Allgemeine theologische Bibliothek — 2.1774 [VD18 90309928]

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Das neue Testament — von Schulz. 249
V. 18. „rmd dann wird alles geschehen seyn,^
Ohne Sinn.
V. 19. „wird im Himmelreiche der kleinste seyn. ,,
Dieß versteht niemand. Und wie es Hr. S. in der
Note erklärt, wird cs gar ein falscher Gedanke. Er
soll nach seiner Meynung so viel sagen: er verliert
alle Ansprüche auf den Charakter eines vollkommenen
Christen», Nicht zu gedenken, daß „Ansprüche aus
den Charakter,, für „Ansprüche auf das Verdienst,»
undeutsch ist; so ist es offenbar, daß ein Mensch, wie
ihn Christus hier schildert, als einen solchen Jrrlch-
rcr, der so gar die Moral aufhebk, und die Gesetze
der Tugend ausrotken will, nicht nur nicht die An-
sprüche auf das Verdienst eines vollkommenen Chri-
sten verliert, sondern gar aufhört, ein Christ zu seyn.
Allein /Hae-r. 7. heißt das gar nicht.
Nach der jüdischen Theologie giebts in der Ewigkeit
zwey Haufen, die Seligen und die Verdammten. Die
ersten heißen und leztere Und dar¬
nach mußte die Uebersezzung bestimmt werden.
V. r?.. „der mit dem andern ohne Ursache zur- -
riet,, Dieß hat Hr. S. von Hrn. Michaelis ge-
lernt, (so wie oben 4, n. das Speise bringen und
viel dergleichen Floskeln) der in seinem Collegio über
den Matthäus bey dieser Stelle viel leeres Geschwätz
macht. Er sagt z. V. ohne das eucy sey die Stelle
paradox: weil Zorn an sich erlaubt sey -— Christus
selbst habe gezürnct — und was dergleichen mehr ist.
Wir glauben gerade das Gegenthcil. Wenn nrrrsste^
hen bleibt, so wird die Stelle paradox. Denn als-
dann folgt, daß wer mit seinem Nächsten noch so
sehr zürnt, so sey es rechtmäßig, so bald es nur nicht
ohne Ursacht geschehe. Das ist ganz wider die christ-
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