Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

Page: 113
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1786_1787/0182
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
YiS SUPPLEMENTE-

Zoll lang and von der Dicke eines mässigen Sei-
densadens. Er machte verschiedene Krümmungen;
bald bog er sich wie eine Feder, bald wie eine
Schnecke; bald richtete er sich senkrecht, bald
quer; bald bewohnte er die Gegend des grossen,
bald des kleinen Aus.enwinckels. Das Auge war
nicht entzündet; aber die durchsichtige Hornhaut
war Himmelblau. Hr. Strunz in Wienerischneustadt
hat eine hieher gehörige neue Entdeckung ge-
macht. Er hat bemerkt, dass die Spinnssiege vor-
züglich die jungen Lämmer verfolgt; dass lie bey
diesen Thieren die äussere Decke der weichen Hirn-
decke der Fontanelle) durchschneidet, und die
Eyer in die Wunde bringt; dass die Natur allda
diese Brut mit einer Haut umhüllet, die blutiges
Wasser enthält, in der sich dann die Würmer ent-
wickeln, und den Thieren die Krankheit erregen,
die man das Drehen der Schaase oder den Schwin-
del nennt; dass endlich ein Anstrich von Pech oder
ein Pssaster auf die Fontanelle den Stich der Fliege
verhindern und diesem Uebel vorbauen könnte.
12) Von Bauchssüßen. 13) Von Verstopfung des
Harns. 14) Von der Kolik. Bisweilen entlieht
die Kolik von Steinen in den Därmen. DieserFall
ereignet Geh zwar seiten; inzwischen verfallen die
Thiere, die Steine bey Geh tragen, oft in Koliken,
weil sie die empfindlichen Theile reizen, drücken,
preßen, besonders wenn sie zu einer gewißen Grö-
sse gelangen, oder zahlreich in den Därmen sind.
Hr. /F. hat bey seinem ehemaligen Lehrer LaFojse
dergleichen Steine von acht Zoll im Durchschnirte
gesehen. Iß) Von dem Wurm. Diese Krankheit
erscheint mit einer grössern, oder geringem Zahl
Beulen, die sich bald an einem, bald an dem andern
Theile des Körpers in runden Knoten erheben. In
Frankreich ist diese Krankheit am häufigsten, be-
sonders in Paris; dann solgt Holland, Oflfriesland,
Hollstein, Dännemark und der grösste Theil von
Deutschland ;—vorzüglich aber die Städte, in wel-
chen es viele reiche Leute, und viele nachlässige
Pferdewärter giebt. 16) Von der Räude der Pfer-
de, des Hornviehes und der Schaafe. 17) Von der
Rehe oder dem Verschlagen der Pserde.
Augsburg, b. Riegers Söhnen: Johann Gott-
sried Eflich — Lefebuch für angehende und zu-
künstige Mütter. 1787-8. 22 u. 276S. (icgr)
Da es bey den hier abgehandelten Gegenwän-
den besonders nützlich ist, wenn mehrere Sachver-
ständige ihre Anleitungen bekannt machen, damit
gewiße medicinische Verhaltungsregeln in allge-
meinem Umlauf kommen ; so muss man die Bemü-
hungen des Vf., Schwängern, Kindbetterinnen und
Kindern eine gehörige Lebensordnung vorzuschrei-
ben, selbst bey den beßern und gründlichem
Schristen, die wir darüber haben, billigen, beson-
ders da jede Gegend ihre eigenen Vorurtheile bey
der Lebensordnung der Mütter und Kinder hat, die
nur von einem Kenner derselben bestritten werden
können, Ree. hält es daher auch für eine vorzüg-

liche Eigenschaft dieses Buches, dass es manche
Fehler im Verhalten der Schwängern und der Kin-
der bestreitet, die zwar an andern Orten auch nicht
vermieden werden, in der Gegend des Vf. aber
in solchem Maass im Schwange gehen, dass man
die üblen Folgen davon nur zu allgemein beobach-
tet. Unter diese gehört das b?y jedem kleinen
Zufall vorgenommene Aderläßen der Schwängern
und die Gewohnheit, den Kindern einen Lappen
in den Mund zu geben, aus welchem fie den Sast
von hineingewickeltem Brod, Zucker und anderm
Zuckerwerk heraussaugen. Rec. kennt aus vielfa-
cher Erfahrung die grossen Nachtheile dieser Ge-
wehnheit, welche den Kindern gerad das raubt,
was man durch sie zu erhalten sucht, Gesundheit
und Ruhe, und ausser der Entstellung des Mundes
die schlimmsten Krankheiten- der Zähne und des
Unterleibes veranlaßet. Manche solche besondere
Gewohnheiten sind auch in dem Artikel von der
Kleidung der Kinder bemerkt und mehrere, beson-
ders beym Einwickeln der Kinder, hätten noch be-
merket werden sollen. Der Vortrag ist übrigens
nach den sechs natürlichen Dingen geordnet, und
das Verhalten der Schwängern, der Gebährenden,
der Wöchnerinnen und der.Kinder ist in so vielen
besondern Abschnicten abgehandelt. Der Vs. giebt
auch hin und wieder Arzneyen an, zur Beförderung
der Wehen, u. s. w., die leicht gemissbraucht
werden könnten- Ueberhaupt hätte der Vf. auf sei-
ne Arbeit mehrern Fleiss wenden, nicht so weit-
schweifig seyn, und nicht so mancherley fremde
Dinge, Gedichte und dergleichen einmischen süllen.
Unter den Vorschlägen befinden sich auch einige,
nicht ausführbare oder schädliche. So sollen z. B.
S. 35- Schwangere, die einen schlatfen und ver-
schleimten Magen haben, Rhabarbar mit Salpeter,
Seigne ttefalz, oder einem andern Mittel filz nehmen,
und der Vf. bedenket nicht, dass der Salpeter die
Erschlassüng vermehren wird und dass Salpeter und
Seignettesalr von einander zu unterschieden in der
Wirkungsart sind, als dass man die Auswahl unter
beiden den Kranken selbst freylassen könnte. Nach
S. §6. soll die Schwangere durch den Entbindungs-
arzt die Lage ihres Kindes untersuchen laßen da-
mit sie von ihm ersahre, wie sie sich legen soll.
wenn sie zu Bette gehet- Nach S. igo. weiden
kleine Bratfische (in ausgeschmelzter Butter und
Mehl braungebratene Fische, eine bey jeder Krank-
heit höchst ungesunde Nahrung, die Hr. Senfti
auch dem letzten Churfiirsten von Bayern erlaubte)
der Wöchnerin in den ersten Tagen zur Nahrung
empfohlen, und nach S 240. soll das Kind in den
ersten zwölf Wochen alle Tage gebadet werden.
Manche Vorschläge hätten gar nicht in ein Buch,
welches der Vs. für die hohem Stände bestimmt
hat, kommen sollen, z. B- dass sich eine Schwan-
gere die Nägel sseissig absehneiden, das Haar alle
Tage auskämmen soll, u. s. w. Viel zu umständ-
lich ist auch der Vs., wenn er Schwangere warnt,
im Einstern keine Treppe zu besteigen und ohne
Führer
loading ...