Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

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2Z2 Trostgrüttde.
steller den Verstand gleichsam wider Willen über-
zeuge , ohne daß eine so gewaltsame Ueberzeugung
auf das Herz wirken sollte? Doch der Verfasser
hat überhaupt gar seltsame Begrifft von Trost und
Beruhigung. Man sieht es ihm durchgängig an, daß
er eine Schrift für desto trostreicher hält, je öecla-
matorischer und affectuöscr sie geschrieben ist. Die-
sen Flitterstaat der unächken Beredsamkeit hält er
für das, was eigentlich das Herz augreift, und ver-
fällt daher S. i o f. auf die wunderlichen Versi-
cherungen: „Meine Absicht öey Verfertigung dieser
Aufsätze war, jene Fehler zu vermeiden, den Ver-
stand zwar zu überzeugen, hauptsächlich aber das
Herz anzugreifen und zu rühren.,, Gleich als wenn
der Verfasser einen andern Weg zum Herzen wüßte
als den, welcher durch das Gebiet des Verstandes
geht. — „ Ich habe daher, fährt er S. 11. fort,
die Einkleidung so viel als möglich war, reizend
und angenehm für alle Arten von Lesern einzurich-
ten gesucht, und zu dem Ende eine etwas affcct-
volle und blumenreiche Schreibart gewählt, die
zuweilen die Gränzen der Prsse verläßt und ms Ge-
biet der Poesie übergeht; ich weiß aus hinlänglicher
Erfahrung, daß diese Sprache von den mehresten,
aus verschiedenen Ursachen, mit mehr Vergnügen
gelesen wird, als ein simpler, ruhiger Vortrag, und
da eben dieses mein Wunsch war, daß das Buch
von vielen und gerne gelesen würde: so richtete ich
den Vortrag, ohne auf andere Regeln einer cor-
rekten Schreibart und des richtigen Geschmacks
zu
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