Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

Seite: 183
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_theologische_bibliothek1774/0203
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Die neusten Osf<ubahrungen.
nicht gerade -u in den griechischen Worten liegt,
den ihm aber der Schriftstelleller mitgedacht zu ha-
ben scheint, oder den ihm wenigstens die Parallele
an die Hand gab. Bilder, Anspielungen und
Sprüchwörter, behält er nur da bcy, wo er sie in
der deutschen Sprache verständlich und anstän-
dig auszudrücken glaubte: im Gegentheil wirft
er sie weg, wo sic in unsrer Sprache unverständ-
lich oder unedel scheinen könnten. Sprüch-
wörter vertauscht er mit Sprüchwörtern. Den
morgenländischen Dialog, der durch das oft wie-
derholte Sagen und Antworten uns frcylich bis-
weilen misfällt, modcrnisirt er durch namentliche
Anzeige und Wiederholung der redenden Personen,
wie man z. B. in Theaterstücken thut. Die Wort-
fügung paßt er dem Geist der deutschen Sprache an
und überträgt also nicht immer Frage in Frage, Pe-
riode in Periode, Epklamation in Exklamation rc.
Endlich paraphrasirt er, wo er besorgt, in einer
wörtlichen oder genauen Übersetzung den Gedanken
des Schriftstellers zu verliehren. -
Die Freiheiten könnten manchem ^eser über-
trieben scheinen. Allein in meinen Augen sind sie
von des Herrn Verfassers Absicht nothwcndigeFsl-
gen. Vorrechte einer fteyen Übersetzung.
Vielleicht aber befürchtet man, eben deswe-
gen sey überhaupt diese Uebcrsetzungöart der Bibel
zuwider, und trete der Würde des göttlichen Worts
zu nahe. Allein so müßten auch Paraphrasen ver-
werflich seyn, die man doch sonst mit Beyfall auf- ,
M 4 nahm
loading ...