeber dies Werk noch weiter fortse-
tzen wollen, wozu ihm die alten Polterkammern
eines Agrippa von Nettesheim u. a. m. Stoff ge-
nug liesern können, so müßen wir wenigstens ra-
then, mit etwas mehr Kritik zusammeln und mitzu-
theilen.
Würzburg: Ueber die kirchliche Unfehlbarkeit;.
von Kari zum M. 1786- 252 S« 8. ( 12 gr. )
Dass die Untrüglichkeit der kathol. Kirche die
Hauptseheidewand zwischen Katholiken und Pro-
testanten sey, ist beiderseits anerkannt, und Hr.
Prof. Schnaubert in seinem neuften Buche über die
Mittel fich vor dem Katholicismus zu hüten , gesleht
es ausdrücklich ein- Es wäre daher höchst wich-
tig, dass sie einmal genauer bestimmt und erklärt
würde. Der Freymüthige von Freyburg hat in sei-
nen Hesten dagegen fehr erhebliche Zweifel auf-
geworfen ; weswegen er aber vom Ketzermacher
P. Merz auf össentlicher Kanzel, und dem Lustig-
macher Erich Servati, und Hm. Rath von Schön-
berg in Schristen derb belehret wurde. Jetzt tritt
unter Verf«, ehemals Prof der Geschichte auf der
Innsbruker Universitäs, nun Universitäts - Biblio-
thekar in Wien , auf, nimmt sich des mishandel-
ten Freymüthigen an, läugnet der Kirche die Un-
trüglichkeit, lagt zuerst feine Beweife, und wider-
legt alle drey Gegner nach der Reihe. Aber wir
müßen dabey billig bedauern , dass auch durch
ihn unfere Wünsche bey weitem nicht ersüllt, und
in der That diese Materie mehr verwirrt, als auf-
P 2 geklärt

ZUR A. L. Z, 17S7.
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