Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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SUPPLEMENTE

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was war Achillens Trist', sein Wunsch und sein Ver
spreclien ?
Es war : Patroklus Tod am Hector selbst zu rächen.
Der letzte Vers scheiat nach irgend einer srem-
den oder eignen Emendation übersetzt zu seyn;
wenigstens wißen wir nicht, aus der gemeinen Les-
art, diesen Sinn heraus zu zwingen* Vielleicht las
der Vf. cfß/og , er war glücklich, in-
dem er sagte, versprach, den Tod seines Freun-
des zu rächen. S. 47 wird die Stelle im Grab-
liede Bions auf die Vergistung dieses Dichters so
isbersetzt:
-— — o, wie könnt’ ein Mensch
so wenig Mensch seyn, dir das Gist zu mischen;
und solch ein Feind der Masien, den Befehl
zu geben, dass man dir es reichen siolle.
„Wer war der Grausame, sagt dagegen Mo-
fchus, der dir den Gistbecher mischte oder zu trin-
ken besahl? Ihn nennt die Muse nicht.,, Wenig-
stens glauben wir das: sn(puyev wSscv darauf bezie-
hen zu müßen, dass die Musen den Namen eines
solchen Unmenschen zu verewigen oder nur zu
nennen verabscheuen. Sein Name soll in ewiger
Vergessenheit begraben werden. — In der kleinen
Vorerinnerung zu Anakreons Liedern wunderten
wir uns , das Mährchen von dem Weinbeerenkern,
an dem der Teier Greis erstickt seyn soll, wieder
als Wahrheit erzählt zu finden; kein Wort dage-
gen wird über die Aechtheit oder Unächtheit so
vieler Anakreontischer Lieder gesagt. Ueber die
Uebersetzung der lyrischen Stücke haben wir schon
im allgemeinen geurtheilt* Dass sie vieler Ver-
besserung bedars, wird schon eine ssüchtige An-
sicht einiger Stellen lehren. S. 63 da sah ich —
sah ein Kind: es trug’n Bogen. — Amor trifft mir
mitten in das Herz une'n Oeftrus- Der Vf. hatsichs
mehreremale mit dergleichen Abkürzungen be-
quem gemacht. So S. 8^ h iß nicht nöthig, S- 93
ft hat eine kleine Schlange, — S. 65 Rofe, die der
Sohn Cytherens [ich mit Veilchenin den Kranz flicht.
Die Veilchen sind ein Zusatz des Vf., für den er
das schone wollichte Haar des kleinen Gottes aus-
gelaßen hat: denn hossentlich wird er nicht xaXovft
«ouXou? mit nxKd [a. verwechsel.t haben. Das Ende
dieser Ode iß undeutsch und tchleppend:
Kröne mich : und fo bekränzet,
will ich Vater Evan singen
und mit busenfchönen Mädgen,
auch bekränzt mit Rosenkränzen»
einen Reygentanz beginnen. —
S. 67. Amor ruft dem armen, vom Laufen und
dem Stiche der Schlange entkräfteten Anacreon
-zu: Lebe, lebe; um zu lieben! Wie passt aber d.iefer
Sinn in diefen Zusammenhang, und wie liegt er in
Avacreons Worten: cm ydg dv (psiSjcraf
die nichts als einen feinen Spott auf den armen
Dichter enthalten, der den Qualen der Liebe nicht
gewachsen War- Du kannst sprach Amor, nicht

TteKeia. S* ?c die Taube an Anacreon :
geh nun, fonß werd ich plauderhaster als die ge~
fchwäzge Krähe. Der griechische Anacreon lässt
die Taube sagen: du hast mich geschw'ätziger als
eine Krähe gemacht. S* 74 was soll man von aus-
sen streiten, wenn von innen in uns Kampf ift? —
S. 83 bestellt sich der deutsche Anacreon bey dem
Maler seines Mädchens eine Bogennafe für sie. Der
Grieche würde sich ein griechisches Profil bestellt
haben , gewiss keine gekrümmte Nase, S. 87 Ich,
der Niemand wnirgte, will den Wein nur würgen.
Dem Griechen genügte es zu sagen; will den Wein,
nur trinken,
Lemgo in d. Meyersch. Büchhandl. IFilh. Fried.
Hezels Anweifung zum Chaldaeischen, bey Er-
mangelung alles mündlichen Unterrichts. 1787»
8* 124 S* (6 gr. )
Die Vorrede sagt, dass Hr. H. hier über Micha-
elis Grammatica chald. Goettingae 1771. g., habe
commentiren wollen, doch mit manchen Zusät-
zen. Er spricht auch ganz im Stil der Vorlesun-
gen u. berust sich auf seine kleine Grammatik im-
mer als „Autor.‘c Dass nun aber Vorlesungen
zugleich für Avtodidacten paßend u. zweckmäs-
sig seyn süllten, dies scheint sreylich entweder den
Begrift'der Vorlefungen oder der ankörnenden Aus-
schrist, „ bey Ermangelung alles Mündlichen Un-
terrichts „ zu widersprechen. Genug! Wer kei-
ne Vorlesung über chald Sprachlehre hören kann,
hat hier eine zum Nachlesen, so wie der Hr Vf.
auch schon (‘784.) eine über das Arabische gege-
ben hat. Neues in Darstellung des Ganzen, oder
in Entwicklung einzelner Formen haben wir, so
viel wir gelesen haben, (denn wer will eine ge-
wöhnliche Sprachlehre von Wort zu Wort durch-
lesen) nichts gefunden. Manche Unrichtigkeiten sind
den Autodidakten doppelt beschwerlich, Z. B. S.
10 dass im Arab. allezeit (jjj sei, S. 15. die
Pafßve der Hebräer haben bekanntlich (!!) keine
Imperative, S. 8- dass die Chaldäer das hebr. nur
dann in u. das in verwandten, wenn die
Araber dort und hierfijsezen. Umgekehrt viel-
mehr. Die Araber, welche bekanntlich von den
Syrern erst Buchstaben erhielten, bekamen eben
daher auch jene Unterscheidung durch zweyerley
Zeichen. Schneidet man das viele Unnöthige von
der Grammatik ab , wie, um von kleinen Stucken
nicht zu reden, ganze Capitel z. B. von der for-
matio nominum , von den particulis separabilibus
hieher gar nicht gehören, verlieht man zugleich
die Kunst, io viele Particulärregeln auf allgemei-
ne Sätze zurückzuführen, macht man endlich da,
wo keine grammatikalische Ursache, sondern bloss
Sprachgebrauch zu bemerken ist, nicht unnöthi-
ger Weise Regeln über Regeln, so konnte die
Sprachlehre von jedem der Orientalischen Dialekte,
insond. aber die chaldäische, auch für dem Selbst-
lernenden, ungleich kürzer u zugleich doch un-
gleich, deutlicher erscheineji, Wie oft ist hier das
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