Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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164 An Herrn Lavater.
„ auf Gott Hinblicken. „ Denn nehmen Sie an,
einer Ihrer Dienstboten arbeitete immer für Sie
mit der größten Treue, mit dem redlichsten Flciße.
Würden Sie verlangen, baß ersiehe, immer bewußt
werde, daß er für Sie arbeitet ? Würden Sie je-
de seiner Verrichtungen, wenn Sic auch völlig nach
Ihrem Wunsche wäre, deswegen verwerfen, wenn
Sie ihn überführen könnten, daß er bcy derselben
sich nicht Ihrer Person und der Absicht, für seinen
guten lieben Herrn zu arbeiten, bewußt worden sey?
Je zuweilen geben Sie sich selbst wieder einige
Beruhigung bey Ihren Klagen: ( z. V. S. 45.
„daß ich nicht in der Schrift gelesen und nicht darin
„lesen können, das kränkt mich gar nicht. Nicht
„ich, sondern die Fürsehung wollte es, daß ich nun
„handeln nicht lesen sollte.,») Aber warum wendön
Sie diese nicht auf tausend andere Fälle an, und beson-
ders auf jenes bey der oder jene? Handlung (oft zu-
fällig) unterbliebene Andenken an Gott ? Warum
rrösten Sie sich nicht, wie Sie Ihren Freund S.
58. 59. trösteten? „Sie werden, sagen Sie, so
„oft von der Welt hingerissen? Vielleicht kränken
„Sie sich über Dinge, die unschuldig, oder die bloß
„Schicksal sind ? — Wenn Sie cs aber auch im
„schlimsten Sinnesagten, meine Antwort ist kurz:
„Fürchte dich nicht, glaube nur. Es ist Ihnen
„schon vergeben, glauben Sie es nur! Ihre
„Sünden sind schon versenkt; Gottes heiliger Geist
„ist schon in Ihrem Herzen. Glauben Sie es
„nur.
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