Allgemeine theologische Bibliothek — 4.1775a [VD18 90309928]

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Meiers Betrachtungen. 75
kann als ein gerechter Gott nichts mehr verlangen,
als was in der Freyheit des Menschen stund, und
ihm durch seine Kräfte möglich war. Wenn also
ein Mensch einen falschen Unterricht bekommt, oder
bey dem wahren Unterrichte unverschuldet auf irrige
Begriffe geräth (wie tausend unsrer gemeinen Leute
bey den drey Personen von Gott, bey dem h. Abend-
mahle) so kann ihm das nicht angerechnet werden.
Seine wirkliche Religion ist falsch aber unfündlich.
„Giebts doch, sogt H. M. so gar Gelehrte, die die
Monadenlehre leugnen, und folglich (obe!) ganz
falsche Begriffe von Gott sich machen müssen. Aber
aller dieser Menschen wirkliche Religion, so sehr sie
theoretisch falsch ist, kann doch moralisch richtig und
unfündlich seyn.„—
Durch diese Betrachtung muß sich einem
Menschenfreunde, die verdammende Krtzermacherey,
in einem abscheulichen Lichte zeigen. „Ein solcher
Ketzermacher S. hält einen jeden Religionsirr-
thum für strafbar/ und folglich für einen Jrrthum,
der in einem jeden Irrenden vermeidlich und sünd-
lich ist. Ich kann es keinem eifrigen Religionsan-
hänger als einen Fehler anrechnen, wenn er nach
seinen besten Einsichten theologische Meynungen für
Jrrthümer erklärt, und sie in adlkraLko proportionirt
verdammt. Allein wenn er daraus schließt, daß ein
jeder Irrender in seiner Person, durch seine Jrrthü-
mer sich versündige, und deshalb gewiß von Gott
werde gestraft werden: so urtheilt er gewiß auf ei-
ne unbesonnene Weise, indem er voraussetzt, daß ein
jeder in der Religion Irrender verpflichtet sey, seinen
Jrrthum zu vermeiden.,,

Mir
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