Allgemeine theologische Bibliothek — 3.1775 [VD18 90309928]

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zoj. Besondrer Anhang.
te alle mit englischer Schrift geschrieben stehen. Es
würde also wahrer Unsinn gewesen seyn, wann
man das A. T. mit griechischen Buchstaben hätte
schreiben wollen, um das Verstehen desselben zu er-
leichtern. Hingegen dazu konnte cs gut seyn, daß
die wahre Pronunciation der hebräischen Schrift
theils erhalten, rheils erlernet würde, und daß un-
geübte Lcctoren in den Synagogen sich dergleichen
(^oö'iLum bedienen konnten, um den Text fließend
und wohlklingend herzulesen. Und aus diesem
Grunde vermuthen wir mit weit mehrerer Wahr-
scheinlichkeit, daß die ältern Juden, welche in Län-
dern lebten, wo die griechische Schrift gebraucht
wurde, ihren Kindern das Lesen der hebräischen
Bibel durch Übertragung der hebräischen Schrift
in Griechische und nach der wahren (d. h. bey ihnen
ein geführten) Pronunciation des Hebräischen ge-
schriebene Schrift, zu erleichtern, so wie etwa im
achten oder neunten Iabrhundcrte, in eben der Ab-
sicht die hebräischen Vokale und Accente mögen seyn
erfunden worden. Und wer dieses unpartheyisch
überlegen will, der wird es im höchsten Grade un-
glaublich finden, daß sich die griechischen Uebersctzre
solcher hebräischgriechifcher LoKoum bedienet
haben sollten. Denn sie verstunden entweder He-
bräisch oder sie verstunden keines. Verstunden sie
keinö/ so konnte ihnen die griechische Schrift zu
weiter nichts dienen, als daß sie den hebräischen
Text nach der wahren Pronunciation .herzule-
sen im Stande waren. Ueberfetzen aber konn-
ten sie eben so wenig, als ein Deutscher den
Milton
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