Allgemeine theologische Bibliothek — 3.1775 [VD18 90309928]

Seite: 140
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F40 Gedanken über die symbolischen Bücher.
Denn einmal muß man vorher, ehe man die Ver-
bindlichkeit eines Lehrers gegen den hergebrachten
Lehrtrop rs bestimmen will, untersuchen, ob und un-
ter welchen Eürschränktnraen sine Gesellschaft das
Recht Habe, m Absicht auf ^erstandeseinsichten,
eine durchs ganze leben forgehende Gleichförmigkeit
zu fodern? Zweyken-r, in welchem Verstände die Kirche
Beharrlichkeit bey dem hergebrachten Lchrtrspus wirk-
lich gefordert habe, und ob folglich der wahre Sinn
Les ReligionZeiöes, auch nur der Absicht der Kirche
nach, verpflichte, alle alte Sätze und Sprucherklä-
rungen beyzuöchalten? und drittens, ob ein Lehrer,
gefetzt daß jene von dem Verfasser erträumte Verbind-
lichkeit La wäre, auch alsdann seine bessern Einsich-
ten verschweigen und den Wunsch einer Reform auf-
geben müsse, wenn es augenscheinlich ist. daß selbst
ein großer Theil der Gesellschaft (dazu Ministers,
Rakhe, Philosophen, Kaufleute, Bürger re. so gut
gehören, als die fchrcyenden Pfarrherren und Kir-
chendiener) diese Refsrme wünscht und für notwen-
dig ansieht. Da die Entscheidung dieser Fragen,
und bessuder« der dritten, das einzige ist, worauf
man Lrtthers Recht zu reformiren gründen kann, so
bitten wir jeden unparrheyischen Leser, sie wohl zu be-
herzigen und bey ihr?r Anwendung auf unsere Zeiten
sich selbst zu fragen, ob jene Folgerungen des Ver-
fassers Trugschluß oder Wahrheit bleiben können.
Die lieblosen Zumukhunßen Les Verfassers, an
Lehrer, die durch ^ränderte Einsichten sich bewogen
finden sosien, ihr Amt niederzulegen, verdienen keine
weitere Abfertigung. Wenn es dereinst so weit kom-
men sollte, baß der Theil der Kirche, der schon itzt
aufVerb'sserung des Religionsunterricht« dringt, die
Oberhand behielte, da wollten wir sehen, wie denen
hyperorthodoM Herren dergleichen Zumuthungenbe-
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