Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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72 Buchwiß Briefe
„genau nicht nehmen: so ist ja also mein Heil
„schon gesichert, so bin ich ja ohne Eifer in der
„Gotts ligkcit schon begnadigt: u. si w.„ Und
daher kommts hernach, daß er sich bey überwie-
genden Reitzungen zur Sünde durch die Finger
steht, und nimmermehr recht brennend begierig
wird, alle Sünden von sich zu schaffen, und an
der Ausübung aller seiner Pflichten unermüdet
zu arbeiten.
Soll uns das thätige Christentum mehr Ernst
werden (und darauf kommt alles an) so müssen
wir andere Begriffe von feiner Notwendigkeit
haben. Wir müssen unfern Zuhörern deutlich sa-
gen, daß zwar der Tod Jesu unsre Sünde (pro
praereruo) versöhnt habe, und also die positiven
Strafen von Gott ohne Nachtheil seiner Ehre er-
lassen werden können, daß aber damit i) die na-
türlichen Folgen der Sünde in Zeit und Ewigkeit
nicht aufgehoben sind, wofern wir uns das Blut
Jesu, wie Paulus im Briefe an die Hebräer redet,
nicht auch heiligen lassen: und r) daß wir ohne
diese Heiligung jener ewigen Seeligkcit (deren Hof-
nung der Tod Jesu begründet hat), nicht em-
pfänglich werden können. Ich sage empfänglich.
Denn ich betrachte die Seeligkcit hier als natlw-
liche Folge der moralischen Güte: nemlich als
Ruhe und Freude der Seele, die natürlich entstehet,
wenn ich geheiligt bin. Und dieses sollten wir
unfern Zuhörern oft einschärfen. „Beharret ihr
in
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