Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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IFQ Der christliche Diogenes.
der ihn in der Folge in ein Labyrinth der Verkehr-
resten Behauptungen leitet.
Wer hat ihm denn wohl gesagt, daß jene
Macht und die damit verbundene Gabe der Un-
trüglichkcit sich fortgepflanzt habe. Das ist ge-
rade zu wider den Augenschein der Geschichte. Und
man lese, wie der Verfasser §. 26. seiner eigenen
Behauptung widerspricht. „Der heilige Geist
„wirket nicht mehr durch eine solche unmittelbare
„Eingebung in uns, welche cs unmöglich macht,
„daß man sich irre,, — welches auch §. zr. ein-
gestanden wird. Wie ist es also möglich, daß der
Verfafferhier auf diesen Jrrthum gerathen konnte,
La nicht nur die Geschichte zuwider ist, sondern
auch die tägliche Erfahrung uns lehret, was er§.6i.
selbst bekennet, daß ein Beichtkind den Beichtva-
ter hintergehcn, und folglich ihn der Gefahr, mit
seiner eingebildeten Macht Sünden zu vergeben,
an den unrechten Mann zu kommen, unterwerfen
könne. — Und wozu wäre es auch nöthjg ge-
wesen, daß Christus jene Gaben hätte fortpflanzen
lassen? Er crtheilte sie seinen Aposteln, um ih-
nen das nöthige Ansehen zu verschaffen. Da aber
die Kirche gegründet und die Ausbreitung der Reli-
gion einmal in Gang gebracht war, so hörten alle
Wundergaben auf, theils weil sie nicht mehr nö-
thig waren, theils weil sie so gar in der Folge cr-
weißlich schädlich geworden seyn würden. Erste-
res räumt sogar der Verfasser gewissermaßen selbst
ein.
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