Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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142 Der christliche Diogenes.
„Wie gut wäre es aber,,, fährt der Verfasser
66. forr, „wenn ein solcher Lehrer alle Wückcl
„des Herzens derer durchschauen könnte, welchen
„er Sünden vergeben soll? Wie nöthig muß es
„seyn, daß ein solcher Mensch üble seine besondere
„Vergehungen dem in völligem Vertrauen anzeige/
„welcher durch sein Amt, zu der Verschweigung
„des Gcoffenbartcn, auf das stärkste verpflichtet
„ist? Sollte man hieraus nicht folgern können,
„baß Christus, da er das Amt der Schlüssel ein-
„gefetzt hat, auch die Erzählung und Bekennung
„aller einzeln Sünden geboten habe?,, Hier ist
wieder nichts als Sophisterei). Kein Vernünfti-
ger wird so schließen: weil diese oder jene Sache
ihren Nutzen hat, also muß sie als ein göttlich
verordnetes Institut angesehen werden. —- Und
selbst diesen Trugschluß zugegeben, so fragen wir
den Verfasser: i) ob denn gerade die Hererzäh-
lung einzelner Sünden allemal ein sicheres Mittel
sey, den inneren Zustand des Herzens zu entde-
cken? zumal da die Richtigkeit und Vollständig-
keit dieses Sündenregisters von der Treue des Ge-
dächtnisses und die Brauchbarkeit desselben für den
Beichtvater von der Ehrlichkeit des Beichtenden,
abhangt? 2) Ist denn zur Erforschung des in-
neren Gemütszustandes eines Menschen nicht ein
allgemeines, ehrliches Vckenntniß der inneren Ge-
sinnungen zureichend ? Ich brauche ja einem Arzt,
wenn er auf den Grund der Krankheit kommen
will, nie alle meine einzelne äußerliche Handlun-
gen
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