Allgemeine theologische Bibliothek — 2.1774 [VD18 90309928]

Seite: 235
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Walters Beyträge rc. 2zz
Es sey uns aber erlaubt, unfern Lesern bey die-
ser Gelegenheit einen eignen Gedanken mitzutheilen,
den wir längst über dergleichen Ehestreitigkeiten ge-
habt haben, und der den Gesichtspunkt betrift, aus
welchem, unserm Bedrucken nach, geift- und welt-
liche Richter die Sache ansehen und beurtheilcn
sollten.
Alle Arten der ehelichen Verbindungen, die
nicht offenbar Blutschande sind, sind nach unserer
Einsicht, Dispensarionsfähig, das heißt, sie haben
gar keinen weitern Nexum mit den positiven Ge-
setzen der Offenbarung. Das ganze Alte Testament,
so fern eö nicht allgemeine moralische Vorschriften
oder Glaubenslehren enthält, hat für uns Christen
nicht die mindeste Verbindlichkeit. Nur diese allge-
meine moralische Sätze verpflichten uns. Nur
diese versteht der Erlöser in der S. 7. von Hr. Wal-
ter Mißverstandenen Stelle Matth. 5, 19 — wel-
ches einem jeden einleuchten muß, der die Absicht
der ganzen Rede Christi zu bemerken und aus der
damaligen jüdischen Theologie die Beziehung des
Ausdrucks L-r-L^L" cinzusehen im Stande
ist. — Alles andere hat aufgehört, für uns Got-
tes Wille zu seyn. Und wer dieses nicht als Grund-
satz gelten und aus den tausendfachen Versicherun-
gen des Apostels Paulus (die er uns von der gänz-
lichen Abschaffung des jüdischen Gesetzes gegeben, ja
durch die er die Anhänglichkeit an dasselbe so gar zur
Sünde und zu einer Art von Untreue gegen das
Chrisienthum gemacht hat, Gat. 5.) die Folgerung
gelten lassen will, daß alle Verordnungen Gottes,
die er ehemals den Juden bekannt gemacht hat, und
die nicht unmittelbar zur allgemeinen Tugendlchre
gehören,
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