Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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ZUR A. L. Z. 1797. 2l4

in das Feuer, welches bereitet ist sür den Teufel,
zur Strafe nemlich seiner Hossarth; der Teufel aber
ist ein Geist, mithin muss das höllische Feuer auch
Geister peinigen können. Zwo Eigenschäfcen
muss also dies Feuer haben; es muss seyn ein
wahres und natürliches Feuer, welches die Leiber,
ein übernatürliches Feuer, welches die Geister pla-
gen kann. Wäre es kein natürliches, elementa-
risches und wahrhaftes Feuer, so könnte es dem
Fleisch eben so wenig Schmerzen bringen, als ein
gemahltes Feuer. Öder rvas ist dann die Gleich-
niss mit einen Feuer als einen Gemählde? wer hat
jemaln (s) an einem gemahlten Feuer auch nur ei-
nen Finger verbrannt u. s. w. Noch müßen
wir bemerken , dass diese Predigten Faßenpredigten
heissen, nicht aus dem Grunde, weil sie Texte
aus der Leidensgeschichte Jesu erörtern, sondern
aus dem Grunde, weil sie zur Fastenzeit gehalten
worden sind. Sie bestehn aus vier Abteilungen,
deren jede sünf Predigten in sich fasst. Die letzte
Abtheilung ist von dem Hn. Herausgeber nicht ru-
bricirt worden: „Die ewige Beraubung des gött-
lichen Angesichts, ein ewiges mit entsetizlichen
Feinen vergesell Gehastetes Leben/4 Kurz die Hölle,
die allerangemessenste Strafe für den unbussertigen
Sünder.
N. 2. enthält 16 Predigten, die, wenn sie sich
auch nicht durch Neuheit der Hauptsätze auszeich-
nen , sich doch fast durchgängig durch einen deut-
lichen, populären und gründlichen Vortrag em-
pfehlen': u wenn gleich Hr. H. selbst eingesteht.
dass er sich durch die Schriften eines Less, Spal-
dings, Zollikofers u, s. w. gebildet habe; so
müssenwir ihm doch die Gerechtigkeit wiederfahren.
lassen, dass er nicht knechtischer Nachahmer die-
ser Männer gewesen, sondern seinen eignen origi-
nellen Gang zu behaupten gewusst hat. Auch ge-
reicht ihm das zum Verdienst, dass er bey jeder
Gelegenheit« auf das Locale und das ßedürsnifs
seiner Gemeine Rücksicht genommen. So sind
wir z. E. gleich in der ersten Predigt auf sehr nüch-
terne und gründliche Bemerkungen über Toleranz
und christliche Duldung, u- was derselben entge-
gen steht, gestossen. Eben so hat er in der ijten
Predigt von der Unvergänglichkeit der. chrißliehen
Lehre, seine Gemeine belehrt, aus welchem richti-
gen Gesichtspunkt sie die seit einigen Jahren ge-
schehene Abänderung mit dem Hasten, Feyertagen,
Procelsione^Wallfahrthen u.s. w. betrachten musse:
er sagt dabey: „Wenn ihr vielleicht besürchtet» die,
bey denen diese Uebungen nicht gebräuchlich wa-
ren, -würden euch den Vorwurs machen, dass ihr
ihnen immer näher kömmt: so bitte ich euch, M.
Th., zu bedenken, dass uns vor dem Himmel und
der vernünftigen Welt, nichts so sehr zum Ruhm
gereichen kann, als wenn wir ohne Heucheln und
gleichgültig zu werden, in allem nachgeben, wor-
inn wir nur nachgeben können; alles wegzuräu-.
men uns bestreben, was ihnen nur immer zum
Anstofs dienen kann; u, ihnen auf diese Weise

brüderlich entgegen treten, und die Hand zur
völligen AussÖhnung und Vereinigung darbieten«.
Ich bitte euch, zu bedenken, dass es eben dieses
ist, worinn Paulus seine Gläubigen mit einander
zu wetteifern so nachdrücklich ermahnte , indem
er so nachdrücklich daraus drang, sich einander
durch Nachsicht, durch Schonen und Liebe, zu-
vorzukommen ; u. dass ihr so wenig für den Unter-
gang eurer Kirche zu sorgen gehabt, dass es viel-
mehr das wahre Mittel ist, ihre Gränzen zu erwei-
tern , und ihren Ruhm u ihr Ansehn zu erhalten,
und auszubreiten.“ Weniger hat Rec. die Predigt,
über die besondere Vorsehung Gottes gegen die
Menschen in dem Dienste seiner Engel gefallen.-
Denn die im ersten Theil besonders aus dem A T.
geführten Beweise von dem Schutz der Engel hal-
ten keinen Stich, obgleich, was über die Nachah-
mung der Engel im 2 Theil getagt worden , ganz
gut ausgesührt worden ist. Eben so kann auch
Rec. in der Charfreytagspredigt» über die Verherr-
lichung Gottes durch das Leiden und denTodJestL
nicht alle Vorstellungen des Hn. H. von dem Ver-
söhnungstode ihm unterschreiben. Am Ecste des
Fronleichnams unsers Herrn hat Hr, H. von dem
Abendmahl u. zwar von der Hoheit u. Würde, dem
erhabenen Zweck, u. dem seligen Nutzen Rieser
Stiftung sehr zweckmässig u. erbaulich geredt’
und nur mit zwey Worten die Transsubstantiation.
berührt, die er nicht sowohl als Lehre der Schrist
sondern der Väter anzunehmen fcheint. Eine der
baten Predigten in dieser Sammlung, ist. die.
zwölfte, von einigen Ursachen des Verdesbnisses
unserer Zeiten, über Matth. iy, 24 - 30. die ob-
gleich Hr. (?. auf manches Locale darinn Rücksicht
genommen zu haben fcheint, für unser gegenwär-
tiges Zeitalter alle Beherzigung verdient.
KIN DE RS CH RI FTEN.
Leipzig, b. Crusius: Brieswechfel der Familie
des Kindersreundes, Siebenter Theil.
284 S« in g.
Auch der gegenwärtige Band dieses bekannten^
und beliebten Werks ist reich an angenehmen und
nützlichen Unterhaltungen für die Jugend- Briefe,
Erzählungen Fabeln, Gedichte und Schauspieltr
von anziehenden und lehrreichen Innhalt und an-
genehmen aufgeweckten Vortrage wechseln unter'
einander ab. Ueberall liehet man darinn die Ab-
sicht des Vf. die Empfindungen seiner jungen Leser
zu verseinern und zu veredeln. Was uns aber
nicht daran gesällt, ist, dass durch Innhalt und
Vortrag oderSchreibart sür jedes jugendliche Alter
zugleich gesorgt werden soll Es ist nicht mög-
lich, recht zweckmässig sür die Jugend zu schrei-
ben, wenn man zugleich sür eigentliche Kinder'
und erwachsene Jünglinge oder mannbare Mädchen1
Schreiben will. So find in diesffm Elatide verschie--
dene Aufsätze, die nur fürs letztere? gehören und-
denen eigentlich verständlich und ufiffzlich seyn1
D d 2 können
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