Allgemeine theologische Bibliothek — 1.1774 [VD18 90309928]

Seite: 286
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_theologische_bibliothek1774/0306
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
286 Philosophische Gesprächs
theile streiten hören, welche der Religion durch ihre
wundervolle unmittelbare Bekanntmachung zuge-
stossen sind.
Wie ich bisher dem Hrn. A. gezeigt habe, daß
sein Lieblingsargument, mit dem er sich allein begnü-
gen will, und welches doch in allem Betrachte nur
ein vorbereitendes ist, weder zum objectivcn noch
subjectivcn Beweise zureicht, so sucht er nun den gu-
ten H. zu überreden, daß jene äußerliche Beglau-
bigungsschcine weder objectiv noch subjeetiv die
Wahrheit und Göttlichkeit der Religion außer Zwei-
fel setzen. Aber er begeht den Fehler, daß er in dem
ganzen Gespräche darüber, Wahrheit und Gött-
lichkeit der Religion nicht genau genug unterschei-
det. Bey einem Satze, so wie bey einem ganzen
Lehrgebäude sind allemal zwey Fragen abzusondern.
Ich nehme z. E. den Satz: „Gott hasset das La-
ster und bestrafet c§.„ Hier frage ich einmal: ist
Las wahr? „Und bey dieser Frage können z. E.
Wunder (denn davon redet A. im Folgendcnssnichts
entscheiden. Sie können jenen Satz weder objccti-
visch noch subjcetivisch wahr oder falsch machen.
Wahrheit, wie A. S. 41. gar recht erinnert, hat
ein absolutes Wesen, das unveränderlich ist. Aber
die zweyte Frage: „woher hat der Mann, welcher
mir zuerst jenen an sieb wahren Satz vortrug, den-
selben her? Ist er selbst darauf gefallen, oder
hat ihn Gott unmittelbar bekannt gemacht? Leh-
ret er ihn als Philosoph, oder mit göttlicher Auto-
rität, als ein Gesandter Gottes? Hab ich jenen
Satz als einen Einfall der Vernunft zu betrachten,
oder
loading ...