Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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I. F. Bahrdt Predigten. 24^
„und Gotesd'enste wider besser Wissen und Gewis-
sen annehmen, und euren reinen evangelischen Glau-
ben muthwillig verleugnen wolltet. Wer kann
„aber Leute verdammen, die aus guter Meinungin
„einer falschen Religion bleiben, darinn sie gebohren
„und erzogen sind? Wer weiß ob ihnen Gott ihren
„Jrrthum und Aberglauben mit Recht zurechnen
„kann? oder wenn ers auch Ursache hätte, ob er
„nach der äußersten Strenge mit ihnen verfahren
„wird ? Es sind doch in allen, auch den verderbtesten
Religionen der Juden, Heiden und Christen, cs
„sind doch immer noch einige nützliche Wahrheiten
„der Vernunft und Schrift übrig, und wer weiß
„dann, was auch durch dieseskleinelicht derWahr-
„heit, der Geist Jesu Christi an ihren Seelen Gus
„tes ausrichtet? Werweiß wie viele dadurch uns
„vermerkt zu Christo gezogen, nach seinem Sinne
„gebildet, oder, wenn sie auch von Christo selbst
„nichts wissen, dennoch durch feinen Geist so gehei-
ligt werden, daß sie Gott angenehm sind in Christo
„dem Geliebten, und durch ihn gerecht und Erben
„des ewigen Lebens werden? Ich sehe wenigstens
„hier keinen sichern Grund, solches für unmöglich
„und widersprechend zu halten. Warum sollte ich
„es also nicht hoffen, nach dem Wunsche der Liebe,
„die jedermann wohl will und Gutes gönnet? Ist
„es also nicht Verwegenheit und die strafbarste Lieb-
losigkeit, andern Religionsvcrwandken mit fre-
ventlichem Urtheile sogleich die Seligkeit abzufpre-
„chen? Wer hat euch zu Richtern über anderer
Q 2 „Seelen
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