Allgemeine theologische Bibliothek — 3.1775 [VD18 90309928]

Seite: 243
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_theologische_bibliothek1775/0255
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
24Z

Revisionen.
Lel ewig heiße. Es ist gar das Wort nicht, wo-
mit der Morgenländer den metaphysischen Begrif
„ewig,, anfänglich angedeutet hat. Nur in neuern
Zeilen haben die Rabinen den Begrif erweitert. Ur-
sprünglich heißt eine Zeit von vielen Jahren.
Hernach brauchte man cs bestimmt von einem hal-
ben Jahrhundert. Daher heißt ^^2 „lange,, oder
„Jahrhunderte hindurch,, und 2^2 „von langen
Zeiten her.,. Dadurch ward es öey den Morgenlän-
dern das Wort, das man brauchte, wenn man von
einer unbestmimten Zeit reden wollte, deren Anfang
oder Ende man nicht anzugebcn wuchte. Ich sage
„wußte.,, Nie brauchte man es von einem Zeit-
räume, der keinen Anfang und Ende har—> d.h. von
der Ewigkeit; sondern nur von einer Zeit, der, n An-
fang oder Ende unbekannt ist. Vornehmlich bedien«
te man sich des Worts, wenn man stark uad em-
phatisch reden, und die Dauer einer Sache epaggeri«
rcn wollte. So heißt es z. E. dort, daß Gott das
Priesterthum bey der Familie (Jcharnars, glaube
ich, war es— ich mag nicht erst nachschlagen) las-
sen wolle ewiglich— nach Luthcrn— d. h. sehr lan-
ge,— durch eine unabschliche Reihe von Jahren.
Wer also diesen Sprachgebrauch der Hebräer ge-
wohnt ist, wird äonisch nie, ewig,sondern „unabseh-
iich lang,, übersetzen. Und so sagt Christus Matth.
25. mehr nicht als: die Frommen werden zu einer
uuabsehlichcn Freude cmgchen, die Gottlosen aber zu
unabfthlichem Elende verurtheilt werden. So muß
auch äonisch nach dem grmnmatischen Sinne von
Gott genommen werden: z.E. dorr: „ehe denn die
Berge worden— bist du Gott von Jahrhunderten
zu Jahrhunderten.,, Nun muß der Eregtt erst aus
andern Stellen beweisen, daß das von Jahrhunder-
A 2 ken
loading ...