Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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An Herrn Lavatec. i;d
wie viel hundert Stellen sagtsieJhnen n'cht: ,-jeoi-
,ssriger du im Guten bist, je treuer und redlicher
,-du alle deine Kräfte anwendcst, Gottes Ehre
„und deiner Brüder Wohl zu befördern desto mehk
„näherst du dich der Vollkommenherr, desto ahn- '
,-sicher wirst du deinem himmlischen Vater,, Matth.
5, 4z —> 48» —- Also das ist unleugbar, das
Gebet ist Mittel '—' nicht Zweck. Soll cs nun
der Christ als Mittel brauchen, so must er es nach
der gesunden Vernunft so brauchen, wie man ein
Mittel braucht, das heißt, nach Maaegr-bf ftirrer
Bedürfnisse. —< Sie wissen, daß das Esten und
Trinken em Mittel ist, das Leben zu erhalten. Ader
Sie wissen auch, daß cs Leute giebk, besonders
Gelehrte, die sehr wenig essen, so wenig, daß man
ost erstaunt, wie sie davon leben können. Und doch
leben Sie und sind frisch und gesund. Würden
Sie cs nun einem Gelehrten verzeihen, wenn ersieh
darüber bekümmerte, daß er nicht so viel esse, als em
Taglöhner? Machen Sie die Anwendung«
Das Gebet ist ein Mittel zum Heile meiner Seele.
Ich brauche es so viel ich es nöthig finde das
heißt —- wenn Sie mir einen Ausdruck erlauben,
der sich auf mein Gleichniß beziehet — so oft mich
hungert. Ist meine Seele gerade in jener einsa-
men Stille, die es erfordert; wird sie gerade von je-
nen heiligen Flammen belebt, die zuweilen durch ei-
nen Funken des göttlichen Geistes in ihr ausbre-
chen -—- von jenem starken Gefühle ihres Sünden-
elendes — oder von lebhaften Freuden über Got-
tes
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