Allgemeine theologische Bibliothek — 2.1774 [VD18 90309928]

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Das Neue Testament—von Schulz» 24z
lieber Freund, oder laß dir Hr. Schulzen antwor-
ten, wenn du Lust hast, solche nichrerklärende Ueber-
sctzung zu vcrthcidigcn.—-

Ich will dich jezt Noch auf einen andern Stand-
punkt führen. Du giebst mir doch zu, daß ein Ue,
her setzer sein Original verstehen muß. Du verlangst
auch wohl, daß er nicht blos die einzelnen Worte
nach dem Vokabelbuche, sondern die ganze Redens-
arten nach ihrem Inhalte und Zusammenhänge ver-
stehn soll? Er muß doch also seinen Text erklä-
ren können?— Das alles giebst du zu. Nun so
höre weiter. Wozu foderst du denn wohl das al-
les von einem Uebersctzer? Dazu, daß er eine erklär
rende, oder dazu, daß er eine nichterklärende Ue-
berfttzung machen soll? Soll er eine nichterklä-
rende vcrf m'Zen, so braucht er nichts als Augen,
Hände, Papier, Dinke, Feder und — das Vokabel-
buch. Hak er diese Bedürfnisse, so übersezt er dir
sns) weg, -Li-cs ein Jota, y oder,/Eeine,xkLM«
Spitze u. s. w. Habe ich recht oder unrecht ? —
Must du nicht selbst gestehen, daß jene Erfordernis-
se nur bey erklärenden Übersetzungen nöthig sind?
Und daß also Sprachkunde und Einsicht in dm
Inhalt eines Originals ganz vergeblich seyn wür-
den, wenn ein Uebersctzer nicht erklärend übersetzen
sollte — nämlich in dem Verstände, daß er nicht die
OLorke, sondern die Gedanken des Originals über-
trage.—- „Jei, wird mancher sagen, der Ueber-
fttzer kann sich irren.,, Das ist eben so, als wenn
sich einer die Gemüse ungekocht und roh auf den
Tisch bringen lassen wollte, weil cs möglich ist, daß
der Koch sic verderben möchte.— Will man einmal
UrbersetzunAttr haben, so muß man sich gefallen lassen,
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