Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

Seite: 275
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Philosophische Gespräche. 275

Offenbarung von Gott unmittelbar bekannt ge-
macht sey, soll mancbcn aus demSchooße der Kir-
che fliehen gemacht haben. Ich kann mir nichts
seltsamcrs vorstellen, als diese Behauptung. Erst-
lich leugne ich gerade zu, daß dieser Satz auch
nur einen Ungläubigen gemacht habe. Denn em
Menschcher einmal die christliche Religion für Wahr-
heit, für göttliche Offenbarung hält, kann die
Kirche ohnmöglich deswegen fliehen, weil sie sie
für unmtttelbare Offenbarung ausgicbt. Und
einen solchen supponirt glcicbwol der Vers. Denn
er sagt „viele, welche die göttliche Vortreflichkeit
der Religion recht inniglich empfinden — nehmen
sich bloß daran Anstoß daß,, — Muss n das nicht
die unsinnigsten Menschen seyn, die ein ganzes Lehr-
gebäude verwersen, dessnWerrhund Göttlichkeit sie
sehen und fühlen, bloß weil es Leute giebt, welche
vergeben, sie sey nicht nur von Gott, sondern sie
sey es auch unmttttlbar? Selbst alsdann wäre es
wider Vernunft und Gewissen, wenn man sie zur
Annchmung dieser Behauptung Zwänge. AberdaS
ist ja nicht. Die Kirche wird gewiß kein Glied aus-
stoßen und verfolgen/ welches die ganze christli-
che Religion für wahr und göttlich hält/ und nur
davon sich nicht überzeugen könnte, daß ihr Urs
fprung unmittelbar von Gott seyn sollte. Aber,
wie g sagt, die ganze Sache ist eine wunderliche
Ficrlon. Nicht unser Glaube an eine unnmcel-
bare göttliche Offenbarung, sondern unser Miss-
brauch, den wir mit dieser Offenbarung getrie-
ben haben, und noch treiben, unsre theologische
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