Allgemeine theologische Bibliothek — 3.1775 [VD18 90309928]

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Nachrichten. i?2
dige, die das für Betrug und Aberglauben erklär»
ten, wurden für Leichtsinnige oder Ungläubige ge-
scholten. Und fast überall war man der Meynung,
Gott habe unfern Zeiten durch diesen — Schlingel,
ganz ausserordentliche Wunder und Zeichen Vorbe-
halten.— Als dieser Schröpfer endlich lange ge-
nung sein Spiet in Dreßden getrieben hatte, begab
er sich nach Leipzig. Hier fand er weit weniger An-
hänger. Indessen fehlte es ihm doch nicht gänzlich
daran. — Von ohngefehr fügte sichs, daß — ein
gewisser Umstand ihn wegen eines ungewissen Aus-
ganges bange machte. Und siche da— unser gott-
seliger Schröpfer ladet eines Tages eine grosse An-
zahl seiner heiligen Mitbrüder zu einem Mahle ein.
Man ißt und trinkt. Man besauft sich. Man —
doch ich will's kurz machen. Der heilige Schröpfer
beschied zuletzt die ganze Gesellschaft auf den folgen»
den Tag in's Rosenthal, ein nahe bey der Stadt
gelegener Wald, und versicherte dabey, daß Gott
dec Herr ihnen morgen daselbst ein Zeichen geben
würde. Diese Erklärung reizte natürlich die Neu-
gierde aller, die davon Nachricht bekamen. Es ver-
sammleren sich also, äusser seinen Brüdern, eine gros-
se Anzahl Menschen, in der Hoffnung, nichts gerin-
gere als Eliä Himmelfahrt zu fehen zu bekom-
men— Man durfte auch nicht lange warten.
Der Geisterseher kam— trat unerschrocken her,
vor— zog eine Pistole aus dem Busen und —>
schoß sich vor den Kopf.
Seit der Zeit sollen sich, sagt man, gewisse
Leute, die an Schröpfern geglaubet hatten, ver-
zweifelt schämen. Und wir wünschen selbst baß, die-
ser Ausgang, nebst so vielen patriotischen Predig-
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