Allgemeine theologische Bibliothek — 3.1775 [VD18 90309928]

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str sagen kann. Wenn ihm nun der Churfürst von
Sachsen einen Brief sendete, zu dem derselbe weiter
nichts bcygetragen hätte, als daß ec seinem Sekre-
tär gesagt: „schreibe er dem D. E. ich liefe ihm für
seinen—> danken und er möchte doch bald auch et-
was von-- schreiben: es schiene mir, als schriebe er
zu wenig eigne Schriften für einen solchen Mann—,»
Würde wohl dieser Brief, gesetzt der Sekretär hät-
te obige Data noch so wortreich vorgetragen, ohne
daß es dem Chnrfürsten gefallen hatte, bey der Nah-
mensunterschrift, den Brief zu revidiren, keine siche-
re Zuverläßigkeit für ihn haben können? Und so
denke man sich die meisten Stücke der h. Schrift
und-— vielleicht alle. Paulus z.E. erhält von Gott
unmittelbare Offenbarungen. Jesus Christus selbst
erscheint ihm, bestätigt ihn in seinem Glauben ans
Evangelium, eröffnet ihm die den Jüngern vor der
Auferstehung unbekannt gewesene Lehren, von der
Aufhebung des jüdischen Gesetzes, von dem Eintritte
d:r Heyden in die Kirche Gottes u. d. erklärt ihm,
wie er diese Lehren verstanden wissen wolle, wie weit
er anfangs darinnen dem jüdischen Geschmacke nach-
geben könne, und welche KlughcitSregcln er bey Fest-
setzung derselben zu beobachten habe. Nun geht
Paulus und prediget diese Lehren, prediget sie Jahr
aus Jahr ein, schreibt sie endlich auf— in verschie-
denen Briefen an diese und jene Gemeine, ohne Laß
nun Gott weiter etwas dabey thut, als was seine
zu allen freyen Handlungen ordentlich concurriren-
de Providenz allen Menschen leistet, indem sie die
thätigcn Kräfte im Wirken erhält und nach Befin-
den stärkt. Man sage uns, wer Pauli Predigten
und Briefen sichereZuverläßigkeit absprechen will?—.
wenn man zumal überlegt, daß dieser fortschreitende
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